Beim Konzert des Minguet Quartetts im Mai saßen die Besucherinnen und Besucher erstmals auf den neu angeschafften Thonet-Holzstühlen. Dabei sei, wie die Stadtverordnetenfraktion Bündnis 90/Die Grünen in ihrer Anfrage beschreibt, aufgefallen, dass Raumeindruck, Bequemlichkeit und insbesondere die Raumakustik deutlich gelitten hätten. Die Fraktion fragte daher den Magistrat, wie genau die Empfehlung der Kulturverantwortlichen für eine Neubestuhlung im Hinblick auf die empfindliche Akustik im Fürstensaal gelautet habe und welche Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik derzeit diskutiert würden.
In seiner Antwort ging der Stadtbaurat zunächst auf die Gründe für die neue Bestuhlung ein. Die Verwaltung hatte den Auftrag erhalten, sich um eine Neumöblierung der Sitzungsräume im Stadtschloss zu bemühen, da die bisherige Möblierung auf eine eher statische Raumnutzung ausgerichtet gewesen sei und den dynamischen Umbauprozessen sowie den damit einhergehenden Lagerbedingungen der heutigen Zeit nicht mehr habe gerecht werden können. Deshalb seien Möbelserien benötigt worden, die hochwertig, vielseitig einsetzbar, stapelbar und einfach zu lagern seien.
Die neu zu möblierenden Räume seien einzeln auf künftige Nutzungsszenarien untersucht worden, um in mehreren Tranchen geeignete Möbel zu beschaffen, die im Schloss insgesamt eingesetzt werden könnten. Der Thonet-Holzstuhl sei bei der ersten Bemusterung als Vorzugsstuhl ausgewählt worden. Statt der weißen, kürzeren Holzschale sei für den Fürstensaal die Variante mit der höheren Sichtholzschale gewählt worden. Dieser Stuhl sei bei der zweiten Bemusterung für gut befunden worden. Insbesondere das Kulturamt und das Hausmeisterteam hätten sich über die neue Flexibilität sehr erfreut gezeigt, weil den sehr unterschiedlichen Veranstaltungen im Schloss nun besser Rechnung getragen werden könne. Die Abteilung Theaterbetrieb, die ebenfalls in den Prozess eingebunden gewesen sei, habe sich für eine gepolsterte Festbestuhlung im Fürstensaal ausgesprochen. Dies sei jedoch dem ursprünglichen Auftrag zuwidergelaufen und daher nicht weiterverfolgt worden.
Um den Anforderungen des Konzertbetriebs dennoch gerecht zu werden, werde derzeit ein Akustikgutachten erstellt. Dieses sei bereits beauftragt, aber noch nicht abgeschlossen. Das Gutachten werde unterschiedliche Sitz- und Füllszenarien messen und bei gegebenenfalls abweichenden Parametern Empfehlungen abgeben. Sollte akustischer Anpassungsbedarf bestehen oder eine andere technische Ausstattung erforderlich sein, werde sich die Verwaltung um entsprechende Variantenuntersuchungen kümmern.
Dabei sei jedoch, wie Schreiner betonte, anzumerken, dass der Fürstensaal für festliche Nutzungen konzipiert sei und eher dem Charakter eines Tanzsaals als dem eines klassischen Konzertsaals entspreche. Die Anforderungen an Sprachdarbietungen und klassische Musikveranstaltungen seien in einer solchen Räumlichkeit konträr. Für klassische Musikveranstaltungen ohne verstärkte Musik seien längere Nachhallzeiten wünschenswert als für Sprachdarbietungen. Dies erfülle der Fürstensaal bereits jetzt – wie auch schon vor der Neumöblierung. Sprachliche Darbietungen erforderten im Fürstensaal seit Einführung der vielfältigen Nutzungen elektroakustische Unterstützung.
