Lokales FD 31.10.2026

Rheuma-Pionier mit Vision – Fulda verabschiedet Prof. Peter Kern

Fulda (st) – Das Gesundheitsnetz Osthessen und das Klinikum Fulda haben Prof. Dr. med. Peter Kern, langjährigen Direktor der Klinik für Rheumatologie und Leiter des Rheumanetzes Hessen, am Freitag verabschiedet. Es war ein Abend voller Dankbarkeit, Respekt und auch Wehmut.

Foto: Stephanie Trapp.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Gesundheitsnetzes, Dr. med. Jörg Simon, machte gleich zu Beginn klar, warum diese Ehrung so außergewöhnlich sei: „Mir kommt heute als Aufsichtsratsvorsitzender die außerordentliche Ehre zu, dich, lieber Peter, zu ehren – und das aus gutem Grund.“ In seinem historischen Abriss erinnerte er an das Jahr 2013. Kern sei zu einer Zeit gekommen, in der sich die ambulante und stationäre Medizin nicht sehr gut verstanden hätten – Simon nannte es ganz liebevoll „die Höhle des Löwen“. Kern habe damals gesagt: „Wir haben hier ein Versorgungsproblem in der Rheumatologie – und ich habe eine Idee.“

Es sei nicht einfach gewesen, denn bei seinem ersten Auftritt sei er kritisch beäugt worden. „Einmal hier aufzutreten, war nicht genug. Es war eine sehr kritische Diskussion damals und du, Peter, hast es Gott sei Dank ein zweites Mal versucht. Dann flogen dir die Herzen zu und das Projekt nahm seinen Lauf“, sagte Simon.

Was folgte, war jahrelange Aufbauarbeit. Der Vorsitzende schilderte: „Du hast in dieser Zeit 19 internistische Kollegen in rheumatologischer Basis ausgebildet – man könnte fast sagen: aus ungeschliffenen Rohdiamanten etwas Funktionierendes zu machen.“

Auch Dr. Rolf Pilgrim, Lehrer, Begleiter und Freund von Kern, würdigte dessen Herkunft und Haltung: „Du hattest eine nur selten anzutreffende genetische Konstellation: hohe Intelligenz, gepaart mit kritischer Analytik und Logik, ergänzt durch Fleiß, Sparsamkeit, Bescheidenheit im Auftreten, Diplomatie bei Verhandlungen und Verlässlichkeit – eine der Grundlagen, Arzt zu sein.“ Pilgrim erinnerte daran, dass Kerns Vater verstarb, als er zwei Jahre alt war, und seine Mutter sich in Hilfsberufen durchschlug. Kern sei zur richtigen Zeit geboren worden, um seine Talente zu entfalten.

Auch eine Videobotschaft von Prof. Dr. med. Michael Hertl, Dekan der Universität Marburg, wurde abgespielt: „Ich habe bei Ihnen extrem geschätzt, dass Sie sich immer als Arzt verstanden haben, der sich um die Belange der Patienten kümmert. Wenn ich an Ihre Arztbriefe denke, die so detailreich sind – da spürt man die Mühe, die Sie sich gegeben haben.“

Außerdem wurde ein Brief von Michael Wilhelm, Vorstand des Klinikums, verlesen, der sich in Barcelona aufhielt. Er bedaure sehr, nicht persönlich dabei sein zu können, um seinen „Dank und Wertschätzung für das langjährige Wirken auszusprechen“. Kern habe wichtige Impulse gesetzt und nachhaltige Spuren hinterlassen.

Fulda verabschiedet Prof. Peter Kern. Fotos: Stephanie Trapp.