osthessen-zeitung.de 17.10.2026

Goldener Oktober: Die schönsten Radstrecken zwischen Fulda und Rhön

Osthessen (pm) - Morgens liegt Nebel über den Wiesen, gegen Mittag leuchten die Buchenwälder der Kuppenrhön in Gelb und Rot. Für viele Radfahrer in Osthessen sind die Wochen bis Ende Oktober die schönste Zeit des Jahres. Wer die alten Bahntrassen der Region noch einmal in voller Länge erleben will, sollte sich allerdings beeilen, denn am Milseburgtunnel schließen sich bald die Tore.

Foto: Pixabay

Milseburgradweg: Tunnelfahrten nur noch bis 31. Oktober

Der Klassiker unter den osthessischen Radwegen folgt der ehemaligen Rhönbahn von Petersberg-Götzenhof über Langenbieber bis nach Hilders. 27 Kilometer lang ist die Strecke, durchgängig asphaltiert und mit einer Steigung von 2,5 bis 3,5 Prozent auch für Kinder und weniger geübte Fahrer gut zu schaffen. Sie ist zugleich ein Teilstück des Hessischen Radfernwegs R3 von Rüdesheim nach Tann, der auf rund 230 Kilometern den Rheingau mit der Rhön verbindet.

Herzstück ist der 1172 Meter lange Milseburgtunnel aus dem Jahr 1889. Drinnen herrschen das ganze Jahr über acht bis zehn Grad, eine Jacke gehört also selbst an milden Tagen ins Gepäck. Geöffnet ist die Röhre vom 15. April bis zum 31. Oktober. Danach gehört sie den Fledermäusen, die dort ihr Winterquartier beziehen. Radler müssen dann auf die vier Kilometer lange Umfahrung ausweichen, und die hat es in sich: Aus Richtung Elters sind 145 Höhenmeter zu überwinden, vom Bahnhof Milseburg aus 112.

Einkehr und Aussicht entlang der Trasse

Lohnend ist die Strecke nicht nur wegen des Tunnels. Oberhalb von Langenbieber thront Schloss Bieberstein, im ehemaligen Bahnhof Milseburg ist heute ein Wachs- und Honigkuchenmuseum mit Galerie-Café untergebracht. Wer noch Kraft in den Beinen hat, plant einen Abstecher auf die 835 Meter hohe Milseburg ein, von deren Gipfel der Blick an klaren Herbsttagen weit über das Land der offenen Fernen reicht. Für die Pause danach empfiehlt sich ein Blick auf die Ausflugsziele und Gasthäuser der Region, von denen mehrere direkt am Weg oder nur wenige Minuten abseits liegen.

Kegelspiel-Radweg: Über das Viadukt bei Klausmarbach

Etwas weniger bekannt, aber kaum weniger reizvoll ist der Kegelspiel-Radweg. Er beginnt in Hünfeld und führt auf einer alten Bahntrasse über Burghaun und Eiterfeld in Richtung Rasdorf, mitten durch die Vulkankegel des Hessischen Kegelspiels. Höhepunkt ist das Viadukt bei Klausmarbach, eine 32 Meter hohe Sandsteinbrücke mit fünf Bögen. Am früheren Ostbahnhof in Burghaun erinnert ein historischer Waggon an die „Bimbel“, wie die Bahn im Volksmund hieß. Unterwegs begleiten 22 Granittafeln mit Redewendungen in Rhöner Platt die Fahrt.

Sportliche Fahrer verbinden beide Strecken über das Ulstertal zu einer großen Runde ab Fulda. Dann kommen gut 90 Kilometer zusammen, was angesichts der kurzen Tage einen frühen Start voraussetzt.

Vulkanradweg: Fast 100 Kilometer durch den Vogelsberg

Wer lieber Richtung Westen aufbricht, findet im Vulkanradweg die längste Bahntrassenroute der Region. Sie beginnt kurz vor Schlitz, verläuft über Bad Salzschlirf, Lauterbach und Herbstein hinauf zu den Hochflächen des Vogelsbergs und endet nach 97 Kilometern in der Wetterau. Die Steigungen sind kaum spürbar, weil die frühere Oberwaldbahn hier den Weg vorgegeben hat. Für eine Halbtagestour bietet sich der Abschnitt zwischen Lauterbach und Herbstein an, vorbei an Schloss Eisenbach.

Rückenwind aus dem Akku

Dass auf den Trassen inzwischen auch viele ältere Radler und Familien mit Anhänger unterwegs sind, hat viel mit dem Elektroantrieb zu tun. Die Infrastruktur zieht nach, am Rastplatz Bahnhof Bieberstein etwa steht eine Ladestation bereit. Wer über eine Anschaffung nachdenkt, sollte auf Motor, Akkukapazität und Rahmengröße achten und kann vorab online die Preise verschiedener E-Bike-Modelle vergleichen, bevor die Probefahrt beim Händler ansteht. Für die Umfahrung des Milseburgtunnels im Winterhalbjahr ist die Unterstützung jedenfalls kein Nachteil.

Licht, Laub und frühe Dämmerung

So schön die Herbsttouren sind, sie verlangen etwas mehr Vorbereitung als im Sommer. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club rät zum Zwiebelprinzip bei der Kleidung und zu einer verlässlichen Lichtanlage mit Nabendynamo und LED-Scheinwerfer. Nasses Laub macht gerade die Waldpassagen der Bahntrassen rutschig, in Kurven und vor Kreuzungen sollte deshalb früher gebremst werden. An den Querungen von Landes- und Kreisstraßen hat der Autoverkehr ohnehin Vorfahrt.

Auch im Tunnel spielt die Uhrzeit eine Rolle. Die Beleuchtung wird über Bewegungsmelder gesteuert und läuft nur tagsüber. Mit Einbruch der Dämmerung brennt für etwa 30 Minuten noch eine Notbeleuchtung, danach bleibt es bis zum Morgen dunkel. Winterdienst gibt es auf dem Milseburgradweg nicht. Befahrbar bleibt er trotzdem das ganze Jahr, und die nächste Tunnelsaison beginnt am 15. April.