Lokales VB 31.10.2026

Landwirte erhalten Zeugnisse – „Unserer Branche ein Gesicht geben“

Angersbach (sg) – Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) und der Hessische Bauernverband (HBV) hatten am Freitag zum Tag der landwirtschaftlichen Ausbildung eingeladen. Bei der Festveranstaltung, die nun bereits zum vierten Mal im Wartenberg Oval gefeiert wurde, erhielten die 158 Absolventinnen und Absolventen der Ausbildung zum Landwirt ihre Abschlusszeugnisse. Außerdem wurden 17 Meisterbriefe und 30 Goldene Meisterbriefe verliehen.

Foto: Ian Robinson.

„Hinter jedem Zeugnis und jeder Urkunde, die wir heute überreichen, stehen persönlicher Einsatz und Ausdauer, gewachsenes Können und die Verbundenheit mit einem der wichtigsten und schönsten Berufe der Welt“, erklärte Anna Kaiser, kommissarische Direktorin des LLH. Der Tag der landwirtschaftlichen Ausbildung soll alle ehren, die sich für diesen Berufsweg entscheiden oder andere auf diesem Weg begleiten. 

Auf die Auszeichnung der drei besten Ausbildungsbetriebe folgte die Übergabe der Goldenen Meisterbriefe. 21 Meister der Landwirtschaft und neun Meisterinnen der städtischen und ländlichen Hauswirtschaft, die vor 50 Jahren ihre Meisterprüfung abgelegt haben, traten auf die Bühne, um ihre Urkunde entgegenzunehmen. „Der Goldene Meisterbrief ist Ausdruck der Anerkennung für den persönlichen und beruflichen Lebensweg sowie für die Weitergabe von Wissen und Erfahrung“, betonte Martin Grenzebach, Leiter der Abteilung Bildung des LLH.

Als nächstes hielt der Landwirt und Agrarblogger Malte Messerschmidt seinen Festvortrag, der unter dem Titel „Sichtbar, stolz, Landwirt: Chancen für die neue Generation“ stand. Darin blickte er zunächst darauf zurück, wie er in jungen Jahren auf dem Betrieb seines Großvaters mitgearbeitet, eigene innovative Ideen zur effektiveren Bewirtschaftung miteingebracht und im Jahr 2024 den Hof komplett übernommen hat. Messerschmidt warf die Frage auf, warum der Landwirtschaft oft ein schlechter Ruf anhaftet, und plädierte dafür, dass die angehenden Bäuerinnen und Bauern den persönlichen Kontakt mit ihrem Umfeld suchen und ihre Arbeit über Social Media oder auch nur am eigenen Wohnort sichtbar machen: „Wir müssen unserer Branche wieder ein Gesicht geben. Wir müssen es wieder schaffen, den Leuten unser Bild von der Landwirtschaft zu geben, ihnen wieder zu zeigen, wie Landwirtschaft für uns aussieht.“ Nur so könnte sich in der gesellschaftlichen Wahrnehmung nachhaltig etwas ändern. „Wenn wir sichtbar sind, dann steht allen Absolventinnen und Absolventen eine goldene Zukunft bevor“, schloss Messerschmidt.

Im Anschluss erhielten die die 158 Absolventinnen und Absolventen von den verschiedenen Ausbildungsstandorten des LLH ihre Abschlusszeugnisse. Daneben wurden 17 Landwirtschaftsmeisterinnen und -meister vom Ausbildungsstandort Alsfeld gewürdigt. Die besten Abschlussprüfungen im Ausbildungsberuf Landwirtin/Landwirt legten in diesem Jahr Pia Zentgraf aus Ebersburg, Ronja Petsch aus Lampertheim und Sophia Hof aus Lollar-Holzhausen ab. Jahrgangsbester unter den Meistern war Sascha Lehmer aus Geiß-Nidda. 

Pia Zentgraf hatte die Ehre, das Schlusswort zu übernehmen. Sie betonte, dass die Lehre oft mit Herausforderungen verbunden gewesen sei, da gerade im ersten Jahr viel Neues auf sie zugekommen sei. Doch sie habe schnell erkannt, dass Fehler kein Weltuntergang seien, sondern eine Möglichkeit, zu lernen und mit den eigenen Aufgaben selbst zu wachsen: „So funktioniert Ausbildung. Man lernt. Man lernt von anderen, von den eigenen Erfahrungen und man entwickelt sich weiter. Wir haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, für Tiere, für die Maschinen und für unsere eigene Arbeit.“ Die Absolventinnen und Absolventen könnten auf ihren Abschluss sehr stolz sein: „Auch wenn dieser Brief nicht beweist, dass wir jetzt alles können, zeigt er doch, dass wir bereit sind, unseren Weg weiterzugehen. Wir wissen, warum wir diesen Beruf gewählt haben: Weil Landwirtschaft abwechslungsreich ist, weil man Verantwortung übernimmt und am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat, und weil dieser Beruf zwar manchmal chaotisch und anstrengend ist, aber einem auch unglaublich viel zurückgibt.“

Für die musikalische Begleitung während der Veranstaltung sorgte das Blechblässer-Ensemble Kassel Brass. Nach der Verleihung der Zeugnisse waren die Gäste zum gemeinsamen Kaffeetrinken eingeladen.

Tag der landwirtschaftlichen Ausbildung. Fotos: Ian Robinson.