Vor dem ersten großen Auswärtswochenende spricht Abteilungsleiter Alexander Peer über den Traumstart, die Entwicklung von Juri Pisklov, die besondere Geschichte von Daniel Maciol gegen die beiden saarländischen Teams – und die Frage, ob Johannesberg in dieser Saison tatsächlich nach dem Meistertitel greifen kann.
Alexander, zweimal 7:1 zum Auftakt. Wie ordnest du diesen Start ein?
Alexander Peer: Natürlich hätten wir uns keinen besseren Start wünschen können. Noch wichtiger als die Ergebnisse war für mich aber die Art und Weise. Die Mannschaft war unglaublich fokussiert und geschlossen. Gegen Osnabrück und Oberhausen zweimal 7:1 zu gewinnen, ist alles andere als selbstverständlich. Das gibt Selbstvertrauen. Wir wissen aber auch, dass jetzt zwei ganz andere Aufgaben auf uns warten.
Am Samstag geht es zum Deutschen Meister Altstadt, am Sonntag zu Brotdorf. Wie groß ist die Herausforderung?
Peer: Sehr groß. Viel schwieriger kann man ein Auswärtswochenende kaum bekommen. Altstadt ist Deutscher Meister und mit Brotdorf haben wir uns in der vergangenen Saison einen packenden Kampf um die Spitzenplätze geliefert. Beide gehören seit Jahren zur absoluten Spitze. Aber genau auf solche Spiele freuen wir uns. Wir fahren nicht ins Saarland, um uns etwas anzuschauen. Wir wollen unsere Punkte holen.
Nach dreimal Bronze seid ihr 2026 Deutscher Vizemeister geworden. Muss das Ziel jetzt Meisterschaft heißen?
Peer: Da brauchen wir nicht drum herumzureden. Wenn du dreimal Dritter und anschließend Zweiter wirst, gibt es sportlich nur noch einen Platz, mit dem du dich verbessern kannst. Natürlich wollen wir Deutscher Meister werden. Aber wir wissen auch, wie eng die Liga ist. Dafür musst du über eine komplette Saison auf höchstem Niveau spielen.
Einer, der sich in den vergangenen zwei Jahren noch einmal enorm entwickelt hat, ist Juri Pisklov. Wie nimmst du seine Entwicklung wahr?
Peer: Juri war schon immer ein richtig starker Spieler. Aber was in den vergangenen zwei Jahren passiert ist, finde ich außergewöhnlich. Sein Spiel ist noch einmal deutlich reifer geworden. Er wirkt unglaublich stabil und hat mittlerweile diese Selbstverständlichkeit am Tisch, die absolute Spitzenspieler auszeichnet.
Als wir 2019 den Schritt in Richtung 2. Bundesliga gemacht haben, war er unsere erste große Verstärkung. Er hat unseren gesamten Weg bis an die Spitze der 1. Bundesliga mitgemacht. Und trotzdem habe ich das Gefühl: Der beste Juri Pisklov, den wir bisher gesehen haben, ist der von heute. Sein zweiter Platz bei der Euro Tour in Italien war dafür ein eindrucksvoller Beleg.
Und dann wäre da noch Daniel Maciol. Bei den vergangenen Begegnungen mit Altstadt und Brotdorf hat er für Furore gesorgt. Wiederholt sich die Geschichte?
Peer: (lacht) Warten wir es ab.
Daniel bringt internationale Routine, Ruhe und vor allem eine enorme Gewinnermentalität mit. Das sind Eigenschaften, die gerade in engen Begegnungen den Unterschied machen können. Was bei unseren letzten Spielen gegen Altstadt und Brotdorf passiert ist, ist jedenfalls in Erinnerung geblieben. Vielleicht gibt es diesmal ja wieder eine Überraschung. Mehr verrate ich dazu nicht.
Was macht diese SGJ-Mannschaft momentan so stark?
Peer: Die Mischung. Wir haben unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Spielertypen und enorm viel internationale Erfahrung. Entscheidend ist aber, dass daraus eine echte Mannschaft geworden ist.
Poolbillard ist eigentlich eine Einzelsportart. In der Bundesliga reicht es aber nicht, nur starke Einzelspieler zu haben. Die Spieler müssen füreinander da sein und gemeinsam gewinnen wollen. Genau dieses Gefühl haben wir im Moment.
Rund 140 Mitglieder, acht Mannschaften und eine eigene Academy: Ist die Bundesliga inzwischen mehr als nur das sportliche Aushängeschild?
Peer: Die Bundesliga ist unser Schaufenster. Das Fundament sind aber unsere Mitglieder, unsere Mannschaften, die Academy, unsere Sponsoren und die vielen Menschen, die sich bei uns engagieren.
Wir sind nicht groß geworden, weil wir Bundesliga spielen. Wir spielen Bundesliga, weil wir über Jahre einen starken Verein aufgebaut haben. Darauf bin ich mindestens genauso stolz wie auf unsere sportlichen Erfolge.
Mit welchem Gefühl möchtest du am Sonntagabend aus dem Saarland zurückfahren?
Peer: Mit dem Gefühl, dass wir alles auf dem Tisch gelassen haben. Wir haben großen Respekt vor beiden Gegnern, aber genauso viel Vertrauen in unsere eigene Mannschaft.
Wir fahren mit einem klaren Anspruch ins Saarland: Wir wollen beide Spiele gewinnen.
Ob uns das gelingt, entscheidet sich am Tisch. Aber verstecken werden wir uns ganz sicher nicht.
