Lokales FD 29.10.2026

Ende einer Ära am Klinikum – Marion Haubitz geht in den Ruhestand

Fulda (sg/pm) – Eine prägende Persönlichkeit der Medizinregion Osthessen nimmt Abschied vom aktiven Klinikalltag: Prof. Dr. med. Marion Haubitz, seit dem 1. Januar 2011 Direktorin der Medizinischen Klinik Ill (Nephrologie, Dialyse und Hochdruckkrankheiten) am Klinikum Fulda, geht zum 31. Oktober in den Ruhestand, am Donnerstag wurde sie feierlich verabschiedet. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz für nierenkranke Menschen, ihrer wissenschaftlichen Exzellenz sowie ihrer wegweisenden Entwicklungsarbeit hab sie die Nephrologie des Klinikums Fulda über eineinhalb Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt.

Von links: Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Prof. Dr. Bernd Haubitz, Prof. Dr. Marion Haubitz, Prof. Dr. Armin Kurtz und Prof. Dr. Gabriele Köhler. Foto: Sabrina Gram.

In ihrer persönlichen Abschiedsrede blickte Haubitz bewegt auf ihre Zeit in Fulda zurück und richtete ihren Dank an das gesamte Team sowie ihre Wegbegleiter: „Die Verknüpfung von moderner Spitzenmedizin, intensiver Forschung und menschlicher Nähe war für mich am Klinikum Fulda stets eine Herzensangelegenheit. Mein ganz besonderer Dank gilt meinem gesamten Team der Medizinischen Klinik III, allen Kolleginnen und Kollegen im Haus sowie dem KfH. Gemeinsam ist es uns gelungen, für nierenkranke Menschen in der Region eine Versorgung auf höchstem Niveau aufzubauen. Ich übergebe diese Aufgabe mit Dankbarkeit und vollem Vertrauen in die Zukunft.“

Unter der Leitung von Haubitz entwickelte die Medizinische Klinik Ill als zertifizierte „Nephrologische Schwerpunktklinik“ Strahlkraft weit über die Region hinaus. Ein besonderer Meilenstein ihrer Wirkungszeit war der kontinuierliche Ausbau des Nierentransplantationszentrums am Klinikum Fulda, das sie gemeinsam mit Prof. Dr. Tilman Kälble (Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie) leitete. Im Jahr 2021 verlieh die Landesärztekammer Hessen Haubitz als erster Fachärztin für Nierenheilkunde in Hessen die Zusatzbezeichnung „Transplantationsmedizin“ – eine Würdigung ihrer langjährigen Fachexpertise bei der Betreuung und Nachsorge von Transplantationspatienten.

Ebenso prägend war ihre Doppelfunktion als leitende Ärztin des Kuratoriums für Dialyse und Heimdialyse (KfH) in Fulda und Bad Orb. In enger Kooperation zwischen dem Klinikum Fulda und dem KfH setzte sie sich stets für eine hochmoderne, patientennahe Dialyseversorgung sowie schonende Nierenersatztherapien ein. Ein bedeutender Meilenstein dieser erfolgreichen Zusammenarbeit war die Eröffnung einer hochmodernen Dialyse-Station im Klinikum Fulda im vergangenen Jahr. Auch die Weiterentwicklung spezieller Blutreinigungsverfahren wie der Lipidapherese zur Behandlung schwerer Fettstoffwechselstörungen trieb sie am Standort Fulda entscheidend voran.

 

Würdigung durch den Vorstand 

Im Rahmen der feierlichen Verabschiedung würdigte Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Sprecher des Vorstands des Klinikums Fulda, auch im Namen seines Vorstandskollegen Michael Wilhelm, die herausragenden Leistungen der Chefärztin: „Prof. Dr. Marion Haubitz hat die Entwicklung der Nierenheilkunde am Klinikum Fulda mit außergewöhnlicher Fachexpertise, Tatkraft und strategischem Weitblick geprägt. Unter ihrer Führung hat sich die Medizinische Klinik III zu einem nephrologischen Spitzenzentrum entwickelt, das in vielen Bereichen – etwa bei Autoimmunerkrankungen oder bei komplexen Dialyseverfahren – Maßstäbe setzt. Dabei hat sie stets den kranken Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Wir danken ihr von Herzen für fast 16 Jahre herausragenden Einsatz für ihre Patientinnen und Patienten und für unser Haus. Wir wünschen ihr für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und persönliche Erfüllung.“ 

 

Festvortrag und Würdigung durch Kollegen und Weggefährten

Den wissenschaftlichen Akzent der Verabschiedung setzte Prof. Dr. med. Armin Kurtz, der als emeritierter Direktor des Instituts für Physiologie der Universität Regensburg und Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hohes internationales Renommee genießt. In seinem Festvortrag „Zurück zu den Wurzeln – die Niere als Sensor für unseren Blutdruck“ beleuchtete er die komplexen physiologischen Regulationsmechanismen des Organs und würdigte die wissenschaftliche Arbeit von Haubitz: „Marion Haubitz hat die Schnittstelle zwischen grundlagenwissenschaftlicher Nierenphysiologie und klinischer Exzellenz zeitlebens mit beeindruckender Präzision gelebt. Ihre wissenschaftlichen Beiträge und ihr klinischer Blick für die Niere als zentrales Steuerungsorgan unseres Herz-Kreislauf-Systems haben Maßstäbe in der Nephrologie gesetzt.“ 

Im Namen des gesamten Kollegiums würdigte Prof. Dr. med. Gabriele Köhler, Sprecherin der ärztlichen Direktorinnen und Direktoren sowie Direktorin des Instituts für Pathologie am Klinikum Fulda, das kollegiale Wirken der Scheidenden: „Mit Prof. Dr. Marion Haubitz verlässt uns eine sehr geschätzte Kollegin, die nicht nur medizinisch wegweisende Standards gesetzt hat, sondern auch innerhalb der Klinikleitung sowie in verschiedenen Gremien und beim Aufbau des Campus Fulda stets als zuverlässige, hochkompetente und kluge Impulsgeberin geschätzt wurde. Sie hat die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Klinikum maßgeblich gestärkt – dafür gebührt ihr unser allerherzlichster Dank.“ 

Als Überraschungsgast sprach der leitende Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Peter Benöhr. Er blickte auf seine Geschichte mit Haubitz zurück und gab dabei die ein oder andere launige Anekdote zum Besten. Er dankte Haubitz herzlich für die gemeinsamen Jahre und die gute Zusammenarbeit. „Ich habe Sie als wirklich großartige Chefin kennengelernt“, betonte Benöhr. Im Anschluss sprach das gesamte Oberärzteteam seinen Dank aus und überreichte Geschenke an Haubitz.

 

Ausblick: Kontinuität und Zukunftsfähigkeit gesichert

Die Nachfolge an der Spitze der Medizinischen Klinik III ist bereits geregelt: Anfang 2027 wird Prof. Dr. Konrad Buscher die Position als neuer Direktor übernehmen und die erfolgreiche Arbeit der Klinik fortführen sowie weiterentwickeln. Bis zu seinem Antritt ist die lückenlose und hochqualitative Versorgung der Patientinnen und Patienten durch das erfahrene Ärzteteam der Klinik unter der kommissarischen Leitung von Priv.-Doz. Dr. Peter Benöhr sichergestellt.

 

Zur Person Prof. Dr. med. Marion Haubitz

Nach ihrem Medizinstudium in Gießen, das mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert wurde, der Promotion (1985) sowie Stationen an der Tufts University in Boston (USA) habilitierte sich Haubitz 1997 an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHN). Dort war sie langjährig als klinische Oberärztin sowie In zahlreichen Gremien und Forschungskommissionen tätig. 

Ihre Fachkompetenz war auch auf nationaler und internationaler Ebene gefragt: Seit 2007 gehörte sie dem Sachverständigenrat des Bundesministeriums für Gesundheit zur Beurteilung der Entwicklung im Gesundheitswesen an. Zudem engagierte sie sich in Fachgesellschaften wie der European Vasculitis Study Group (EUVAS) und prägte als Kongresspräsidentin unter anderem die 15. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) in Berlin mit knapp 2500 Teilnehmern. 

Prof. Dr. Marion Haubitz am Klinikum verabschiedet. Fotos: Sabrina Gram.