Trotz eines geplanten Defizits von rund 1,27 Millionen Euro will die Gemeinde im kommenden Jahr über zehn Millionen Euro in wichtige Großprojekte stecken. Der Blick auf die nackten Zahlen der Finanzplanung offenbare eine prekäre Lage, für die die Rathauschefin vor allem äußere Faktoren, wie die allgemeine Wirtschaftsflaute und steigende Umlagen, verantwortlich macht. Während die einstigen Rekordeinnahmen aus der Gewerbesteuer wegbrechen, explodieren die Aufwendungen: Allein die von Brandes eingeplante, aber vom Kreistag noch nicht beschlossene Erhöhung der Kreisumlage würde Petersberg im kommenden Jahr Mehrausgaben von 600.000 Euro bescheren. Da der Verwaltungsapparat laut interkommunalem Vergleich hessenweit bereits zu den schlankesten gehöre und das Personal am Limit arbeite, lasse sich dort kaum sparen. „Die Kosten für die Kinderbetreuung fressen uns Kommunen auf“, mahnte die Bürgermeisterin und forderte vehement eine grundsätzliche Finanzierungsreform von Bund und Land, bei der die ausufernd steigenden Kosten nicht allein den Kommunen aufgebürdet werden.
Um das Haushaltsloch zu verkleinern, greift die Verwaltung nun zur Steuerschraube. Der Entwurf sieht eine Erhöhung der Grundsteuer A (von 332 auf 390 Prozent) und der Grundsteuer B (von 350 auf 410 Prozent) vor. Das bringt der Gemeinde rund 400.000 Euro an Mehreinnahmen und bedeutet für einen durchschnittlichen Haushalt eine Mehrbelastung von etwa 50 Euro im Jahr – „für den einen mehr, für den anderen weniger“, so die Bürgermeisterin. Zudem kündigte Brandes für 2027 einen weiteren, tiefgreifenden Sparplan an, bei dem sämtliche Gebühren und freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand kommen sollen.
Investitionen in Freibad, Kita und Straßen
Trotz des Sparkurses herrscht in Petersberg alles andere als Stillstand. Das finanziell größte Projekt der Gemeindegeschichte biegt auf die Zielgerade ein: Die rund elf Millionen Euro teure Sanierung des Freibades. Unterstützt durch Fördermittel von Bund und Land wird das Schwimmbad im kommenden Jahr für die Bauarbeiten komplett geschlossen bleiben. Ziel ist es, im Jahr 2028 eine moderne Freizeitoase zu eröffnen. Ebenfalls auf der Agenda für 2027 stehen die letzten Arbeiten am insgesamt sechs Millionen Euro teuren Neubau der Kita Margretenhaun, der weitere Ausbau der Landesstraße 3418 quer durch Petersberg nach Lehnerz sowie der weitere Ausbau von Radwegen und weiteren Photovoltaikanlagen auf gemeindlichen Dächern.
Auch auf die Lehren aus dem vergangenen Sommer reagiert die Gemeinde: Nach dem erstmals ausgerufenen Trinkwassernotstand investieren die Gemeindewerke im kommenden Jahr in eine Probebohrung für einen neuen Tiefbrunnen. Bis zu drei Millionen Euro soll die Erschließung kosten, um die Wasserversorgung bis 2030 krisenfest zu machen.
Um all diese Aufgaben ohne zusätzliches Personal zu stemmen, setzt Petersberg weiterhin auf die sprichwörtliche „Petersberger Geschwindigkeit“ bei der Digitalisierung. Nach dem bundesweit beachteten KI-Telefonassistenten „Charly“ wurde die Gemeinde nun für die nächste Generation KI-gestützter Verwaltung ausgewählt. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck“, betonte die Bürgermeisterin: „Sie schafft Zeit für das Wesentliche und hilft uns, mit dem vorhandenen Personal mehr zu leisten.“
Finanziert werden die Investitionen auch durch eine geplante Kreditaufnahme von 2,1 Millionen Euro. Mit einem Verschuldungsgrad von zwölf Prozent liegt Petersberg jedoch weiterhin weit unter dem hessischen Durchschnitt von 57 Prozent. Der Entwurf des Zahlenwerks ist ab sofort im Ratsinformationssystem einsehbar. Für die Mandatsträger findet am 19. November eine detaillierte Infoveranstaltung statt.
