Lokales VB 10.10.2026

Cybermobbing: Fünftklässler lernen ihre Rechte im Netz kennen

Alsfeld (pm/sim) – WhatsApp nutzen fast alle, TikTok hingegen nur wenige: Als Gesa von Schwerin die Fünftklässler der Albert-Schweitzer-Schule in Alsfeld nach ihren Erfahrungen mit sozialen Medien fragte, staunten einige Kinder über die Altersbeschränkungen. In einem 90-minütigen Webinar erklärte die Juristin, wie Cybermobbing entsteht, welche Gefahren im Internet lauern und wie sich Kinder dagegen schützen können.

Mit vielen Fragen und Beispielen sprach Gesa von Schwerin mit den Schülerinnen und Schülern über die Gefahren im Internet und in sozialen Medien. Foto: T. Schlitt

Von Schwerin vertritt seit Jahrzehnten Mobbing-Opfer und ist mit ihrem Präventionsprogramm „Law4School“ regelmäßig an der Albert-Schweitzer-Schule zu Gast. Das Webinar ist Teil des Präventionskonzepts des Gymnasiums, das Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Jahrgangsstufen auch für Themen wie Alkohol- und Drogenmissbrauch oder Spielsucht sensibilisiert.

Schulleiter Christian Bolduan betonte die Bedeutung der Aufklärungsarbeit: „Alles, was wir durch Aufklärung und Wissensvermittlung im Vorhinein verhindern können, müssen wir hinterher nicht kurativ behandeln.“ Sein Dank galt dem Förderverein der Albert-Schweitzer-Schule und dem SI-Club Lauterbach-Vogelsberg, die das Webinar unterstützten.

Anhand von Beispielen und Umfragen erklärte die Juristin den Kindern, was Mobbing ausmacht: Es soll wehtun, geschieht absichtlich und erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Im Internet kann es Betroffene rund um die Uhr und unabhängig vom Aufenthaltsort erreichen. Die Folgen können schwerwiegend sein.

Von Schwerin riet betroffenen Kindern, sich ihren Eltern oder anderen Vertrauenspersonen anzuvertrauen und bei Bedarf die Polizei einzuschalten. Auch anonyme Absender könnten ermittelt werden. Beleidigende Nachrichten, Fotos oder Fake-Profile sollten dokumentiert werden. Die zentrale Botschaft: Mobbing-Opfer haben Rechte und können sich gegen Täter zur Wehr setzen.

Auch die rechtlichen Folgen waren Thema. Die Kinder erfuhren, dass unerlaubte Handlungen im Internet Konsequenzen haben können und Betroffene unter bestimmten Voraussetzungen Ansprüche auf Unterlassung und Schadensersatz geltend machen können. Viele waren überrascht, dass nicht automatisch die Eltern für das Verhalten ihrer Kinder haften.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Recht am eigenen Bild. Fotos und Videos anderer Menschen dürfen nicht einfach ohne deren Einwilligung verbreitet werden – das gilt auch für Profilbilder, Aufnahmen von Lehrkräften und Inhalte in Klassen- oder Familienchats. Besonders sensibel ist der Umgang mit intimen Bildern. Einmal verbreitet, lassen sich solche Aufnahmen kaum vollständig aus dem Internet entfernen. Screenshots und Fotos von Bildschirmen können dafür sorgen, dass sie auch nach einer vermeintlichen Löschung weiter kursieren.

Von Schwerin machte deutlich, dass die Verantwortung stets bei denjenigen liegt, die Bilder unerlaubt weitergeben. „Schuldig ist immer der Täter“, betonte sie. Die Kinder sollten außerdem bedenken, dass Inhalte aus dem Internet Menschen oft noch Jahre später verfolgen können.

Darüber hinaus warnte die Juristin vor Kontakten zu Fremden im Internet. Hinter vermeintlich Gleichaltrigen in Chats oder Online-Spielen könnten sich Erwachsene mit bösen Absichten verbergen. Auch mithilfe künstlicher Intelligenz ließen sich täuschend echt wirkende Avatare erstellen. Deshalb gelte es, im Netz besonders vorsichtig zu sein und fremden Kontakten nicht vorschnell zu vertrauen.

Für Kinder, die Hilfe benötigen, nannte von Schwerin die „Nummer gegen Kummer“ unter 116 111. Weitere Informationen und Hilfsangebote gibt es unter law4school.de.

Im Verlauf des Webinars zeigte sich, dass die Fünftklässler durchaus ein Gespür für Recht und Unrecht haben. Zugleich überraschten sie viele der rechtlichen Hintergründe. Die Veranstaltung lieferte damit auch Gesprächsstoff für den Austausch in den Klassen und zu Hause. Die Eltern hatten bereits bei einem Elternabend Informationen zu den Themen erhalten.