Lokales FD 08.10.2026

NETZ.WERK in Fulda - Wenn Unterschiede zum Erfolgsfaktor werden

Fulda (sim) – Was hält ein Netzwerk eigentlich zusammen? Menschen, die ähnlich denken? Oder gerade jene, die unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten und Blickwinkel mitbringen? Beim neuen Format „NETZ.WERK“ der Wirtschaftsjunioren Fulda ging es genau um diese Frage. Im „UNVERBLÜMT-Haus kamen“ Unternehmer, Praktiker und Denker zusammen, um über Vertrauen, Zusammenarbeit und den Wert von Unterschieden zu sprechen.

Foto: Silas Messing.

Schon der Name des Abends war dabei Programm. Ein Netz kann aus vielen einzelnen Fäden bestehen – und trotzdem nur dann tragen, wenn sie miteinander verbunden sind. „Wir halten so viel Unterschied aus, wie wir gegenseitiges Vertrauen finden“, brachte Alexander Klein einen Gedanken des Abends auf den Punkt.

Klein, geschäftsführender Gesellschafter der EWT-Ingenieure, kennt Zusammenarbeit aus zahlreichen Projekten und Verhandlungen. Das Unternehmen ist unter anderem für den Landkreis und die Stadt Fulda tätig. Als Beispiel nannte Klein auch die Milseburghütte, bei der technische Herausforderungen gemeinsam gelöst werden mussten.

Seine persönliche Verbindung zum Netzwerkgedanken reicht zudem zurück zu den Wirtschaftsjunioren in Niedersachsen. Dort habe er selbst lange mitgewirkt und erlebt, wie aus Kontakten Verbindungen entstehen können, die weit über einzelne Veranstaltungen hinaus Bestand haben. Gerade deshalb sei Vertrauen entscheidend. Wenn dieses Vertrauen schwinde, würden selbst sachlich richtige Dinge schnell infrage gestellt.

Eine ganz andere Perspektive brachte Dr. Arnulf Müller ein. Der Philosoph der Hochschule Fulda erklärte, dass er eigentlich aus der Fotografie komme und Philosophie studiert habe. Gerade diese unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen prägen seinen Blick auf Zusammenarbeit und Netzwerke. Nicht alles müsse zwangsläufig zu einer gemeinsamen Sichtweise werden – entscheidend sei vielmehr, unterschiedliche Perspektiven überhaupt miteinander ins Gespräch zu bringen.

Auch für Lea Baumbach sind Unterschiede im beruflichen Alltag kein Hindernis, sondern eine wichtige Grundlage. Die Geschäftsführerin der Rudolf Baumbach GmbH führt das Familienunternehmen in der dritten Generation. In einem Unternehmen gebe es ganz unterschiedliche Positionen und Aufgaben. Entscheidend sei deshalb, die Potenziale der Mitarbeiter zu erkennen und Menschen dort einzusetzen, wo ihre Fähigkeiten und Interessen am besten zur Geltung kommen.

Gerade unterschiedliche Fähigkeiten könnten ein Team stärker machen. Nicht jeder müsse alles können. Vielmehr gehe es darum, die verschiedenen Stärken zusammenzubringen und gemeinsam ein Ziel zu verfolgen.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigte Christina Stenglein. Die Produktionsmanagerin und Textiltechnikerin arbeitet ebenfalls bei der Rudolf Baumbach GmbH und brachte die Perspektive aus dem täglichen Produktionsbetrieb ein. Dort treffen Menschen, Technik und unterschiedliche Anforderungen unmittelbar aufeinander. Durch den Abend leitete Kreissprecherin und Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren Fulda e. V. Friederike Lips.

Zwischendurch wurde immer wieder deutlich, dass „Netzwerk“ weit mehr bedeuten kann als eine Sammlung von Kontakten. Es kann ein menschliches Miteinander sein, ein berufliches Geflecht oder – wie bei der Rudolf Baumbach GmbH – sogar ganz wörtlich ein textiles Netz.

Genau diese verschiedenen Bedeutungen wollten die Wirtschaftsjunioren mit ihrem neuen Format zusammenbringen. Statt vorbereiteter Vorträge stand der Austausch im Mittelpunkt. Die Gäste sollten ihre Erfahrungen teilen, unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen und auch das Publikum mit eigenen Gedanken einbeziehen.

Dabei zeigte sich schnell: Unterschiedliche Meinungen müssen nicht automatisch trennen. Im Gegenteil. Wenn Vertrauen vorhanden ist und jeder seine Stärken einbringen kann, können gerade die Unterschiede neue Ideen hervorbringen.

Nach dem Panel ging der Abend deshalb noch weiter. Bei einem gemeinsamen Essen nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, die Gespräche fortzusetzen, neue Kontakte zu knüpfen und das Thema „NETZ.WERK“ ganz praktisch mit Leben zu füllen.

„NETZ.WERK“ in Fulda. Fotos: Silas Messing.