Der unscheinbare Platz zwischen der Tankstelle und dem Stadtteiltreff Nordend gegenüber der Ochsenwiese wurde von vielen gar nicht als Platz wahrgenommen: Parkplätze, Fußwege, ein etwas liebloses Beet und zwei leere Wiesenflächen prägten bislang die Fläche. Sie fungierte vor allem als Durchgangsraum zwischen dem Nordend und der Innenstadt sowie als Parkplatz.
Die Neugestaltung der Quartiersmitte, zu der auch diese Fläche gehört, ist bereits seit Beginn des Städtebauförderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ als prioritäres Projekt im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) auf der To-Do-Liste. 2023 wurden zunächst temporär zwei Sitzbänke auf den leeren Wiesenflächen vor dem Stadtteiltreff aufgestellt. Bereits die Aufstellung der Sitzbänke erfolgte unter Beteiligung der Anwohnerschaft, die teils auch Lärm und Vermüllung befürchteten. Tatsächlich wurden die Sitzbänke aber sehr gut und verantwortungsvoll angenommen, sodass die Idee, den Platz in größerem Ausmaß umzugestalten, weiterverfolgt wurde.
Im Mai 2024 wurden die Anwohnerschaft und die Akteure zur intensiveren Ideensammlung und Mitgestaltung aufgefordert. Das Ergebnis war eindeutig: Die Menschen im Nordend wünschten sich mehr Grün und mehr Treffmöglichkeiten auf dem Platz. Aus der Beteiligung ging jedoch auch hervor, dass die Sorge vor dem Wegfall von Parkplätzen im Quartier groß war.
Vor diesem Hintergrund wurde im Frühjahr 2025 ein Testlauf gestartet. Über eine temporäre Sitzmöbelaktion (Aktion „Straßen neu entdecken“) wurde der Platz zu einem Modellprojekt. Zwischen März und Juni wurden der Parkplatz gesperrt und mit Sitz- und Pflanzkübelelementen ein Begegnungsort geschaffen. Über eine aufgestellte Pinnwand konnten Kommentare und Anregungen sowie Kritik vor Ort abgegeben werden. Im Ergebnis hat sich gezeigt, dass die Aktion mehrheitlich auf großen Zuspruch gestoßen ist.
Auf dieser Basis wurden die Planungen weiter vorangetrieben. Entstehen wird nun ein Platz, der neben einer großflächigen Entsiegelung und neuen Pflanzbeeten mit insekten-freundlicher, klimaangepasster Bepflanzung auch einen Klimapavillon bieten wird: Mit einer Sprühnebelanlage wird er einen Rückzugsort für immer heißer werdende Sommer bilden. Neue Sitzmauern mit eingraviertem Schach- und Mühlebrett sowie ein öffentlicher Bücherschrank und ein durch Anwohnende bepflanzbares Hochbeet laden zum nachbarschaftlichen Austausch ein. Und auch in Sachen Stellplätze wurde eine Kompromisslösung gefunden, die den verbleibenden Raum besser nutzt.
Die Baumaßnahme soll je nach Witterung im Frühjahr 2027 fertiggestellt werden. Während der Bauzeit sind umfangreiche Sperrungen leider unvermeidlich. Die Maßnahme wird zu je einem Drittel aus Mitteln des Bundes, des Landes und der Stadt über das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ gefördert.
Umfrage: Zwischenbilanz im Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ Nordend
Das Fuldaer Nordend wurde 2019 in das Städtebauförderprogramm Sozialer Zusammenhalt aufgenommen. Seitdem hat sich schon viel getan. Allein diesen Sommer konnte der umgestaltete Spiel- und Aufenthaltsbereich im Galgengraben eröffnet werden, die Unterführungen zur B27 wurden mit einem Graffitiprojekt verschönert, und für das künftige Stadtteilzentrum an der Magdeburger Straße wurde die aktuelle Planung vorgestellt und im Ausschuss für Soziales, Familie, Jugend, Senioren beschlossen.
Es ist Zeit, Zwischenbilanz zu ziehen. Wie werden die Veränderungen im Nordend wahrgenommen? Worauf soll der Fokus in den nächsten Jahren besonders gerichtet werden?
Bis zum 31. Oktober 2026 läuft die Umfrage, mitmachen kann man unter https://www.nordend-fulda.de/artikel/umfrage-zum-nordend
