Der erste Bauabschnitt in Richtung Rückers wird bereits gebaut. Dort werde deutlich, welche Dimensionen die Maßnahme annimmt. Der Straßenverlauf wird verändert. Es entstehen umfangreiche Erdarbeiten, breite Straßenflächen und neue Böschungen. „Wenn man sich die Baustelle ansieht, erinnert die Breite und Massivität des Ausbaus eher an eine Bundesstraße als an eine kleine ländliche Verbindung. Das passt aus unserer Sicht weder zur Verkehrsbedeutung noch zur Lage dieser Straße. Wir dürfen hier nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen“, sagt Klotzsche.
Für den anschließenden zweiten Bauabschnitt durch den Bereich Adenmühle laufe das Planfeststellungsverfahren. Allein für diesen rund 550 Meter langen Abschnitt seien nach den Planunterlagen 1,64 Millionen Euro vorgesehen. Die Kosten des bereits laufenden ersten Bauabschnitts kämen hinzu. „Es geht um viel Steuergeld. Deshalb muss nachvollziehbar sein, warum dieser Ausbauumfang nötig ist und ob eine einfachere Lösung denselben Zweck erfüllt“, fordert Klotzsche. Die Verkehrszählung von 2023 weise rund 1780 Fahrzeuge täglich aus. Für 2035 würden rund 1830 Fahrzeuge erwartet. Eine größere Verkehrszunahme liege der Planung damit nicht zugrunde. Zugleich blieben die beiden engen Bahnunterführungen auch nach dem Ausbau einspurig. Die Straße führe außerdem unmittelbar in die bebaute Anliegerlage Adenmühle.
„Auf wenigen hundert Metern wird großzügig ausgebaut, während die prägenden Engstellen bestehen bleiben. Hessen Mobil muss erklären, welchen zusätzlichen Nutzen die Veränderungen von Straßenverlauf und Höhenlage tatsächlich bringen“, so Klotzsche. Auch die weitere Verbindung von Rückers über K90 und K82 in Richtung Flieden und zur A66 müsse in die Bewertung einfließen. Die FDP fordert, diesen Abschnitt zu erneuern und Gefahrenstellen gezielt zu verbessern, statt die Straße zu verlegen und ähnlich massiv auszubauen. „Die Bahnunterführungen und die anschließende Ortslage setzen dieser Verbindung enge Grenzen. Höhere Geschwindigkeiten sind hier weder sinnvoll noch auf wenigen hundert Metern ein überzeugendes Ausbauziel. Wir brauchen eine ordentlich sanierte Straße, die zu ihrer Umgebung passt“, betont Klotzsche.
Beim Ortstermin schilderten die Eigentümer konkrete Probleme. Georg Atzert befürchtet Einschränkungen bei der Erreichbarkeit und Bewirtschaftung seiner landwirtschaftlichen Flächen. Ein betroffenes Grünlandgrundstück wäre nach seiner Einschätzung nach dem Ausbau insgesamt nicht mehr wirtschaftlich nutzbar. An seinem Hofanwesen sieht er außerdem offene Fragen zur Entwässerung und zum Schutz älterer Gebäude vor Erschütterungs- und Bauschäden. Sabine Vogel und Christoph Jestädt befürchten Nachteile für Hofzufahrt, Stellplätze und betriebliche Rangierflächen. Der angrenzende Gemeindeweg erschließe zudem den rückwärtigen Hallen- und Lagerbereich sowie landwirtschaftliche Grundstücke. Seine Nutzbarkeit müsse auch während der Bauarbeiten gesichert werden.
„Die Kosten tragen die Steuerzahler. Die direkten Folgen treffen die Menschen vor Ort. Es geht nicht nur um ein paar Quadratmeter am Straßenrand. Entscheidend ist, ob ein Hof danach noch funktioniert, ein Transporter noch rangieren kann und ein Landwirt seine Fläche noch erreicht“, betont Klotzsche. Diese Fragen seien teilweise seit Jahren bekannt. Ein Besprechungsprotokoll aus dem Jahr 2023 dokumentiere bereits den Streit über Stellplätze, die Neigung der Hofzufahrt und die Erreichbarkeit während der Bauphase. Die FDP verlangt deshalb konkrete Antworten anhand der aktuellen Lage- und Höhenpläne.
Als Alternative fordert die Fraktion eine Sanierung, die den heutigen Straßenverlauf und die Höhenlage weitgehend erhält. Fahrbahn und Entwässerung sollen erneuert und tatsächliche Gefahrenstellen gezielt verbessert werden. Für Fußgänger und Radfahrer soll eine sichere Lösung entstehen, die zum örtlichen Bedarf passe. Ein konkreter Vorschlag der Eigentümer für eine schmalere Wegeführung liege inzwischen vor und solle fachlich geprüft werden. Auch die geplante Radverbindung an der K90 gehört aus Sicht der Liberalen in den Vergleich. Zu klären sei, welche Wegebeziehungen sie künftig abdecke und welcher zusätzliche Bedarf an der Adenmühle bleibe.
„Eine sichere Straße und eine gute Verbindung für Fußgänger und Radfahrer sind wichtig. Aber daraus folgt kein Freibrief für jeden Ausbau. Wir wollen einen ehrlichen Vergleich von Nutzen, Kosten und Eingriffen. Jeder unnötig ausgegebene Euro fehlt bei anderen Straßen, Brücken oder kommunalen Aufgaben“, sagt Klotzsche. Die FDP-Fraktion habe eine Stellungnahme beim Regierungspräsidium Kassel eingereicht und Hessen Mobil um fachliche Überprüfung gebeten. Auch der Bund der Steuerzahler Hessen sei auf das Projekt aufmerksam gemacht worden. „Wir erwarten jetzt klare Antworten und einen gemeinsamen Termin vor Ort. Die Straße muss sicher sein, die Grundstücke müssen nutzbar bleiben und das Geld der Steuerzahler muss sinnvoll eingesetzt werden“, so Klotzsche.
