Lokales FD 01.10.2026

Neustart in der Fasanerie: Nadine Dietz übernimmt Gastronomie

Eichenzell – Von Silas Messing – Zehn Jahre lang war sie Mitarbeiterin, jetzt ist sie plötzlich selbst die Chefin: Nadine Dietz übernimmt zum 1. Oktober die Gastronomie im Schloss Fasanerie. Nach der Insolvenz der bisherigen Betreiberin führt die erfahrene Gastronomin den Betrieb künftig mit ihrer neu gegründeten Herzblut Gastronomie und Events UG weiter. Vieles soll zunächst bleiben, wie es ist – doch Dietz hat auch einige Ideen, wie sie die Fasanerie Schritt für Schritt moderner und eventreicher machen möchte.

Nadine Dietz. Foto: Silas Messing.

Ganz viel Zeit zum Durchatmen blieb Nadine Dietz nicht. Erst vor rund sechs Wochen habe sie erfahren, dass sie die Gastronomie tatsächlich übernehmen könnte. „Der Insolvenzverwalter ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich nicht Lust hätte, es weiterzuführen“, erzählt sie im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung. Auch der bisherige Betreiber Karl-Gustav Müller habe sein Einverständnis gegeben.

Dietz musste nicht lange überlegen – zumindest nicht lange im Verhältnis zu der Größe der Aufgabe. „Ich hab dann doch noch mal kurz drüber nachgedacht, weil das ist ja schon viel“, sagt sie. Denn die Fasanerie kennt sie seit Jahren. Sie weiß, wie der Betrieb funktioniert, kennt die Mitarbeiter und viele der Gäste. Gleichzeitig weiß sie genau, welche Verantwortung nun auf ihren Schultern liegt.

„Es ist schon eine krasse Herausforderung, und ich hab auch echt Respekt davor“, sagt Dietz. Von einer romantischen Vorstellung vom eigenen Betrieb könne jedenfalls keine Rede sein. „Es ist jetzt nicht so, dass ich mir das schönmale und denke: Wow, geil, ich bin die Märchenprinzessin.“

Stattdessen geht es für die neue Betreiberin zunächst um etwas viel Grundsätzlicheres: Stabilität. Der Betrieb soll erhalten bleiben, die Mitarbeiter sollen weiterarbeiten können und auch für die Gäste soll sich möglichst wenig von heute auf morgen verändern. „Die Grundidee war eigentlich, dass der Betrieb erst mal erhalten bleibt, dass die Mitarbeiter weiterbleiben“, sagt Dietz. Schließlich gebe es neben aller Kritik der vergangenen Monate auch viele Menschen, die der Gastronomie verbunden seien. „Es gibt ja auch Gäste, die uns lieben.“

Der Name der einzelnen gastronomischen Bereiche bleibt ebenfalls bestehen. Schlossrestaurant, Postenhaus und die Schlosshütte sollen weiterhin unter ihren bekannten Namen auftreten. Dachmarke der neuen Betreiberin ist die Herzblut Gastronomie und Events UG.

Und genau dieses „Herzblut“ soll künftig auch im Konzept sichtbar werden. Dietz möchte die Gastronomie nicht komplett auf den Kopf stellen. „Es kann jetzt keiner von mir eine Kehrtwende um 180 Grad erwarten“, sagt sie. Dafür fehlten schon allein die personellen Möglichkeiten. Vielmehr soll sich der Betrieb Schritt für Schritt entwickeln.

„Mit modern meine ich das Angebot: Kaffee, Kuchen, Speisen, einfach moderner, und eben die Events“, erklärt Dietz. Auch Workshops und familienfreundliche Angebote kann sie sich vorstellen. Einen Trend nach dem anderen wolle sie dabei aber nicht blind mitmachen. Selbst beim derzeit allgegenwärtigen Matcha kann sie allerdings schon mitreden: „Matcha haben wir tatsächlich schon. Und ich hab auch Matcha-Kuchen tatsächlich, der echt gehypt wird von den Matcha-Lovern.“

Der größere Schwerpunkt soll auf Veranstaltungen liegen. Gerade die Schlosshütte, die am 24. Oktober eröffnet wird, soll künftig stärker zur Eventlocation werden. Live-Musik, Veranstaltungen und weitere Formate sind geplant. Erste Künstler und Musiker seien bereits im Gespräch oder gebucht. „Wir wollen mehr in die Event-Schiene gehen“, sagt Dietz.

Die Schlosshütte ist dabei nur ein Teil der Pläne. Auch am Postenhaus soll künftig mehr stattfinden. Dietz kennt viele Menschen aus der regionalen Veranstaltungs- und Gastronomieszene und möchte dieses Netzwerk nutzen. Gleichzeitig soll die Fasanerie regional verwurzelt bleiben. „Ich will halt auch regional bleiben“, betont sie. Die Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern sei ihr besonders wichtig.

Große Investitionen in die Einrichtung stehen dagegen zunächst nicht auf dem Plan. Dafür sei die neue Firma bewusst schlank aufgestellt. „Ich hab eine schmale UG gegründet, kein großes Kapital jetzt da reininvestiert“, erklärt Dietz. Zu unsicher seien die kommenden Monate. „Wir backen erst mal ganz kleine Brötchen.“

Was für sie hingegen keine Kleinigkeit ist, sind die täglichen Abläufe. Dietz ist gelernte Hotelfachfrau und hat nach eigener Aussage schon in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen des Betriebs mitgearbeitet. Bestellungen, Dienstpläne, Veranstaltungen – vieles war ihr bereits vertraut. Jetzt kann sie diese Erfahrung erstmals vollständig in ihre eigene Richtung einsetzen.

„Ich kann mich überall selber einbinden. Das ist halt echt der Vorteil“, sagt sie. Gleichzeitig bedeutet das auch: Dietz ist derzeit praktisch überall gefragt. „Ich mache gerade gefühlt alles selber“, sagt sie. 

Der Personalmangel ist für sie deshalb eines der größten Themen. Die Gastronomie könnte aus ihrer Sicht deutlich mehr anbieten, wenn genügend Mitarbeiter zur Verfügung stünden. „Unser Potenzial ist maßlos. Wir könnten so viele Dinge tun hier, aber können es nicht, weil wir keine Mitarbeiter haben“, sagt Dietz. Deshalb sei sie derzeit intensiv auf der Suche nach Verstärkung.

Denn bevor neue Ideen umgesetzt werden können, will Dietz erst einmal die bekannten Probleme abarbeiten. Ihr Rezept dafür klingt vergleichsweise einfach: „Stabilität, einfach Stabilität und Struktur für die Gäste, freundlicher, aufmerksamer Service, Sauberkeit und Ordnung.“

Dabei will sie bewusst keine großen Versprechen machen. „Ich will irgendwie keine Versprechen machen, die ich nicht einhalten kann“, sagt sie. Viel wichtiger sei ihr, wieder näher am Gast zu sein. „Einfach für den Gast arbeiten, am Gast arbeiten, einfach wieder mehr am Gast sein. Das ist ganz, ganz wichtig für mich.“

Dass sie nun erstmals selbst einen Gastronomiebetrieb führt, macht die Aufgabe nicht kleiner. Gleichzeitig bringt sie Erfahrung aus zehn Jahren Fasanerie und ihrer Ausbildung mit. Viele Stammgäste hätten sie schon lange als eine Art Herz und Seele des Betriebs wahrgenommen. Nun kann sie erstmals selbst entscheiden, wohin die Reise geht. „Ich kann jetzt im Prinzip endlich meinem Gusto nachgehen“, sagt Dietz. Den bisherigen Ballast wolle sie hinter sich lassen. „Ich bin auch nicht perfekt, und ich hab Lover und Hater“, sagt sie offen. Entscheidend sei für sie, nach vorne zu schauen.

Und der Startschuss fällt tatsächlich bereits an diesem Donnerstag. „Heute ist der Startschuss“, sagt Dietz. Dass der erste Tag anders läuft als geplant, nimmt sie dabei mit Humor. In den vergangenen Tagen sei noch einmal richtig viel Arbeit angefallen. Trotz des Stresses ist die Freude deutlich spürbar. „Ich bin heute super emotional“, sagt Dietz. Sie freue sich auf die Herausforderung, gehe sie aber mit großem Respekt an. Besonders wichtig sei ihr dabei das Team, das sie übernimmt. „Ich habe ein tolles Team, die auch schon jahrelang eingespielt sind, und ich freue mich drauf.“

Damit beginnt für die Gastronomie auf Schloss Fasanerie ein neues Kapitel. Vieles bleibt vertraut, manches soll sich verändern. Dietz will dabei nicht mit großen Sprüngen starten, sondern Schritt für Schritt. „Wir machen jetzt erst mal step by step“, sagt sie. Und vielleicht ist genau das der passende Plan für einen Betrieb, der nach turbulenten Monaten vor allem eines braucht: einen neuen Anfang mit viel Herzblut.

Neustart in der Fasanerie. Fotos: Silas Messing.