Unter den Augen von fünf neugierigen, wolligen Neuzugängen – bretonischen Zwergschafen, die als kleinste Schafrasse der Welt erst vor wenigen Tagen in Gersfeld einzogen – verrichten die Jugendlichen ihre Arbeit. Wie Tierparkleiter Jan Tayeb und seine Stellvertreterin Julia Kerber erläuterten, beheimatet der Park rund 200 Tiere aus 20 regionalen Arten. Kerber verwies dabei auf das bewusste Konzept: „Bei uns geht es ein bisschen rustikaler zu. Wir laden ein, sich Zeit zu nehmen und die Natur in ihrer angestammten Umgebung zu erleben. Tiere in der freien Wildbahn zu beobachten, bedeutet aber auch, suchen zu müssen – und an manchen Tagen eben nicht alle zu sehen.“
Die Helfer im Alter zwischen 17 und 27 Jahren rücken regelmäßig montags und donnerstags im Tierpark an. Sie sind Teil des bewährten AWO-Jugendarbeitsmarktprojektes „Lohn und Brot“, von dem beide Seiten bereits seit 2014 nachhaltig profitieren. Neben der Holz- und Fahrradwerkstatt in der Fuldaer Geschäftsstelle bildet der Wildpark den praktischen Kern, um junge Menschen an die Strukturen des Arbeitsmarktes heranzuführen. Ob Futtertüten packen, Zäune freischneiden oder Fasanenvolieren mit frischem Sand befüllen: Die sinnstiftende Arbeit mit Tieren bricht Isolation auf und schult verantwortungsvolles Handeln. Linda Kalb-Müller von der AWO zog eine durchweg positive Bilanz: „Es kommen immer wieder Ehemalige vorbei, die den Sprung in den regulären Arbeitsmarkt geschafft, nach Erwerbsbrüchen eine Ausbildung absolviert oder eine Familie gegründet haben. Es ist ungemein erfüllend zu sehen, wenn Menschen durch unser Programm den Weg in ein selbstbestimmtes Leben finden.“
Das Erfolgsmodell greift jedoch längst generationenübergreifend. An anderen Tagen wartet bereits frühmorgens ein älteres Ehepaar in robuster Arbeitskleidung im Wirtschaftshof, bewaffnet mit Futtereimern und Werkzeug. Es sind zwei Geflüchtete aus der Ukraine, die in ihrer Heimat gute Jobs zurücklassen mussten. Über das neue AWO-Projekt „Digital und Aktiv 55+“ erhalten sie durch Coaching und praktische Arbeitsgelegenheiten eine neue Perspektive. Sprachbarrieren werden im Team pragmatisch mit Mimik, Gestik oder Übersetzungsprogrammen auf dem Smartphone überbrückt.
Wie eng die Fäden des sozialen Netzwerks ineinandergreifen, bewies am Vormittag auch der zeitgleiche Besuch einer Gruppe des Familienzentrums Tann. Der über die AWO vermittelte, generationsübergreifende Ausflug bot den Kindern ein naturnahes Gemeinschaftserlebnis abseits des Alltags. Dass der Wildpark als lebendiger Naherholungsort im Jahresverlauf ein fester Publikumsmagnet bleibt, dafür sorgen auch die kommenden Termine im Kalender: Für den 31. Oktober ist ein schaurig-schöner Halloween-Tag geplant, gefolgt von einer stimmungsvollen Laternenwanderung am 13. November.
