Lokales FD 29.10.2026

Gemeinsam gegen Fachkräftemangel: Projekt WeltRaum von antonius

Fulda (pm/st) – Fachkräfte fehlen in Fulda an vielen Ecken. Um motivierten Nachwuchs aus dem Ausland zu gewinnen, entwickelt antonius das Projekt „WeltRaum“ für Osthessen weiter. Die Bürgerstiftung vermittelt junge Menschen aus aller Welt ab sofort nicht mehr nur an eigene Betriebe im sozialen Bereich, sondern auch an externe Unternehmen in weiteren Branchen. Jüngstes Beispiel ist die junge Kolumbianerin Matilde Cordero, die jetzt bei der Spedition John in Eichenzell durchstartet.

Glücklich über die Zusammenarbeit (von links): Manuela Kruse (Projektassistenz WeltRaum bei antonius) zusammen mit Azubi Matilde Cordero, Personalmanagerin Barbara Siegmann und Niederlassungsleiter Peter Juli von John Spedition Fotos: Roman Herget für antonius

Eine berufliche Zukunft in Kolumbien? Die sieht Matilde Cordero für sich nicht mehr. Sie entscheidet sich, ihr Glück in Deutschland zu suchen – erst über ein Au-pair in Leverkusen und dann bei einem Freiwilligendienst der Bürgerstiftung „antonius: gemeinsam Mensch“. Neun Monate unterstützt die 21-Jährige bei einem sogenannten „antonius Jahr“ Jugendliche mit Förderbedarf an der Arbeitsschule Startbahn und sammelt erste Erfahrungen im deutschen Arbeitsumfeld. Das Besondere: Mitarbeitende vom Projekt WeltRaum von antonius helfen ihr während des Freiwilligendienstes intensiv beim Ankommen in Fulda.

Ankommen erleichtern, Perspektiven schaffen

Matilde Cordero kann am Kloster Frauenberg in einer internationalen WG wohnen, sie erhält kostenlosen Deutschunterricht und wird auf Wunsch bei Behördengängen oder Arztbesuchen begleitet. Von Monat zu Monat fühlt sie sich in Fulda und im antonius Netzwerk geborgener und das Heimweh wird geringer. Doch zeitgleich wachsen bei ihr Zweifel an einer Zukunft im sozialen Bereich. „Ich mag die Arbeit mit Menschen, aber ich sehe mich langfristig eher im Büro – in der Verwaltung oder im kaufmännischen Bereich“, sagt sie.

Fachkräfte für die Region gewinnen und erhalten

Manuela Kruse, die für den Bereich Karriereplanung bei WeltRaum zuständig ist, erklärt, warum Matildes Geschichte trotzdem eine Erfolgsgeschichte ist: „Eigentlich haben wir das Projekt WeltRaum geschaffen, um Fachkräfte für die Pflege, Betreuung oder Gastronomie für unsere eigenen antonius Betriebe zu gewinnen. Aber das Leben ist nie in Stein gemeißelt: Manche Menschen wie Matilde entwickeln sich durch die hinzugewonnenen Erfahrungen in ungeahnte Richtungen weiter, und auch diesen Weg wollen wir natürlich bestmöglich fördern, um sie als Fachkraft für die Region zu erhalten.“ 

Manuela Kruse ermutigt die junge Frau aus Kolumbien zu einer kaufmännischen Ausbildung in einem externen Betrieb und begleitet ihren Bewerbungsprozess – von der gemeinsamen Recherche möglicher Arbeitgeber über Hilfe beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen bis zum Vorbereiten der Vorstellungsgespräche.

Mit Erfolg: Matilde Cordero findet einen Ausbildungsplatz zur Speditionskauffrau bei der John Spedition GmbH in Eichenzell, den sie am 1. August 2026 aufnimmt. Das Transportunternehmen, das zur Zufall-Gruppe gehört, begegnet dem Projekt WeltRaum im Bewerbungsverfahren zum ersten Mal, und ist direkt begeistert.

John Spedition interessiert an Nachwuchs aus dem Ausland

„Unsere Region braucht internationale Nachwuchskräfte“, sagt Barbara Siegmann, Personalmanagerin bei John Spedition. „Auch weil viele Einheimische eher zu einem Studium tendieren und es deshalb schwer ist, Ausbildungsplätze zu besetzen. Das Projekt WeltRaum gibt jungen Menschen aus dem Ausland die Chance, in Deutschland einen anerkannten Ausbildungsberuf zu erlernen, und begleitet sie dabei engmaschig. So gewinnen Unternehmen wie wir qualifizierte Arbeitskräfte – und das kommt letztendlich der ganzen Region zugute. Deshalb schauen wir uns in Zukunft gerne auch andere Bewerberinnen und Bewerber von WeltRaum an.“

Zukunftspläne in Deutschland

Die neue Auszubildende hat die Personalerin Barbara Siegmann aber auch ganz persönlich überzeugt – durch ihren Ehrgeiz und ihren Mut, in so jungen Jahren in ein fremdes Land zu gehen und sich hier langfristig ein neues Leben aufzubauen. Nach ihrer Ausbildung möchte sich die junge Kolumbianerin weiter qualifizieren und dann eine Festanstellung anstreben – vielleicht sogar bei ihrem jetzigen Ausbildungsunternehmen. Ihre Zukunft sieht sie auf jeden Fall in Deutschland: Gerade ist sie gemeinsam mit ihrem Freund in eine eigene Wohnung in der Fuldaer Innenstadt gezogen, und antonius hat sowohl bei der Wohnungssuche als auch beim Mietvertrag und der Ausstattung unterstützt.

„WeltRaum macht viel mehr, als nötig wäre“, sagt Matilde Cordero. „Diese Unterstützung bedeutet mir viel: Denn wenn man in ein neues Land kommt, fühlt man sich oft weit weg von zu Hause und vieles ist neu und ungewohnt. Durch die enge Begleitung und die große Empathie wird mir das Ankommen sehr erleichtert.“