Lokales FD 20.10.2026

Projekt „PeerPower“ – Gegen den Fachkräftemangel in der Region

Fulda (sg) – Beim Projekt „PeerPower“ werden eigens vom Verein „Welcome In! Fulda“ ausgebildete Mentorinnen und Mentoren mit interessierten Migrantinnen und Migranten zusammengebracht, um sie bei der Arbeitssuche zu unterstützen, wodurch gleichzeitig dem Fachkräftemangel in der Region entgegengewirkt werden soll. Am Dienstagabend fand die Auftaktveranstaltung des Projekts zur Arbeitsintegration im „Welcome In!“-Wohnzimmer statt.

Fotos: Sabrina Gram

Christoph Kümpel und Sarah Herrlich, die „PeerPower“ seit Juli leiten, führten durch den Abend und erklärten zunächst, wie das Projekt zustande gekommen ist. Die Idee entstand bei einem Auslandsaufenthalt Kümpels: Für seine Bachelorarbeit, die er im Rahmen seines Studiums der Sozialen Arbeit an der Hochschule Fulda schrieb, reiste er nach Schweden und beschäftigte sich mit einem Betrieb, der ein Projekt zur Arbeitsintegration für Menschen mit psychischen Erkrankungen durchführte. „Daher war das Thema Arbeitsintegration immer in meinem Kopf, weil ich in meinem Umfeld und auch bei mir selber erlebt habe, wie wichtig das ist für eine Integration ins Leben“, erklärte Kümpel. Zu den Erfolgsfaktoren des von ihm untersuchten Projekts gehörte ein Mentoring-Programm, bei dem Mentorinnen und Mentoren, die ähnliche Erfahrungen wie die von ihnen betreuten Personen gesammelt hatten, andere auf ihrem Weg in die Arbeit begleiteten. Daneben hob Kümpel ein Buddy-system vor, das unter anderem Sprachcafés organisiert hat, bei denen die Teilnehmer in lockerer Atmosphäre die schwedische Sprache üben konnten. Diese Eindrücke brachte Kümpel dann auch in seine Tätigkeit bei „Welcome In!“ mit ein.

Der Verein habe sich, wie Sarah Herrlich ausführte, seit 2016 einen Namen als Treffpunkt für Menschen mit und ohne Fluchterfahrung gemacht und biete mit dem „Wohnzimmer“ einen offenen Begegnungsraum, wo sich Menschen begegnen. Etwa um das Jahr 2023 sei dann aufgefallen, dass in den Beratungen immer wieder das Thema Arbeit, Ausbildung und Arbeitsintegration aufkomme und auch von Seiten der Wirtschaft die Rufe nach Fachkräften immer lauter würden, die Unternehmen aber nicht wüssten, wie sie den Zugang zu den Leuten fänden, oder Probleme in der Kommunikation hätten. Daher habe „Welcome In!“ beschlossen, als Bindeglied zwischen den arbeitssuchenden Migrantinnen und Migranten und den Unternehmen und weiteren hilfreichen Institutionen zu agieren. Gemeinsam mit Kümpel haben sie dann „PeerPower“ auf die Beine gestellt.

In dem neuen Projekt sollen Mentorinnen und Mentoren mit Migrationsgeschichte diejenigen stärken und unterstützen, die erst vor kurzem nach Fulda gekommen sind und Arbeit suchen oder sich noch bei Behördengängen und im Alltag zurechtfinden müssen. Bei der Auftaktveranstaltung sprach Farzane Yaqin, die bei „PeerPower“ als Mentorin tätig sein wird und ihrerseits aus Afghanistan stammt. „Ich weiß, dass es für die Leute, die in einem Land mit fremder Sprache ein neues Leben anfangen wollen, sehr schwer ist. Ich erinnere mich, dass ich, obwohl ich aus einer akademischen Familie komme und mit Englisch habe umgehen können, in der ersten Zeit große Schwierigkeiten hatte“, erzählte Yaqin. Bei „Welcome In!“ habe man ihr sehr geholfen, die Probleme mit der Sprache zu überwinden. Als sie von dem neuen Projekt hörte, war sie gleich bereit, mitzuhelfen: „Ich habe viel gelernt vom Wohnzimmer, von Deutschland, und jetzt ist die Zeit gekommen, das alles an andere Leute, die wirklich Schwierigkeiten haben, weiterzugeben.“

Neben dem Mentoring-Programm bietet „PeerPower“ Sprachcafés, verschiedene Veranstaltungen zur Vernetzung mit Arbeitgebern und Workshops über Arbeitsthemen und Behördengänge. „Welcome In!“ arbeitet dafür mit verschiedenen Institutionen zusammen. Bei der Auftaktveranstaltung mit dabei waren Luke Williams von NH-Oring, Sonja Guthermuth-Muhammad vom Integrationsbüro des Landkreises Fulda, Marlene Most vom Kreisjobcenter, Nathalie Reisinger von der Kreishandwerkerschaft und Martin Vogel und Sarah Metz von der Agentur für Arbeit Fulda-Bad Hersfeld. Ebenfalls zugegen war Uwe Hunger von der Hochschule Fulda. Die Hochschule plant, das Projekt „PeerPower“ zu begleiten und wissenschaftlich zu evaluieren. „Wir wollen den Weg des Projekts wissenschaftlich dokumentieren und dadurch in die wissenschaftliche Diskussion einbetten, weil ich schon glaube, dass das nicht nur so ein kleines lokales Projekt sein muss, sondern auch so etwas wie ein Pilotprojekt werden kann, wo auch andere Kommunen, andere Städte gucken können, ob das etwas für sie ist“, erklärte Hunger.

Es hätten sich zwar schon viele Mentorinnen und Mentoren gemeldet, aber es bestünde noch Bedarf an Mentees, sagte Christoph Kümpel. Interessierte Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung, die Unterstützung bei Ausbildung, Arbeit oder beruflicher Orientierung suchen, können sich noch bis zum 15. November bei „Welcome In!“ melden und sich für das Projekt bewerben. Im Anschluss an die Grußworte der Projektleitung und der einzelnen Vertreterinnen und Vertreter konnten die Gäste der Auftaktveranstaltung sich bei Essen und Trinken besser kennenlernen und erste Kontakte knüpfen.

ProjectPeer-Auftaktveranstaltung. Fotos: Sabrina Gram