Lokales 27.10.2026

Pächterin verlässt Kissinger Hütte – schwere Vorwürfe gegen Rhönklub

Bad Kissingen (jah) – Die Freude über die wiederaufgebaute Kissinger Hütte währt offenbar nicht lange: Nur wenige Tage nach der offiziellen Einweihung hat Pächterin Beverly Borg ihren Rückzug angekündigt. In einem Facebook-Beitrag erhebt sie zugleich schwere Vorwürfe gegen den Rhönklub Bad Kissingen und kritisiert unter anderem den Zustand der Hütte, die Planung des Neubaus und die aus ihrer Sicht falschen Prioritäten. Manfred Egert bestätigt den Rückzug gegenüber Osthessen-Zeitung und kündigt zeitgleich eine offizielle Stellungnahme an.

Die Kissinger Hütte vor dem Brand. Archivfoto: Rhönklub

Manfred Egert, Vorsitzender des Rhönklub-Zweigvereins, Bad Kissingen. Foto: Ralph Görlich

Am 22. Oktober war die neu aufgebaute Kissinger Hütte auf dem Feuerberg offiziell eingeweiht worden. Der historische Teil der Hütte war am 18. März 2025 bei einem Großbrand zerstört worden. Die Wiedereröffnung wurde entsprechend mit großer Freude gefeiert – Borg und ihre Familie waren bei dem Termin allerdings nicht dabei. Nun erklärt die bisherige Pächterin öffentlich ihren Ausstieg. „Heute teilen wir euch mit, dass wir als Pächter raus sind“, schreibt Borg in ihrem Beitrag. Sie kritisiert darin unter anderem, beim Neubau nicht ausreichend eingebunden und über den aktuellen Stand nicht informiert worden zu sein. Bei verschiedenen Punkten habe die Familie Einspruch erhoben, sei jedoch immer wieder mit dem Hinweis vertröstet worden, die neue Hütte müsse zunächst anlaufen.

Hohe Pacht und hohe Investitionen

Ein zentraler Punkt ist für Borg die finanzielle Belastung. Die Pacht beträgt nach ihren Angaben 6545 Euro brutto im Monat. Bei einer solchen Summe könne die Gastronomie nicht erst nach und nach anlaufen, argumentiert sie. Hinzu kämen hohe eigene Investitionen: Für die Ausstattung, die sie als Pächterin selbst anschaffen müsse – von Küchengeräten über Geschirr bis hin zu Bettwäsche, Fernsehern und Kasse – habe die Familie bereits mehr als 60.000 Euro ausgegeben. Allein die Kaffeemaschine koste 17.000 Euro, die Kasse 15.000 Euro, schreibt Borg. Gleichzeitig sei die Hütte aus ihrer Sicht noch längst nicht fertig. Sie nennt unter anderem Küche, Fassade, Terrasse, Zimmer und Lüftung. Auch am Tag ihres Facebook-Beitrags seien noch mehrere Gewerke vor Ort gewesen. Besonders kritisiert Borg, dass aus ihrer Sicht der Termin der Einweihung am 22. Oktober wichtiger gewesen sei als der Zeitpunkt, zu dem die Gäste wieder vollständig bewirtet werden könnten.

Auch mit der Gestaltung des Neubaus geht die ehemalige Pächterin hart ins Gericht. Aus gastronomischer Sicht sei die neue Hütte „eine Katastrophe“, schreibt sie. Die Planung sei zu sehr auf Optik und zu wenig auf praktische Abläufe ausgerichtet. Als Beispiel nennt sie den Eingangsbereich, die Behinderten-WCs sowie die Frage nach einem Getränke- und einem Zigarettenautomaten. Letztere seien aus ihrer Sicht mit dem Hinweis abgelehnt worden, dass der Standort nicht wie eine Autobahnraststätte wirken solle beziehungsweise ein Zigarettenautomat nicht ins Bild passe. Borg zieht deshalb ein ernüchterndes Fazit: „Diese schöne alte Hütte ist abgebrannt und ein ‚Hotel‘ ist entstanden“, schreibt sie. Auch Ausgaben für einen Bildschirm im Eingangsbereich, Kronleuchter, Lampen und Tische stellt sie der aus ihrer Sicht fehlenden Funktionalität gegenüber.

Rhönklub will sich nicht an „Schlacht“ beteiligen

Der Rhönklub-Zweigverein Bad Kissingen bestätigt auf Anfrage von Osthessen-Zeitung den Ausstieg der Pächterin. Manfred Egert, Erster Vorsitzender, kündigt zugleich an, dass der Verein in Kürze eine offizielle Stellungnahme veröffentlichen werde. Zu den Vorwürfen selbst wollte Egert zunächst nicht ausführlich Stellung nehmen. „Das ist schon ziemlich harter Tobak, was uns da vorgeworfen wird, aber wir werden uns in keiner Form an irgendeiner Schlacht beteiligen. Deswegen wird es auch nur dieses eine Statement geben“, betonte Egert. Damit ist die Auseinandersetzung zunächst vor allem durch die Darstellung der ehemaligen Pächterin öffentlich geworden. Die ausführliche Position des Rhönklubs steht noch aus.