Um dieses tief verwurzelte Engagement gebührend zu würdigen, verwandelte sich der Festsaal am Freitagabend in eine feierliche Arena. Moderiert wurde der traditionelle Abend, der turnusgemäß nach dem Ende einer Wahlperiode stattfindet, von Sabine Räth. Sie brachte es bereits in ihrer Anmoderation auf den Punkt: „Politik passiert nicht auf den großen Bühnen. Politik ist hier, wo sich Menschen für die Gemeinschaft einsetzen.“ Neben festlichen Klängen am Klavier, dargeboten von Manuel Krönung (Musikschule Brandenstein), stand vor allem ein Begriff im Mittelpunkt: Danke.
Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Michael Wastl, eröffnete die feierliche Runde vor vollbesetzten Rängen mit klaren Worten der Anerkennung: „Politisches Engagement ist kein normales Hobby. Es werden unzählige Stunden in Sitzungen und Ausschüssen verbracht, oft unter Zurückstellung der eigenen Familie.“ Wie tief die demokratische Arbeit in den Ortsteilen verwurzelt ist, bewies der anschließende Auszeichnungsmarathon. Allen voran Thomas Grünkorn (CWE), der auf eine fast unglaubliche, 49-jährige Mitgliedschaft im kommunalen Parlament zurückblickt und zudem für 30 Jahre im Ortsbeirat – darunter viele Jahre als Ortsvorsteher – geehrt wurde. Ebenfalls für mindestens drei Jahrzehnte ununterbrochenen Dienst wurden Werner Fromkorth (CWE, stolze 40 Jahre Mandat), Stefan Grösch (Bürgerliste Keulos), Christoph Auth (CWE), Wolfgang Zoth (Bündnis 90/Die Grünen) und Dieter Lachnit (SPD) unter anhaltendem Applaus mit Urkunden und Präsenten bedacht.
Ein weiterer emotionaler Höhepunkt war die Verleihung der Ehrenbriefe des Landes Hessen. Diese exklusive Auszeichnung erhielten Manfred Schomann (CWE) für sein langjähriges Wirken im Ortsbeirat Künzell-Bachrain sowie die verdiente Gemeindevertreterin Barbara Herget (SPD). Besondere Erwähnung fand Holger Philipp (CDU), der seit 1997 als Ortsvorsteher in Dietershausen die Geschicke seines Heimatdorfes lenkte und nun zum Ehrenortsvorsteher ernannt wurde. Bernd Eckart (Bündnis 90/Die Grünen) wurde nach zwei Jahrzehnten im kommunalen Parlament zum Ehrengemeindevertreter ernannt. Bürgermeister Zentgraf, selbst vor seiner Amtszeit lange ehrenamtlich aktiv, zeigte sich beeindruckt: „Was wir hier gesehen haben, diese Urgesteine, ist schon etwas ganz Besonderes.“
Neben den aktiven Jubilaren stand der Abend ganz im Zeichen des Abschieds. Eine stattliche Riege ausgeschiedener Persönlichkeiten wurde für ihren langjährigen Dienst gewürdigt. Aus dem Ausländerbeirat schieden Erzsebet Nüchter, Haras Ahmad, Laura Turrini und Ahmad Haidar nach jeweils über fünf Jahren aus. Zentgraf bedauerte in diesem Kontext, dass sich für die neue Wahlperiode nicht ausreichend Kandidaten gefunden hatten, und dankte den Ausgeschiedenen ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit. Die Ortsteile verabschiedeten Petra Müller (Wissels, fünf Jahre), Heiko Semler (Dietershausen, zehn Jahre), Gabriele Jahn sowie Klaus Räth (beide Bachrain, zehn Jahre) und Elfriede Klein, die sich in Dirlos über einen Zeitraum von stolzen 19 Jahren einbrachte. Aus den Reihen der Gemeindevertretung wurden Dagmar Zoth (fast ein Jahr), Bernd Ruppel (über ein Jahr), Carsten Mehler (fast zwei Jahre), Dr. Britta Haag (drei Jahre) und Tobias Zeitlinger (fünf Jahre) entlassen. Ulrike Böhm-Werthmüller steuerte acht Jahre parlamentarische Erfahrung bei, während Martin Langsch nach fünf Jahren den Gemeindevorstand verließ. Ein besonderer Dank galt Johannes Groß, der die Gemeindevertretung fast fünf Jahre lang als Vorsitzender anführte und zudem über zehn Jahre lang in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Gruppenwasserwerk Florenberg aktiv war.
Zum Finale der offiziellen Zeremonie richtete sich der Fokus auf eine ganz besondere Säule der Verwaltung: Leander Mehler wurde für seine außergewöhnliche Lebensleistung gewürdigt. Seit 1989 steuerte er die Protokolle der Gemeinde – zunächst als stellvertretender Schriftführer und schließlich seit 2003 als Hauptschriftführer der Gemeindevertretung. In den ersten Jahrzehnten leistete er diesen Dienst noch ehrenamtlich, bevor die Tätigkeit ab 2010 im Rahmen seiner regulären Arbeitszeit angerechnet wurde. Nach den Schlussworten von Michael Wastl und dem anschließenden Buffet klang ein Abend gemütlich aus, der bewies, dass Künzell von Menschen getragen wird, die kommunale Verantwortung täglich leben.
