Der Staatspreis stand in diesem Jahr unter dem Motto „Zwischen-Raum-Stadt-Land“. Die Staatspreise in der Kategorie Architektur gingen an zwei Projekte in Kassel sowie ein Vorhaben in Nieder-Eschbach, Anerkennungspreise erhielten in dieser Kategorie neben dem Kita-Projekt in Fulda auch der Neubau der Milseburghütte (Bauherrin: Gemeinde Hofbieber; ebenfalls Büro RWS)) sowie drei Projekte in Frankfurt (darunter das neue Terminal 3 des Frankfurter Flughafens) und ein Neubau an der TU Darmstadt. Weitere Staatspreise gab es in den Kategorien Innenarchitektur, Freiraum- und Landschaftsplanung sowie Quartiersplanung und Stadtentwicklung.
Federführend für das Land Hessen ist beim Staatspreis das Hessische Ministerium der Finanzen. Der Ressortchef, Finanzminister Prof. Dr. Alexander Lorz, betonte bei der Preisverleihung: „Alle prämierten Projekte zeichnen sich durch ein feines Gespür für Lösungen von aktuellen Herausforderungen aus, die sie mit Innovationskraft und einem hohen Anspruch an Nachhaltigkeit verbinden.“ Weiter betonte der Minister: „Der Wettbewerb im Jahr 2026 hat noch einmal deutlich gezeigt, warum der Staatspreis weit über Hessen hinaus ein außergewöhnlich hohes Ansehen genießt: Die Struktur des Wettbewerbs, die Unabhängigkeit und fachliche Exzellenz der Expertenjury, aber auch seine lange Tradition sind wesentliche Gründe dafür. Ich bin überzeugt, dass auch der diesjährige Wettbewerb neue Impulse für künftige Bauvorhaben liefern kann und die Debatte – wie wir zukünftig zusammenleben, lernen und arbeiten wollen – bereichern wird.“
Der international besetzten Jury lagen 106 eingereichte Projekte für die insgesamt vier Preiskategorien vor. Die Jury nominierte aus allen Projekteinreichungen 23 Projekte und besichtigte diese vor Ort. In einer finalen Runde wurden insgesamt fünf Auszeichnungen und acht Anerkennungen verliehen.
Der Präsident der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, Gerhard Greiner, betonte mit Blick auf die ausgezeichneten Projekte: „Sie vermitteln im Einzel- und im Zusammenspiel ein optimistisches Zukunftsbild, sodass alle Akteurinnen und Akteure gemeinsam den eingeschlagenen Weg der Weiterentwicklung von Stadt und Land mit Mut und Zuversicht beschreiten können.“
Jury-Mitglied Elmar Damm, Abteilungsleiter im Hessischen Ministerium der Finanzen, trug die Würdigung des Fuldaer Kita-Projekts vor und resümierte: „Das Projekt überzeugt durch seine städtebauliche Setzung und Einbindung in Topografie und Landschaft. Die Jury honoriert das Projekt als gelungenes Beispiel für eine qualitätvolle Nachverdichtung mit einer Anerkennung.“ (ausführliches Jury-Urteil: siehe Kasten „Im Wortlaut“).
Mit dem Staatspreis für Architektur und Städtebau verleihen das Land Hessen und die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen der Förderung der Baukultur im Land einen ganz besonderen Ausdruck. Der Preis wird seit 1954 vergeben und zählt zu den ältesten und anerkanntesten Architekturpreisen in Deutschland. Der Staatspreis widmet sich Planerinnen und Planer sowie Bauherrinnen und Bauherren gleichermaßen. Die Auszeichnung möchte das Engagement für gute Planung und vorbildliche Baukultur würdigen.
Eine Übersicht der Preisträgerinnen und Preisträger und ihrer Projekte, inklusive Bildmaterial, ist auf der Internetseite der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen zu finden:
www.akh.de/vorbildliche-bauten
Aus dem Urteil der Jury
„Der Entwurf begegnet der Herausforderung eines heterogenen städtebaulichen Umfelds – geprägt von Wohnbebauung, dem gegenüberliegenden Klinikum und der prägenden Kirche – mit großer Souveränität. Auf dem ehemaligen Parkplatz von St. Pius entstand in enger Zusammenarbeit zwischen der Katholischen Kirchengemeinde St. Pius, der Stadt Fulda und dem Architekturbüro Reith Wehner Storch ein ambitionierter, zweigeschossiger Neubau für fünf Kitagruppen. Das Gebäude fügt sich selbstbewusst in sein Umfeld ein und schafft zugleich einen eigenständigen Ort für Bildung, Begegnung und gemeinschaftliches Leben.
Die polygonal gefaltete, zweifach geknickte Kubatur erzeugt eine spannungsvolle Dynamik. Sie nimmt direkten Bezug auf die Geometrie der Kirche, respektiert deren städtebauliche Dominanz und setzt dennoch einen selbstbewussten baukulturellen Akzent.
Geschickt nutzt der Entwurf das Motiv der Mauer: Sie fungiert als schützende Einfriedung zur westlichen Straße und geht fließend in die Hausfassade über. (...) Die Materialkomposition aus hellem Klinker und Holz im Innen- und Außenbereich strahlt Wärme und Helligkeit aus. Ein Spielhügel, der zum Herumtollen einlädt, verzahnt die Architektur fließend mit der Landschaft. (...) Dank nichttragender Innenwände bleibt das Gebäude für zukünftige Nutzungsanpassungen flexibel. (...) Der Anspruch, den Raum an das Kind anzupassen und nicht umgekehrt, wird sowohl im Innen- als auch im Außenraum konsequent spürbar. (...)“
