Die Jacke für Sportschützen (Material: Baumwolle, gestärkt & Polyester & Leder; Datierung: 2023; Inventarnummer: VM 2026/171) steht für die Sammlung zum Thema „Vergessene Fertigungen - Fulda im Wandel der Industrie“ des Museums. Der Hintergrund der Sammlung: Seit mehreren Jahren ist ein deutlicher Wandel in der Fuldaer Industrie zu verzeichnen; einst große Produktionen schließen ihre Betriebe, und Fertigungshallen werden stillgelegt. Um die Geschichte dieser Unternehmen und ihr Wirken in Fulda zu dokumentieren, erarbeitet das Museum in Kooperation mit der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek Fulda eine virtuelle Ausstellung. Eines der Exponate ist das Objekt des Monats Oktober: Eine Jacke für Sportschützen aus der Fertigung der ehemaligen Textilfabrik Nicolaus Weber.
Gegründet wurde das Familienunternehmen 1875 von seinem Namensgeber Nicolaus Weber (1824–1907), zunächst in der Florengasse mit nur fünf Mitarbeitern. Von diesen bescheidenen Anfängen ausgehend, wuchs das Unternehmen rasch. Die neuen Produktionshallen in der Frankfurter Straße 23, in denen bis zuletzt produziert wurde, boten über Jahrzehnte hinweg die nötigen Kapazitäten für die wachsende Produktion und die steigenden Mitarbeiterzahlen. Trotz zweier Weltkriege verzeichnete das Unternehmen, von wenigen Einbrüchen abgesehen, ein stetiges Wachstum. Ein herber Rückschlag ereignete sich 2003, als ein Großbrand die Weberei samt Maschinenpark zerstörte. Nach einem umfangreichen Neubau wurde das Unternehmen jedoch immer wieder modernisiert und produzierte weiter – bis schließlich zum 1. August 2024 nach 149 Jahren die Liquidation erfolgte.
Aus der letzten Produktionsphase dieses Traditionsunternehmens stammt auch ein besonderes Zeugnis seiner handwerklichen Vielseitigkeit: eine Sportschützenjacke, die als echtes Einzelstück gilt. Gefertigt aus gestärkten Baumwollfasern und ergänzt mit Lederelementen, dient sie der Unterstützung der korrekten Haltung des Schützen. Die dargestellte Farbpalette zeichnet das Stück dabei als Musterstück aus. Während die für den Markt produzierten Jacken meist aus zwei bis drei Farben zusammengestellt wurden, diente diese Jacke als Musterjacke für die Präsentation auf Messen. Die für die Jacke verwendeten Fasern wurden zwischen 1985 und 2023 bei Nicolaus Weber produziert. Die Produktion dieser Jacken war eine stetige Anpassungsaufgabe, da die Stücke stets dem neuesten Reglement im Schießsport entsprechen mussten. Dieses Einzelstück entstand etwa ein Jahr vor der endgültigen Schließung des Textilwerkes 2024 und ist eines der letzten Zeugnisse einer langen und wechselvollen Firmengeschichte.
Das Exponat ist eine Schenkung der Nicolaus Weber GmbH und Co. KG.
