Lokales MKK 24.10.2026

Bürgermeister Möller zeigt sich bei Tegut-Verkauf erschrocken

Schlüchtern (pm/rg) - Die Situation um den Verkauf des Tegut-Markts in Schlüchtern spitzt sich zu: Das Bundeskartellamt hat eine Übernahme durch Edeka oder Rewe untersagt. Die Ära Tegut in Schlüchtern endet am 19. Dezember. Was danach kommt, ist offen – aber die Stadt und zahlreiche Verbündete wollen dafür kämpfen, ein gleichwertiges Angebot in der Innenstadt zu erhalten. „Das sind wir den Menschen schuldig“, betont Bürgermeister Matthias Möller.

Das tegut in Schlüchtern. Foto: Janosch Hensel

„Ich kann die Entscheidung des Bundeskartellamts in keiner Weise nachvollziehen. Und damit bin ich nicht allein. Es ist tragisch für die Menschen, die hier leben, arbeiten und zur Schule gehen, denn es ist der einzige Lebensmittelmarkt in der gesamten Innenstadt“, sagt Schlüchterns Rathauschef Matthias Möller.

Der Bürgermeister findet deutliche Worte für den bisherigen Verlauf des Verkaufsprozesses durch den Schweizer Eigentümer: „Die Art, wie Migros kommuniziert, ist beschämend. Ich kann nicht nachvollziehen, wie ein Großkonzern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kundinnen und Kunden sowie die gesamte Politik derart im Stich lässt.“ Möller verweist auf eigene Erfahrungen in der freien Wirtschaft und bei Großkonzernen. Er betont: „Es ist unverantwortlich, ein Traditionsunternehmen in einer derart schlechten Art abzuwickeln. Ich kann den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nur Kraft wünschen.“

Auch die Absage des Bundeskartellamts sei in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar. Schlüchtern sei im Landesentwicklungsplan als sogenanntes „Mittelzentrum Plus“ festgeschrieben und habe eine Versorgungsfunktion für die gesamte Region, darunter für Bad Soden-Salmünster, Flieden, Sinntal und Steinau an der Straße. „Wenn eine solche Stadt keinen Vollsortimenter mehr in der Innenstadt hat, ist das ein fatales Signal“, unterstreicht Möller.

Der Bürgermeister wirbt beim Bundeskartellamt deshalb eindringlich dafür, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. „Sowohl Edeka als auch Rewe wollten ohnehin schon einige Jahre vor dem Tegut-Verkauf nach Schlüchtern – damals gab es keine Bedenken seitens der Behörde“, sagt Möller.

In einer gemeinsamen Besprechung haben sich zahlreiche Beteiligte jetzt auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Dazu gehören die Fraktionen im Stadtparlament, der Magistrat und die Verwaltung, aber auch der Gewerbeverein WITO, Meisterbäcker-Geschäftsführerin Janet Dietrich sowie der Landkreis und seine Wirtschaftsförderung. „Wir werden an einem Strang ziehen, um eine tragfähige und langfristige Lösung zu finden“, fasst Bürgermeister Matthias Möller den sachlichen und guten Austausch zusammen. Eingebunden werden sollen auch lokale Dienstleister und Handwerksbetriebe, die von der Existenz eines Vollsortimenters in Schlüchterns Innenstadt abhängig sind.

Der Tegut-Markt in der Breitenbacher Straße ist noch bis 19. Dezember geöffnet, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen weiterhin im Beschäftigungsverhältnis. Bis Anfang November läuft das Bieterverfahren für die bislang noch nicht veräußerten Tegut-Märkte noch. „Erst wenn dieses Verfahren abgeschlossen ist, haben wir gemeinsam mit dem Immobilieneigentümer und dem Immobilienmanagement eine Rechtsgrundlage, um noch einmal beim Bundeskartellamt zu intervenieren“, sagt Möller. 

Die Kommunikation laufe nun über die Stadtverwaltung. „Niemand macht Alleingänge, wir stimmen uns stets über das weitere Vorgehen ab“, so Möller, der die Suche nach einem Nachfolger zur Chefsache erklärt hat: „Ich möchte unser gemeinsames Vorgehen mit Nachdruck vorantreiben. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich intensiv und leidenschaftlich für den Standort kämpfen werde. Denn er ist unverzichtbar für die Nahversorgung und für eine lebendige Innenstadt.“ 

 

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