Campus 13.10.2026

Neue Gesichter, neue Perspektiven: Stadt begrüßt Erstsemester

Fulda – Von Janosch Hensel – Für mehr als 4400 junge Menschen hat an der Hochschule Fulda in dieser Woche ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Viele von ihnen kommen aus anderen Städten und Regionen, einige aus dem Ausland und damit sogar aus einem anderen Land und einer anderen Kultur. Beim traditionellen Erstsemesterempfang der Stadt Fulda im Fürstensaal des Stadtschlosses hieß Bürgermeister Dag Wehner die neuen Studierenden willkommen. Im Rahmen des Empfangs wurden zudem Nahid Rauf mit dem DAAD-Preis und Tania Rahmati mit dem erstmals vergebenen Sonderpreis der Hochschule Fulda für ihr besonderes gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet.

Von links: Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar, DAAD-Preisträgerin Nahid Rauf, Sonderpreis-Gewinnerin Tania Rahmati und Bürgermeister Dag Wehner. Foto: Janosch Hensel

Erstmals wurden beim offiziellen Empfang der Stadt auch die Medizinstudierenden des Campus Fulda gemeinsam mit den Erstsemestern der Hochschule begrüßt. Im Mittelpunkt standen das Ankommen in Fulda, die Bedeutung der Hochschule für die Stadt – und die Frage, warum die neuen Studierenden vielleicht nicht nur zum Studieren bleiben könnten. „Herzlich willkommen hier in der Stadt Fulda“, wandte sich Wehner an die Studierenden. „Was Sie in den kommenden Wochen und Monaten sicherlich verbindet, ist Ihr gemeinsamer Studien- und Lebensort: Fulda, die Stadt, die Sie ausgewählt haben.“ Zum 29. Mal richtete die Stadt den Empfang für die neuen Studierenden aus. Dass diesmal auch die Medizinstudierenden des Campus Fulda dabei waren, bezeichnete Wehner als Besonderheit. „Es ist das erste Mal, dass es in dieser Form gelingt, die Studierenden der Hochschule Fulda und des Medizincampus gemeinsam hier im Stadtschloss zu begrüßen“, hob der Bürgermeister hervor.

Für die jungen Menschen soll Fulda dabei mehr werden als der Ort, an dem sie Vorlesungen besuchen, Prüfungen schreiben und Klausuren ablegen. „Ihr Studium in der Stadt Fulda bedeutet in den kommenden Tagen und Wochen natürlich oft nicht viel mehr, als Vorlesungen zu besuchen, Prüfungen abzulegen und Klausuren zu schreiben“, räumte Wehner ein, betonte aber zugleich: „Sie werden die Stadt hoffentlich für eine gewisse Zeit auch als ihr Zuhause empfinden und ihr Leben hier gestalten.“ Neue Menschen kennenlernen, Freundschaften schließen und Teil einer Gemeinschaft werden – dazu lud der Bürgermeister ausdrücklich ein. Und vielleicht bleibe der eine oder andere auch nach dem Studium in der Region. „Wer weiß, vielleicht gefällt es ihnen in unserer Stadt, in unserer Region so gut, dass sie erstmal oder sogar dauerhaft hier bleiben“, sagte Wehner: „Denn auch das würde uns natürlich sehr freuen.“

Bürgerbüro kommt an die Hochschule

Damit das Ankommen möglichst unkompliziert gelingt, hatte Wehner auch konkrete Angebote der Stadt im Gepäck. So soll das Bürgerbüro am 13. und 15. Oktober jeweils von 10 bis 14 Uhr direkt an der Hochschule vertreten sein. Dort können die Studierenden unter anderem ihren Wohnsitz anmelden oder Funktionen ihres Personalausweises aktivieren lassen. Zudem verwies Wehner auf die 100-Euro-Prämie, die die Stadt Studierenden für einen erstmaligen Zuzug nach Fulda zahlt. „Ich möchte Sie ganz herzlich einladen, Fulda auch jenseits des Campus zu entdecken – mit seiner historischen Altstadt, mit unserem Kultur- und Freizeitangebot“, erklärte der Bürgermeister. Die neuen Studierenden sollten Fulda nicht nur als Hochschulstandort kennenlernen, sondern auch als Stadt, in der sie leben und sich einbringen können.

Auch Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar stellte die Bedeutung des Empfangs heraus. „Es ist immer eine Möglichkeit, das erste Mal so richtig hier anzukommen und sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen“, sagte er. Gerade für internationale Studierende sei ein solches Willkommen wichtig. „Viele von ihnen kommen in eine neue Stadt, in eine neue Region, in eine neue Umgebung. Und wir haben natürlich auch sehr viele internationale Studierende, die in einem ganz neuen Land, in einer fremden Sprache und vielleicht auch mit einer anderen Lebensweise oder Religion zu uns kommen.“

Mehr als 4400 Erstsemester

Die Hochschule Fulda zählt in diesem Jahr mehr als 4400 Erstsemester. Insgesamt sind inzwischen mehr als 10.000 Studierende eingeschrieben – diese historische Marke konnte die Hochschule in diesem Jahr zum ersten Mal erreichen. „Das zeigt uns, dass die Hochschule nach wie vor eine große Anziehungskraft auf junge Menschen hat, die bei uns studieren wollen“, konstatierte Khakzar. Besonders deutlich wird die zunehmende Internationalisierung. Mehr als 1100 internationale Studierende aus über 100 Nationen seien inzwischen an der Hochschule vertreten. Ein Teil der Studienangebote werde deshalb auch in englischer Sprache angeboten. Khakzar sieht darin einen Gewinn für den gesamten Campus: „Wir glauben, dass diese Internationalisierung eine unheimliche Bereicherung für unsere Hochschule ist. Diese Begegnungen mit internationalen Studierenden sind so wertvoll, weil man unheimlich viel voneinander lernen kann.“

Dass internationale Studierende auch für die Region von großer Bedeutung sind, begründete der Hochschulpräsident nicht zuletzt mit dem demografischen Wandel. In den kommenden Jahren werde sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen. „Wir wissen, dass die Schulabgängerinnen und Schulabgänger hier aus Deutschland diesen Mangel gar nicht decken können“, führte Khakzar aus. Deutschland sei deshalb darauf angewiesen, dass junge und talentierte Menschen aus aller Welt ins Land kommen und hier studieren. „Nicht alle werden hierbleiben, das ist uns völlig klar“, erklärte der Präsident. „Viele werden auch zurück in ihre Heimat gehen. Aber die Verbindungen zu Fulda werden bestehen bleiben, und einige werden hier Wurzeln schlagen und dann auch hier in der Region ihre neue Heimat finden.“

Zwei außergewöhnliche Studentinnen – zwei Preise

Wie sehr internationale Studierende das Hochschulleben bereichern können, zeigte sich anschließend bei der Verleihung des DAAD-Preises. Seit 1997 zeichnet die Hochschule damit internationale Studierende aus, die neben hervorragenden Studienleistungen auch gesellschaftliches Engagement zeigen. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Nahid Rauf. Eigentlich hätte der DAAD-Preis aufgrund der besonderen Auswahlentscheidung jedoch nur an eine von zwei herausragenden Studentinnen vergeben werden können. „Wir haben dieses Jahr eine ganz besondere Situation, weil wir uns extrem schwergetan haben“, erläuterte Khakzar. Beide vorgeschlagenen Persönlichkeiten seien außergewöhnlich gewesen. Da der DAAD-Preis nicht geteilt werden könne, entschied sich die Hochschule deshalb einmalig für einen zweiten Preis: den Sonderpreis der Hochschule Fulda. Diesen erhielt Tania Rahmati. „Ich finde, das ist eine wunderschöne Geste unseres Fördervereins“, betonte Khakzar.

Nahid Rauf: „Courage is the fundamental of change“

Die aus Afghanistan stammende Nahid Rauf studiert im dritten Semester Global Health. In ihrem Heimatland hatte sie bereits mehrere Jahre Medizin studiert, musste ihr Studium jedoch aufgrund des Hochschulverbots für Frauen abbrechen. Über die Türkei führte ihr Weg schließlich nach Deutschland. An der Hochschule engagiert sie sich unter anderem als studentische Hilfskraft und Mentorin für internationale Studierende. Zudem initiierte sie das Projekt „Blue as the Sky“, eine multimediale Ausstellung mit Erzählungen, Fotografien und Texten afghanischer Frauen und Mädchen. Khakzar hob in seiner Laudatio besonders Raufs Haltung hervor. „Sie haben in großer Klarheit und Dankbarkeit über Ihren Lebensweg, Ihre Ziele und Ihr Engagement gesprochen“, wandte er sich an die Preisträgerin. Ihre eigenen Erfolge verstehe sie vor allem als Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen.

Rauf selbst nutzte ihre Dankesrede anschließend für einen Appell an die anderen Studierenden. Sie sprach dabei auf Englisch und betonte die Bedeutung von Mut und Veränderung. „Courage is the fundamental of change“, sagte sie – Mut sei die Grundlage von Veränderung. Dabei gehe es nicht nur darum, die Welt verändern zu wollen, sondern zunächst auch um die eigene Haltung. „If we want to change the world, we must also be willing to change ourselves“, erklärte Rauf. Zugleich rief sie die Studierenden dazu auf, Unterschiede nicht als Hindernis zu betrachten. Das Ziel bestehe nicht darin, alle gleich zu machen, sondern darin zu lernen, miteinander zu leben, ohne gleich sein zu müssen. Ihre Botschaft an die jungen Menschen im Fürstensaal: Möglichkeiten und Privilegien sollten genutzt werden, um anderen Menschen eine Stimme zu geben. „You are not only one. You are a thousand“, lautete eine weitere ihrer eindringlichen Botschaften.

Tania Rahmati: Engagement für Menschenrechte

Auch Tania Rahmati hat einen persönlichen Bezug zu den Themen, für die sie sich engagiert. Die im Iran geborene Studentin studierte dort Rechtswissenschaften und erlebt die unterschiedlichen Rechte von Frauen und Männern als prägende Erfahrung. Seit dem Wintersemester 2024/25 studiert sie in Fulda „Human Rights Studies in Politics, Law and Society“. Sie engagiert sich unter anderem in der Amnesty-International-Hochschulgruppe, beim Fuldaer Wohnzimmer e.V. und als Legal Trainee beim European Center for Constitutional and Human Rights. In seiner Laudatio würdigte Khakzar Rahmatis „ausgesprochen große und beeindruckende Persönlichkeit“. Sie beschäftige sich mit schwierigen politischen und gesellschaftlichen Themen „mit großer Klarheit, aber auch mit großer persönlicher Betroffenheit“.

Rahmati habe sich auch öffentlich engagiert – etwa während der „Frauen, Leben, Freiheit“-Bewegung, als sie in Ungarn eine Ausstellung über Menschenrechtsverletzungen im Iran organisierte. Gemeinsam mit ukrainischen Aktivistinnen und Aktivisten protestierte sie gegen die iranische Unterstützung Russlands. Dieses öffentliche Engagement hatte Konsequenzen: Eine Reise in ihr Heimatland ist ihr seither nicht mehr möglich. Auch in ihrer Dankesrede richtete Rahmati den Blick deshalb über den festlichen Rahmen des Fürstensaals hinaus. Sie sprach über Menschen, die nicht anwesend sein konnten – über ihre Familie im Iran und über Menschen, die wegen ihres Einsatzes für Freiheit und Demokratie verfolgt oder getötet wurden. „Meine Familie kann heute nicht hier sein, denn sie sitzt in ihrer Heimat gefangen von einem Regime, dass ihr das Leben schwer macht. Auch mein Cousin kann heute nicht hier sein, er wurde bei Protesten gegen das Regime getötet.“  Ihre Rede wurde damit zu einem eindringlichen Plädoyer für Menschenrechte, Freiheit und Erinnerung. Zugleich machte Rahmati deutlich, dass sie ihre akademische Laufbahn fortsetzen will: Nach ihrem Masterabschluss 2027 möchte sie sich für eine Promotion an der Hochschule Fulda bewerben und sich wissenschaftlich mit der iranischen Staatsordnung auseinandersetzen.

Für die neuen Studierenden dürfte der Vormittag damit mehr gewesen sein als ein offizieller Empfang. Zwischen Fürstensaal, Willkommensworten und Preisverleihungen zeigte sich, welche Rolle Fulda für die Hochschule inzwischen spielt: als Studienort, als Treffpunkt verschiedener Kulturen – und für einige vielleicht auch als neuer Lebensmittelpunkt.

Erstsemesterempfang im Stadtschloss. Fotos: Janosch Hensel