Ein komplettes Siegerpodest in Grün. Damit hatten selbst die Gastgeber nicht gerechnet. Als bei den Schrittgruppen der Kreismeisterschaften und der Verbandstrophy schließlich Molzbach Papagei vor Molzbach Zebra und Molzbach Koala ganz oben in der Ergebnisliste stand, war die Freude auf der heimischen Reitanlage entsprechend groß. Der Dreifacherfolg war der sportliche Höhepunkt eines Turnierwochenendes, das bei bestem Herbstwetter noch einmal zahlreiche Voltigierer aus Hessen und Bayern nach Molzbach führte.
Zwei Tage lang stand die Anlage der Familie Baier ganz im Zeichen des Voltigiersports. Kreismeisterschaften des Kreisreiterbundes Rhön-Vogelsberg, Wettbewerbe der Verbandstrophy Kurhessen-Waldeck sowie die abschließende Station der regionalen Voltitrophy sorgten für ein umfangreiches Programm. Dabei ging es längst nicht ausschließlich um Medaillen und Platzierungen. Gerade die Nachwuchs- und Breitensportwettbewerbe machten deutlich, wie vielfältig der Einstieg in den Voltigiersport inzwischen gestaltet wird.
Der Samstag gehörte dabei zu einem großen Teil dem sogenannten Movie. Der mechanische Trainingspartner ahmt die Galoppbewegung eines Pferdes nach und ist aus dem modernen Voltigiertraining kaum noch wegzudenken. Auf ihm können Bewegungsabläufe und turnerische Elemente immer wieder trainiert werden, bevor sie auf dem Pferd umgesetzt werden. Anders als der vierbeinige Partner benötigt das Trainingsgerät keine Pausen nach wenigen Wiederholungen. Ein Vorteil, wenn es darum geht, Technik, Körperspannung und Bewegungsabläufe möglichst präzise zu erarbeiten.
Für den Turniersport eröffnet der Movie zudem zusätzliche Möglichkeiten. Voltigierer können Wettkampferfahrung sammeln, auch wenn das eigene Pferd beispielsweise verletzt ausfällt oder ein künftiges Voltigierpferd noch in Ausbildung steht. So bietet das Gerät gerade Nachwuchssportlern eine Gelegenheit, sich vor Richtern und Publikum zu präsentieren und jene besondere Nervosität kennenzulernen, die zu einem Turnierstart nun einmal dazugehört.
Dass es dabei durchaus ausgelassen zugehen kann, bewiesen am Samstag allerdings nicht nur die Kinder und Jugendlichen. Für besonders viel Stimmung sorgten die Elternwettbewerbe. Ehemalige Voltigierer, sportbegeisterte Mütter und Väter sowie einige, die sich einfach auf eine neue Herausforderung einlassen wollten, tauschten für einige Minuten die Zuschauerrolle gegen einen eigenen Platz im Wettkampf. Ob gemeinsam mit den Kindern im Pas de deux oder Trio oder zusammen mit anderen Erwachsenen im Team. Der Ehrgeiz war vorhanden, der Spaß aber mindestens ebenso groß. Entsprechend laut fiel die Unterstützung von den Zuschauerrängen aus.
Ein weiterer Blickfang war das Rhöner Turnpferdespektakel. In fantasievollen Kostümen und mit kreativen Darbietungen verbanden die Teilnehmer Sport und Show. In diesem Rahmen wurde zugleich die letzte Station der Voltitrophy des Kreisreiterbundes Rhön-Vogelsberg ausgetragen. Die Serie führte in dieser Saison über die Turniere in Vorderrhön und Lauterbach bis zum Finale in Molzbach.
Auch dort gab es aus Sicht der Gastgeber Grund zur Freude. Josipa Ziegler von der PSG Molzbach sicherte sich in der Gesamtwertung der Serie den ersten Platz bei den Einzelvoltigierern Schritt/Einsteiger. Bei den Doppelvoltigierern der Klassen Einsteiger/E hatten Cosima Schwander und Leonie Rexhäuser nach den drei Stationen die Nase vorn. Einen weiteren Podestplatz steuerten Mathilda Hanke und Jolie Hohmann bei. In der Kategorie Duo A/L/M/Junior belegten sie Rang zwei.
Bei den Showteams ging der zweite Platz der Voltitrophy ebenfalls nach Molzbach. Das Team Molzbach 3 musste sich in der Serienwertung lediglich der Mannschaft aus Vorderrhön geschlagen geben.
Am Sonntag wechselte das Geschehen dann vollständig vom Trainingsgerät auf die echten vierbeinigen Sportpartner. Nun waren neben den turnerischen Leistungen der Voltigierer auch das Zusammenspiel mit Pferd und Longenführer gefragt. Gerade darin liegt die besondere Herausforderung des Sports.
Für die PSG Molzbach entwickelte sich der zweite Turniertag zu einem erfolgreichen Saisonabschluss. Bei den Schrittgruppen dominierten die Gastgeber mit dem bereits erwähnten Dreifachsieg. Molzbach Papagei gewann vor Molzbach Zebra und Molzbach Koala. Dass bei einer Kreismeisterschaft und der Verbandstrophy gleich drei Mannschaften des eigenen Vereins gemeinsam auf dem Podest stehen würden, hatte im Vorfeld kaum jemand erwartet.
Auch in den weiteren Klassen mischten die Molzbacher vorne mit. Bei den Einsteigergruppen sicherte sich Molzbach 5 in der Verbandstrophy den Silberrang hinter dem Team aus Edertal. In der Kreismeisterschaft der Gruppen Leistungssport gewann Lauterbach vor Molzbach 2 und Molzbach 3.
In der Wertung der Verbandstrophy setzte sich in dieser Kategorie Vorderrhön durch. Dahinter folgten die Mannschaften aus Molzbach und Edertal. Für die Gastgeber bedeuteten die Ergebnisse nicht nur zahlreiche Schleifen, sondern auch die Bestätigung einer Saison, in der viele der eigenen Gruppen sportlich einen Schritt nach vorne gemacht haben.
Wie breit die Basis dafür inzwischen ist, zeigte sich vielleicht am eindrucksvollsten abseits der großen Prüfungen. Im Breitensportwettbewerb durften bereits Kinder im Kindergartenalter präsentieren, was sie im Training gelernt hatten. Für viele war es einer der ersten Auftritte vor größerem Publikum. Entsprechend groß waren Konzentration und Aufregung beim Einlaufen und ebenso groß das Lächeln, als am Ende jedes Kind seine Teilnehmerschleife entgegennehmen durfte. Es waren jene Bilder, die daran erinnerten, dass sportliche Entwicklung lange vor Meisterschaften und Platzierungen beginnt.
Nach zwei intensiven Turniertagen zog die PSG Molzbach deshalb eine rundum positive Bilanz. Neben den sportlichen Erfolgen war es vor allem das Zusammenspiel vieler Helfer, das ein Programm dieser Größenordnung auf der heimischen Anlage möglich machte.
„Unser Dank gilt allen, die dieses Wochenende möglich gemacht haben. Besonders unseren Vereinsmitgliedern und Helfern, die immer wieder viele Stunden investieren“, heißt es von Seiten der PSG Molzbach. „Ohne dieses Engagement wäre eine solche Veranstaltung nicht möglich. Am Ende geht es darum, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Erlebnisse zu ermöglichen, die ihnen lange in Erinnerung bleiben.“
Nach dem letzten Applaus, der letzten Schleife und zwei ausgefüllten Wettkampftagen darf in Molzbach nun allerdings auch etwas Ruhe einkehren. Die Saison 2026 ist beendet, die Winterpause verdient. Für Pferde und Voltigierer beginnt damit die Phase, in der neue Kräfte gesammelt, Grundlagen verbessert und neue Wettkampfprogramme vorbereitet werden. Denn während die Turnierschleifen dieses Wochenendes ihren Platz finden, richtet sich der Blick bereits auf die Saison 2027. Das Molzbacher Turnier hat zum Abschluss noch einmal gezeigt, wie eng Nachwuchsarbeit, Breitensport und leistungsorientiertes Voltigieren miteinander verbunden sein können und dass ein erfolgreicher Wettkampftag manchmal schon mit dem strahlenden Gesicht eines vierjährigen Kindes und seiner ersten Schleife beginnt.
