Tennis 07.10.2026

Nach erstem Jahr mit Höhen und Tiefen: Bengt Reinhard will angreifen

Fulda/Los Angeles (pf) – Bengt Reinhard ist jetzt offiziell Sophomore: Das Fuldaer Tennis-Talent startete in sein zweites Jahr an der UCLA – der University of California in Los Angeles. Nach einem Zwischenstopp in Deutschland und Spielpraxis in der 2. Bundesliga im Sommer ist der 19-Jährige mit seinem Team mittlerweile wieder voll in der Vorbereitung auf die neue Saison und will sich im bunten Zirkus der hochkarätig besetzten US-amerikanischen College-Teams sportlich wie persönlich weiterentwickeln und an seiner Profi-Karriere arbeiten.

Bengt Reinhard beim Training in Fulda – kurz vor dem Abflug in die USA sprach er mit Osthessen-Zeitung über das zweite Jahr in LA. Fotos: Christine Görlich

Im September ging es für Reinhard wieder per Direktflug in die USA – doch vorher ruhte er sich in Deutschland nicht aus: Mit den Herren des TC Wolfsberg Pforzheim, wohin er dieses Jah aus Sprendlingen gewechselt war, erreichte er in der 2. Bundesliga Süd den dritten Platz. „Am Anfang habe ich gestruggelt, aber hintenraus gut gespielt, schmunzelt der Fuldaer. Seinen ersten Einsatz hatte er im Doppel an der Seite des Franzosen Albano Olivetti, der in der ATP-Doppel-Rangliste in den Top 20 steht. „Wir haben direkt gewonnen, das war super cool“, so Reinhard: „Er hat mir ein paar spannende Sachen erzählt“. Seine ersten Einzel in der zweiten Liga verlor Reinhard jeweils knapp, ehe es am letzten Spieltag gegen Meister Palmengarten ging. Hier traf der Fuldaer auf Florian Broska, einen ATP-Top-200-Spieler. Dort platzte der Knoten bei einem 6:4, 5:7, 10:7-Erfolg. „Es war mein bester Karriere-Win bisher“, freut sich der Nachwuchsspieler, dessen Ex-Club Sprendlingen Vizemeister wurde – bei diesem Duell im Juli war Reinhard aber noch nicht dabei und startete zunächst in der Reserve-Mannschaft der Pforzheimer.

Auf sein zweites Spieljahr an der UCLA bereitet sich der Fuldaer nun in Los Angeles akribisch vor. Die erste Saison hatte er mit vielen spannenden Eindrücken hinter sich gebracht. Und er war anfangs an ein hochdekoriertes College gekommen: „UCLA ist eine der erfolgreichsten im College-Tennis, die Historie ist krass. Alles, was nicht ganz weit oben ist, ist nicht ausreichend“. Für den Fuldaer persönlich fiel das Fazit gemischt aus: „Am Anfang war ich noch nicht im Team, was zu erwarten war. Aber ich habe dann schnell meinen ersten Einsatz im Doppel bekommen und mich dort integriert“. Reinhard wurde zum festen Bestandteil der Mannschaft und durfte auch in höheren Doppeln ran. Sogar im Einzel verbuchte er die ersten Einsätze für die UCLA, „da hatte ich mich am Hartcourt noch schwergetan, aber hatte auch meine Erfolge.

Reinhard holte im Doppel entscheidende Punkte, konnte Matches „clinchen“ und spricht von „richtig coolen Momenten“ gegen Jungs von Michigan oder Pepperdine. Gegen letztgenannte Uni gelang dem Doppel sogar der entscheidende Ball zum Matchgewinn für das gesamte Team. „Das war mein Highlight“.

Dazu schwärmte er vom Big Ten-Conference-Turnier am Saisonende, bei dem es in Runde eins gegen die rivalisierte Uni USC aus Kalifornien ging. Reinhard durfte im Doppel gemeinsam mit dem Spitzenspieler der UCLA, Spencer Johnson, ran, der in den Top 450 der Welt steht und US-Open-Qualifikation gespielt hatte. Reinhard und Johnson hatten Erfolg und das Team erreichte das Halbfinale gegen Michigan State, das verloren ging. „Aber es war alles sehr eng“, sagt er zum gesamten Turnier: „Manchmal zieht man halt den Kürzeren“. Mit Ohio State und Illinois mischten weitere starke Colleges mit, Topfavorit Ohio State verlor dann letztlich sogar gegen UCLA-Bezwinger Michigan State. Ein weiteres Turnier in San Diego spielte Reinhards College-Team noch, wo er einmal gewann, aber dann gegen die Gastgeber „der Wurm drin war, obwohl wir vorher in der Saison noch gegen sie gewonnen hatten. Das war sehr bitter“. Alles in allem spricht der Fuldaer aber von einer „guten Saison mit vielen Höhen und Tiefen, auch für mich persönlich“. Und wenngleich es noch mehr Tiefen waren, konnte Reinhard ganz, ganz viel mitnehmen

Seit wenigen Wochen ist nun er wieder zurück in Los Angeles, gewöhnte sich ein paar Tage an die Umgebung und startete dann mit dem Team zu den All-American-Championships nach Oklahoma. Hier rutschte Reinhard ins Feld, verlor aber gegen einen Spieler der Clemson University mit 1:6, 2:6. Parallel startete auch die Schule wieder an der UCLA, und das Training für die neue Saison ist auch längst in vollem Gange. „Am Anfang legen wir großen Wert auf die Athletik und die Weiterentwicklung“. Im Januar wird es dann wieder ernst, wenn die Saison startet. Im Trainerteam gab es eine Veränderung: Maxime Cressy, der mal ATP-Rank 30 war, ist nicht mehr dabei, da er parallel seinen Master macht. Dafür solle ein neuer Student als Coach nachrücken, so Reinhard. Dazu sind zwei Spieler nicht mehr mit an Bord, dafür kamen aber auch neue. „Die Jungs sind alle recht gut. Da gibt es natürlich einen großen Fight darum, wer spielt. Aber das wollte ich so“, schmunzelt Reinhard. Sein Kumpel Leo von Bismarck aus Hamburg ist weiterhin mit dabei, der im Vorjahr nicht so oft zum Zug kam. Doch für Reinhard ist jeder im Team wichtig: „Es ist immer sehr laut, von der Bank kommt auch brutal viel. Jeder ist wichtig, egal in welcher Funktion am Spieltag“. Und Reinhard hat sich auch schon anderweitig eingebracht: Mit Alessio Vasquez kam ein Neuzugang von der LSU, was der Fuldaer mit „eingefädelt“ hatte: „Er ist ein Freund von mir, ich freue mich auf ihn. Ich bin gespannt, wie wir uns alle verstehen und die Neuen integrieren“.

Klar ist: Sobald die Saison von Januar bis Ende Mai wieder läuft, durchleben die Spieler eine besondere Zeit. Für Reinhard vor allem eine ganz andere, als man es in Deutschland kennt. „Es ist immer spannend, wenn wir um 6 Uhr morgens zum Flughafen müssen, nach der Landung direkt auf die Trainingsplätze“. Meistens machte sich das Team donnerstags auf, trainierte, aß und schlief im Hotel. Den Freitag nutzte jeder für eigenes Trainingspensum, samstags wurde gespielt und sonntags teils auch nochmal gespielt oder trainiert. Reinhard erzählt: „Krass ist auch, wie sauber und clean die Abläufe sitzen – vom Flughafen zum Platz, zum Hotel. Das war alles sehr eingespielt und beeindruckend, gerade mit zehn Jungs, 18 bis 21 Jahre alt – da sind auch mal ein paar Chaoten dabei“, lacht er.  Die Uni kümmere sich um die Reisen, die Coaches segnen die Pläne ab – „und wir als Spieler müssen nur da sein und mitlaufen“, schmunzelt Reinhard, der schon einiges von den USA gesehen hat, aber noch viel mehr sehen will.

Was die Ambitionen angeht, schreckt man in LA nicht zurück: Die Jungs von Michigan State sind zwar die Gejagten, nach den Erfolgen in Liga und Turnier. Und Ohio State, das sogar über eine Wildcard ein Doppel bei den US Open stellen konnte (Brandon Carpico/Nikita Filin erreichten das Achtelfinale und waren dort die einzigen College-Spieler), gehört auch wieder zum Favoritenkreis. Dazu hat Ohio State mit Bryce Nakashima den Bruder des Top-20-Weltranglistenspielers Brandon Nakashima im Team. „Aber wir stehen echt gut da“, betont Reinhard selbstbewusst: „Wir sind vielleicht auf dem Papier nicht Favorit, aber haben eine gute Mannschaft, die sehr viel erreichen kann“. Bevor es soweit ist, stehen einige weitere Turniere im Herbst an.

Zum Spielerprofil von Bengt Reinhard bei den UCLA Bruins: https://uclabruins.com/sports/mens-tennis/roster/player/bengt-reinhard