Professor Dr. med. Tilman Kälble hat selbst erlebt, was es bedeutet, Menschen zu helfen, die sonst kaum Zugang zu einer modernen urologischen Versorgung haben. Nun übernimmt der langjährige Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Klinikums Fulda und Leiter des Nierentransplantationszentrums eine neue Aufgabe: Bei der Mitgliederversammlung im Propsteihaus Petersberg wurde er jetzt einstimmig zum Vorsitzenden von „Die Ärzte für Afrika e.V.“ gewählt.
Der Verein engagiert sich in Ghana und Gambia für die Versorgung der armen Landbevölkerung und bietet Behandlungen sowie chirurgische Eingriffe bei Krankheiten, Deformationen oder Verletzungen an. Kälble übernimmt ab November das Amt von Professor Dr. med. Reinhold Horsch, der den Verein elf Jahre lang erfolgreich geführt hatte und sich aus Altersgründen zurückzieht. Beide verbindet eine langjährige Zusammenarbeit im Vereinsvorstand.
Erfahrender Fuldaer Urologe macht sich stark für Westafrika Professor Dr. Tilman Kälble war in den vergangenen Jahren bereits zweimal persönlich in Afrika dabei, wenn es zum Beispiel darum ging, Blasensteine zu entfernen oder Harnröhrenfehlbildungen zu beheben. Auch sein Sohn Sebastian Kälble gehört zum Team der „Ärzte für Afrika“.
Betroffene seien unendlich dankbar für die Möglichkeiten, die der Verein anbietet. „Die strahlenden Gesichter nach einer erfolgreichen OP vergisst man nicht“, so Kälble. „Oft sind es vergleichsweise kleine Probleme, die man gut behandeln kann. In Afrika, ohne jegliche medizinische Hilfe, können sie lebensbedrohend werden. Oder führen zu großem Leid ohne Aussicht auf Besserung.“ Einen 60-jährigen Patienten konnte der Fuldaer Urologe zum Beispiel vom Katheter befreien, ohne den er nicht mehr Wasser lassen konnte. „Es war aus westeuropäischer Sicht eigentlich nur ein einfacher Routine-Eingriff. Für ihn begann danach ein neues, unbeschwertes Leben.“
Dem Verein sei es ein großes Anliegen, in den Ländern selbst die Ausbildung der Nachwuchs-Urologinnen und -Urologen zu fördern. „Ohne gute Ausrüstung funktioniert das natürlich nicht. Wir müssen hier mit Hightech agieren, um so weit wie möglich endoskopische und laparoskopische Operationen durchführen zu können. Da es für die Patientinnen und Patienten keine längere Nachsorge-Phase gibt, müssen wir jegliche Komplikationen soweit es eben geht schon im Vorfeld ausschließen. Dazu sind minimalinvasive Eingriffe immer die erste Wahl.“ Auch moderne OP-Tische, Röntgengeräte, Sterilisatoren oder Narkosegeräte wurden bereits mit Spenden finanziert, außerdem die Aufwendungen für örtliches Technik-Personal und mehr.
3.000 bis 3.500 Patientinnen und Patienten pro Jahr behandelt
140.000 bis 150.000 Euro werden laut den Statistiken des Vereins aktuell pro Jahr benötigt, um im Schnitt rund 1500 Patientinnen und Patienten an derzeit neun Standorten in Westafrika operieren zu können. Behandelt werden jährlich etwa 3.000 bis 3.500 Personen. Dabei arbeiten alle Medizinerinnen und Mediziner, die aus Deutschland anreisen, ehrenamtlich, „viele bringen nach Möglichkeit sogar ihr eigenes Equipment mit zu den Einsätzen“, berichtet Professor Dr. Kälble.
Der Verein „Die Ärzte für Afrika“ wurde 2007 von Dr. med. Gerd Engel gegründet – in Zusammenarbeit mit Erhard und Verena Rübsam aus Hünfeld. Erhard Rübsam, der als geschäftsführender Vorstand den Verein mit einem umfassenden Netzwerk begleitet und gemeinsam mit seiner Frau die organisatorische Arbeit im Hintergrund übernimmt, nennt eindrucksvolle Zahlen: „Es wurden seit der Gründung des Vereins in insgesamt 218 mehrwöchigen urologischen Einsätzen 37.800 Patientinnen und Patienten behandelt und 14.100 Operationen durchgeführt. Beteiligt waren bislang 425 Ärztinnen und Ärzte – manche davon mehrfach“, so Rübsam.
Wenn er zurückblickt auf die Anfänge – Rübsam und Dr. Engel hatten sich vor Ort in Ghana kennengelernt. „Damals gab es fünf Urologen im gesamten Land. Bei einem schweren Verkehrsunfall sind jedoch drei davon zeitgleich verstorben, einer wurde schwerstverletzt, was die Not natürlich noch größer machte. Das war die Geburtsstunde unseres Vereins.“ Dieser zählt mittlerweile fast 450 Mitglieder. „Weitere Unterstützung für unsere Zukunftspläne können wir gut gebrauchen“, sagt Erhard Rübsam und weist auf ein vor kurzem nun fest etabliertes Urologie-Zentrum mit kompletter Ausstattung in Battor hin.
Zukunftsgerichtete Aus- und Weiterbildungskonzepte
Die Vereinstätigkeit basiert laut Erhard Rübsam auf drei Pfeilern: Im Mittelpunkt steht weiterhin die Entsendung von deutschen Urologinnen und Urologen plus Fachpersonal wie OP-Schwestern und -Pfleger – zweimal im Jahr. Die gute technische Ausstattung mit fachgerechter Installation und Wartung ist weiterer essenzieller Punkt, wie der Mitbegründer des Vereins betont. Professor Dr. Kälble ergänzt: „Wenn zum Beispiel bei einem endoskopischen Eingriff der Strom ausfällt, muss der Ersatz schnell funktionieren, sonst wird die OP für den Patienten mitunter lebensgefährlich.“
Dritter Pfeiler ist die Nachhaltigkeit – mit zukunftsgerichteten Aus- und Weiterbildungskonzepten, mit einer langfristigen Struktur, die sich mehr und mehr selbst tragen kann. Kälble: „Und natürlich möchten wir unser Angebot ausweiten, um noch mehr Menschen in Not unentgeltlich helfen zu können. Dafür benötigt der Verein zusätzliche Spenden.“
Der Fuldaer Urologe betonte anlässlich der Mitgliederversammlung: „Der Verein steht auf einem soliden Fundament, zu dem Professor Horsch maßgeblich beigetragen hat. Dafür bin ich sehr dankbar und sehe darin eine gute Grundlage, um die erfolgreiche Arbeit fortzuführen. Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen auch in Ghana und Gambia. Diesen Entwicklungen möchten wir begegnen, indem wir gemeinsam im Vorstand neue Herausforderungen frühzeitig erkennen und die passenden Antworten für die Zukunft finden.“
Weitere Infos sind abrufbar unter www.die-aerzte-fuer-afrika.de. Spendenkonto: Die Ärzte für Afrika e.V., Deutsche Apotheker- und Ärztebank, IBAN: DE 94 3006 0601 0007 7441 10, BIC: DAAEDEDD
