Vorweg: Die Hönebacher liegen selbstredend auch deutschlandweit und vor allem in Hessen weit vorne mit ihrer Bilanz: Einen Punkteschnitt von 3,0 kann im hessischen Herrenfußball oberhalb der Kreisligen nur der FV Delkenheim in der KOL Wiesbaden sowie die TSG Sandershausen in der Gruppenliga Kassel vorweisen. Wenn es zum Torverhältnis kommt, kann den Eisenbahnern aber keiner das Wasser reichen: 73 Tore in 15 Partien, und nur vier Gegentore. Mehr geht wirklich nicht. Selbst Trainer Olaf Gabriel, der über 30 Jahre im Geschäft ist, staunt: „Ich habe viel erlebt, aber diese Serie ist einfach brutal. Es spricht absolut für die Entwicklung der ganzen Mannschaft, das habe ich den Jungs auch in der Kabine gesagt“.
Diese Entwicklung ließ sich für den ESV bereits vor gut einem Jahr erkennen: Hönebach stand nach 15 Spielen mit drei Pünktchen in der Gruppenliga abgeschlagen am Ende, und belegte dann in der Rückrunden-Tabelle Platz drei. „Es haben nicht viele Spiele gefehlt“, weiß Gabriel – ansonsten würde an der Autobahn heute noch Gruppenliga gespielt werden. Doch der Trainer blickt zurück: „In so einer Wintervorbereitung sieht man, was man für eine Mannschaft hat. Wir hatten bei minus zehn Grad 20 Mann im Training, das hat heutzutage Seltenheitswert. Die Spieler sind einfach gute Typen und verstehen sich auch privat alle“. Gabriel bereite das Training umfangreich vor, und seine Jungs nehmen es an: „Es ist unser Hobby, wir kommen alle gerne zum Fußball“.
Nachdem das Team nach dem Abstieg zusammengehalten wurde, machten die Verstärkungen nun den Unterschied: „Klar hat der Abstieg geschmerzt. Aber hier hat niemand den Verein verlassen, das spricht für uns. Wir haben an den richtigen Schrauben gedreht und noch Qualität dazubekommen“, so der Coach: „Und haben den Schmerz wieder in Freude umgewandelt“.
Spielfreude pur bringt der ESV jede Woche auf den Platz: Nun schloss das Team die Hinrunde sogar mit einem makellosen Doppelspieltag ab, bezwang die FSG Bebra mit 7:0 und Weiterode im Topspiel mit 5:0. Eine klare Ansage an die Konkurrenz: „Die Schwierigkeit besteht darin, jedes Spiel den Fokus hochzufahren. Wir gehen mit Respekt an jede Aufgabe heran“, bleibt Gabriel auf dem Teppich. Die Gruppenliga-Rückkehr wird aber dennoch offen kommuniziert und ist das klare Ziel: „Wir haben eine Riesen-Hinrunde gespielt und sind sehr stabil. Wenn wir keine großen Verletzungssorgen bekommen, können wir das durchbringen“, ist sich Gabriel sicher: „Es gilt, weiter die eigenen Hausaufgaben zu machen“.
Die Ergebnisse führt der Trainer auf einen Top-Fitnesszustand und Spielfreude zurück. Selbst beim 3:1 in Großentaft war phasenweise ein Klassenunterschied zu sehen, obwohl Gabriel die individuell stark besetzten Blau-Weißen als stärksten Konkurrenten einschätzt. Nur „Doft“, Neuenstein, Wölf und Heinebach konnten den Eisenbahnern bisher übrigens ein Tor einschenken. Nach der Herbstmeisterschaft ist auch die Wintermeisterschaft für Hönebach schon so gut wie fix, vier Spiele sind noch terminiert. „Antennen raus, Fokus – und dann gehen wir in die wohlverdiente Pause“, so der Coach: „Wir haben den Anreiz, diese Serie aufrechtzuerhalten. Die Jungs trainieren sehr hart, und geben mir nicht das Gefühl, dass sie froh wären, wen Winterpause ist“. Ein kleines Päuschen hatte er den Spielern aber gegeben – nach dem Doppelspieltag zuletzt wartet nun am Samstag schon wieder die FSG Bebra. Und am Sportplatz an der Autobahn passt im Moment alles – auch die Unterstützung: „Es ist ‚nur‘ Kreisoberliga, aber es interessiert sehr viele Leute. Das ist überragend“.
Falls die Hönebacher noch ambitionierte Ziele ausrufen wollen, dann vielleicht, dass die Torjägerkanone an den ESV geht. Bisher steht Leon Langhans (Friedewald/Ausbach) mit 17 Buden ganz oben. Der Spitzenreiter hat aber mit Tom Lindeman, Marcel Katzmann und Kevin Kunze gleich drei Akteure, die schon zehnmal oder öfter trafen. Auch beim 7:0 in Bebra glänzten sechs verschiedene Schützen. Die mannschaftliche Einheit ist das, was den ESV Hönebach aktuell stark – und vielleicht bald zum Meister – macht. „Wir haben einen super Konkurrenzkampf. Jeder nimmt es sportlich, das ist absolut förderlich“. Sogar das Double ist noch drin: Im Kreispokalfinale ist Hönebach im Frühjahr klarer Favorit gegen Solz.
