„Wir mussten uns ein bisschen finden, aber man merkt einfach, dass die Mannschaft gut zuarbeitet“, sagte SGB-Coach Jagatic erleichtert nach dem Spiel: „Heute hat man gespürt, dass wir diese drei Punkte haben und den Bock umstoßen wollen“.
Nachdem der Mainzer Ex-Profi Yunus Malli per Foulelfmeter auf 1:1 stellte, waren bange 20 Minuten für die SGB angebrochen: Mainz wollte die Punkte mitnehmen und versuchte nach vorne nochmal alles, doch diesmal hatten die Fuldaer das glücklichere Ende auf ihrer Seite: Tebo Gabriel, Joker der 05er, hatte den Ball im eigenen Strafraum nach einer Flanke mit dem Arm angenommen und der Barockstadt damit das 2:1 beschert: Den fälligen Elfmeter verwandelte Moritz Dittmann souverän und schnürte den Doppelpack an diesem Tag.
Nur zwei Minuten später waren die Gäste dann richtig aufgebracht: Dittmann und Mainz-Keeper Babatz gingen beide zu einem hohen Ball, rauschten zusammen, doch das Spiel lief weiter. Nicolas Wähling bedankt sich und schob ins leere Tor zum 3:1 ein, doch diesen Treffer hätte durchaus auch ein Freistoßpfiff zunichte machen können. Am Ende spielte es keine Rolle mehr: Der SGB gelang ein ganz, ganz wichtiger Sieg, der mehrere Steine innerlich zum Purzeln brachte.
Ob Aberglaube eine Rolle spielte? Die Barockstadt hatte auf Jagatic‘ Wunsch hin die Ersatzbänke getauscht und nahm erstmals rechts gesehen von der Haupttribüne Platz. Die Reservisten, das Trainerteam wie auch die Zuschauer sahen dann eine bockstarte erste Hälfte der Gastgeber, die Mentalität auf den Platz brachten. Allen voran Hans Nunoo Sarpei und Sebastian Schmitt, die nicht bei 100 Prozent waren, sich aber in den Dienst der Mannschaft stellten und 45 Minuten alles gaben. Die frühe Führung war der Lohn: Nach einer Pomnitz-Ecke kam der Ball über Umwege zu Dittmann, der den Ball im Fallen per Volley sehenswert ins Netz haute (11.). Jagatic hatte vorab nach der Pleite in Heilbronn dreimal gewechselt – Kraft (gesperrt) sowie Elekwa und Lokaj machten Platz für Iljazi, Reinhard und Hillmann.
Gerade Arlind Iljazi nutzte seine Chance und machte Betrieb auf der rechten Seite, schlug viele gefährliche Flanken in die Mitte. Der Trainer lobte entsprechend: „Wenn einer nicht kann, springt der nächste in die Bresche. Das brauchen wir auf jeder Position. Jeder arbeitet im Training zu 100 Prozent“. Die Führung zur Pause war verdient, während sich die Gäste aus Rheinhessen vor dem Tor harmlos präsentierten. Zwar war mit dem 1:0 noch nichts entschieden, doch Jagatic sprach von einer „überragenden“ ersten Halbzeit seines Teams, das durch Ivankovic (35.) oder Schmitt (38.) weitere Chancen verzeichnete.
Der FSV wurde dann im zweiten Durchgang aber stärker, insgesamt gab es dann auf beiden Seiten mehr Torraumszenen. Maximilian Weisbäcker war hinten auf dem Posten, wenn er gebraucht wurde – dann aber machtlos, als Malli den Elfer zum Ausgleich verwandelte. Aaron Frey und Leon Pomnitz hatten Kadrijaj in die Zange genommen und den Mainzer zu Fall gebracht.
Doch diesmal kippte das Spiel nicht in die andere Richtung. Die SGB drängte weiter und hatte mit dem zur Pause gekommenen Elekwa ein belebendes Element in der Offensive, der vorher schon eine gute Kopfballchance vergab (61.). Mit Lokaj hatte ein weiterer Joker direkt nach dem 1:1 vorne die Möglichkeit, die Führung wiederherzustellen (71.) Allerdings steckte auch Mainz nicht auf – Glück hatte Fulda vor allem bei einem Lattenkracher der Gäste eine Viertelstunde vor Ende. Doch mit viel Leidenschaft und Fleiß erarbeitete sich die SGB diesmal das Glück, und lenkte das Kellerduell wieder in die richtigen Bahnen. Elekwa hätte sich fast belohnt, traf aber nur das Außennetz (84.), ehe mit dem Handelfelfmeter die Vorentscheidung gefallen war. Dass sich die 05er beim 1:3 aufgeregt hatten, war berechtigt, aber nicht mehr spielentscheidend. Und Fulda feierte den ersten Sieg seit dem allerersten Saisonspieltag – gegen einen der Lieblingsgegner der gesamten Liga. Denn noch kein einziges Spiel hat die Barockstadt gegen Mainz bisher auf Regionalliga-Ebene verloren.
Barockstadt: Weisbäcker – Iljazi, Habermehl, Frey, Hillman – Ivankovic (90.+4 Furkert) – Dittmann (90.+3 Miftari), Sarpei (46. Lokaj), Pomnitz, Schmitt (46. Elekwa) – Reinhard (81. Wähling).
Mainz 05 II: Babatz; Horlbeck (80. Gabriel)., Vött, Burger (46. Preßler), Schulz, Cherny (78. Debrah), Malli, Ugljanin (67. Gitau), Kadrijaj, Marincau, Haidara (46. Rahmann).
Schiedsrichter: Mathias Heilig (Klettgau)
Tore: 1:0 Moritz Dittmann (11.), 1:1 Yunus Malli (70., Foulelfmeter), 2:1 Moritz Dittmann (86. Handelfmeter), 3:1 Nicolas Wähling (87.)
Zuschauer: 920
