Lokales FD 28.10.2026

Gersfelder Metallwaren stellt Insolvenzantrag – Betrieb läuft weiter

Gersfeld (pm/sim) – Die Gersfelder Metallwaren GmbH hat am 26. Oktober beim Amtsgericht Fulda einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Silvio Höfer von der Kanzlei Anchor aus Hannover bestellt. Der Geschäftsbetrieb des traditionsreichen Unternehmens aus der Rhön wird fortgesetzt.

Foto: Gersfelder Metallwaren GmbH

Die 145 Beschäftigten und vier Auszubildenden wurden am Mittwoch bei einer Mitarbeiterversammlung über die aktuelle Situation und die weiteren Schritte im vorläufigen Insolvenzverfahren informiert. „Unser oberstes Ziel ist es, den laufenden Geschäftsbetrieb nahtlos zu stabilisieren und gemeinsam mit den Kunden und Lieferanten stabil fortzuführen“, erklärte Höfer. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten signalisiert, diesen Weg tatkräftig zu unterstützen. Das sei eine wesentliche Voraussetzung für die anstehende Sanierung.

Über 50 Jahre Erfahrung in der Metallverarbeitung

Die Gersfelder Metallwaren GmbH wurde 1970 gegründet und ist auf die präzisionskritische Metallverarbeitung spezialisiert. Am Standort Gersfeld fertigt das Unternehmen nach Kundenzeichnung sowohl Serienteile als auch Kleinserien. Dazu gehören Drehteile, Rohr- und Drahtbiegeteile sowie Schweiß- und Montagebaugruppen.

Zum Produktspektrum zählen Schalthebel für Pkw und Nutzfahrzeuge, Abgashalterungen und Abgasklappen zur Akustikoptimierung, Gasgestänge für Landmaschinen sowie Zahnräder und Antriebselemente für die Robotik und den Maschinenbau. Wesentliche Produktionsverfahren wie Zerspanen, Umformen, Verbinden, Schweißen, Montieren und Werkzeugbau erfolgen im eigenen Haus.

Hauptabnehmer sind Automobilhersteller und deren Systemlieferanten sowie Unternehmen aus dem Landmaschinen- und Maschinenbau. Zu den wesentlichen Kunden zählen unter anderem Boysen, Faurecia beziehungsweise Purem, John Deere, KUKA und Willi Elbe. Teile werden auch nach China exportiert.

Der Umsatz des Unternehmens ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken: Nach mehr als 42 Millionen Euro im Jahr 2017 lag er 2024 bei 32,2 Millionen Euro. Für 2025 wird ein vorläufiger Umsatz von 26,73 Millionen Euro angegeben.

Rückläufige Nachfrage im Automobilsektor als Krisenursache

Die wirtschaftliche Lage der Gersfelder Metallwaren GmbH hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Als Hauptursachen nennt das Unternehmen eine rückläufige Nachfrage im Automobilsektor, geopolitische Unsicherheiten und eine insgesamt sinkende Investitionsbereitschaft. Da die Kundenbasis stark auf den Automobilbereich ausgerichtet ist, traf der rückläufige Markt für das Hauptprodukt Abgasklappen das Unternehmen empfindlich.

Zusätzlich belastete im Geschäftsjahr 2024 eine außerordentliche Abschreibung auf die Beteiligung an der rumänischen Tochtergesellschaft GMW Romania S.R.L. in Höhe von rund 5,2 Millionen Euro das Jahresergebnis. Zur Gegensteuerung hatte die Geschäftsführung 2026 ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben, externe Restrukturierungsberater hinzugezogen und seit Mitte des Jahres intensive Gespräche mit den finanzierenden Banken geführt.

Über die hundertprozentige Tochtergesellschaft GMW International GmbH hält das Unternehmen mittelbar sämtliche Anteile an der GMW Romania S.R.L. in Arad. Deren Produktion ist derzeit eingestellt und soll bis Ende 2026 nach Gersfeld zurückverlagert werden.

Vorläufiger Insolvenzverwalter sieht gute Sanierungschancen

Trotz der angespannten Lage im klassischen Automobilzulieferbereich sieht der vorläufige Insolvenzverwalter gute Perspektiven für den Erhalt des Unternehmens. Höfer verschafft sich derzeit mit seinem Team vor Ort einen detaillierten Überblick über die wirtschaftliche Lage und prüft die Sanierungsoptionen.

„Ich bin optimistisch, dass wir für die Gersfelder Metallwaren GmbH eine tragfähige Sanierungslösung erreichen können“, erklärte Höfer. Das Unternehmen verfüge über eine hohe Fertigungskompetenz und hervorragende Produkte im Bereich der Robotik und bei Automotive, die großes Potenzial für eine zukunftsfähige Ausrichtung böten.

Da das Unternehmen sämtliche gesetzlichen Größenkriterien erfüllt, wurde zur Begleitung des Verfahrens zudem die Einsetzung eines vorläufigen Gläubigerausschusses beantragt.