„Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es ein bisschen Mut braucht, zum ersten Treffen zu kommen, weil man unsicher ist und Kopfkino hat. Aber all das verschwindet, sobald man gleichgesinnte Eltern trifft“, sagt Petra, die seit einem Jahr dabei ist.
Im geschützten Rahmen können die Eltern ihre Erfahrungen teilen, Fragen stellen und miteinander ins Gespräch kommen. Mit dem Austausch entstehen Vertrauen und Verständnis. „Oft fühlen sich Eltern mit ihren Themen allein, weil Verwandte oder Nachbarn vieles nicht verstehen“, sagt Tine, die erst seit Kurzem zur Gruppe gehört. „Auch wenn sich Pride & Parents nicht als Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe versteht, tut das reine menschliche Connecten einfach gut. Dafür braucht es gar kein spezielles Anliegen.“
Das nächste Treffen findet am Sonntag, 11. Oktober, um 15 Uhr im Bürgerhaus Aschenberg statt. Eingeladen sind neben Eltern queerer Kinder auch weitere Angehörige und Freunde – etwa Onkel, Tanten, Großeltern oder sogenannte Allies. Gemeinsam soll darüber gesprochen werden, wie das Umfeld für queere Menschen sicherer und unterstützender gestaltet werden kann.
Gründerin Uta Hillenbrand erlebt nach eigenen Angaben immer wieder, dass die Probleme queerer Menschen unterschätzt werden. „Das ist doch heute alles nicht mehr so, das ist gar kein Thema mehr, wenn jemand schwul ist“, bekomme sie regelmäßig zu hören. Dem setzt sie konkrete Erfahrungen entgegen: ihr Sohn sei mehrfach tätlich angegriffen worden, transgeschlechtliche Schüler würden mitunter massiv von Mitschülern angefeindet. Auch bei der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Eltern gebe es weiterhin Unterschiede.
Auch die Bedeutung von Christopher Street Days (CSDs) werde häufig missverstanden. Bei den Veranstaltungen gehe es nicht ausschließlich ums Feiern, sondern auch um Sichtbarkeit und die Rechte queerer Menschen. Ihr Sohn Leonardo, der als Dragqueen auftritt, bringt es aus seiner Sicht so auf den Punkt: „Mama, einmal im Jahr fühle ich mich richtig sicher und wohl unter Gleichgesinnten. Ihr Cis-Menschen habt das ganze Jahr.“
„Pride & Parents“ möchte deshalb dazu beitragen, dass solche Wohlfühlorte nicht auf einzelne Veranstaltungen beschränkt bleiben. Die Gruppe beteiligt sich unter anderem an CSDs und ist mit einem Stand bei Demonstrationen für Demokratie vertreten. Darüber hinaus setzt sie auf Aufklärung und Austausch im Alltag – in der Familie, im Freundeskreis und in der Nachbarschaft.
Wer sich für den Austausch, Informationen und Weiterbildungsangebote interessiert, kann sich über die gleichnamige Instagram-Seite von „Pride & Parents“ oder per E-Mail an pride&parents@online.de melden.
