Lokales FD 03.10.2026

Bistum Fulda erinnert mit „Schmerzpunkt“ an das Leid Betroffener

Fulda (pm/gü) – Mit einem sichtbaren „Schmerzpunkt“ erinnert das Bistum Fulda künftig an Menschen, die sexualisierte Gewalt und Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche erfahren haben. Die Kunstintervention von Susanne Wagner steht am Mittwoch, 7. Oktober, ab 17 Uhr im Mittelpunkt einer öffentlichen Veranstaltung und wird anschließend an der Außenmauer des Bischofshauses entlang des Weges von der Pauluspromenade zur Michaelskirche sichtbar sein. Neben der Künstlerin wirken Stephan Auth aus dem Betroffenenbeirat und Bischof Dr. Michael Gerber mit; musikalische Beiträge begleiten die Veranstaltung.

Die Kunstintervention „Schmerzpunkt“ von Susanne Wagner erinnert an Menschen, die sexualisierte Gewalt und Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche erfahren haben, und verweist auf die fortdauernde Aufgabe der Aufarbeitung. Foto: Susanne Wagner

Der „Schmerzpunkt“ der Künstlerin Susanne Wagner kommt nach Fulda. Die Kunstintervention, die beim Deutschen Katholikentag 2026 in Würzburg an verschiedenen kirchlichen Orten zu sehen war, macht das Leid von Menschen sichtbar, die sexualisierte Gewalt und Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche erfahren haben. Zugleich verweist sie auf die Verantwortung kirchlicher Institutionen und darauf, dass Aufarbeitung und Erinnerung fortdauernde Aufgaben sind.

Die öffentliche Veranstaltung beginnt am Mittwoch um 17 Uhr in der Michaelskirche. Susanne Wagner führt in ihr Kunstwerk und dessen Entstehung ein. Stephan Auth bringt die Perspektive des Betroffenenbeirats ein, anschließend spricht Bischof Dr. Michael Gerber. Musikalische Beiträge begleiten die Veranstaltung. Zum Abschluss gehen die Teilnehmenden gemeinsam zum „Schmerzpunkt“ an der Außenmauer des Bischofshauses entlang des Weges von der Pauluspromenade zur Michaelskirche. Dort endet die Veranstaltung in Stille.

 

Schmerz sichtbar machen

Ausgangspunkt des Kunstwerks ist eine aus dem medizinischen Bereich bekannte Darstellung: Ein roter Punkt markiert die Stelle, an der Schmerz empfunden wird. Susanne Wagner überträgt dieses Motiv auf den kirchlichen Kontext. Beim Aufbringen der roten Fläche bleibt die Form eines Kreuzes ausgespart. Das Kreuz erscheint dadurch als Leerstelle innerhalb des „Schmerzpunkts“. Der „Schmerzpunkt“ kennzeichnet dabei keinen konkreten Tatort. An kirchlichen Orten angebracht, erinnert er an erlittenes Leid und macht zugleich institutionelle Verantwortung sichtbar. Die Kunstintervention will dazu beitragen, dass sexualisierte Gewalt, ihre Folgen für Betroffene und die Aufgabe der Aufarbeitung nicht aus dem Blick geraten. Der „Schmerzpunkt“ entstand 2025 und wurde im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs für den Deutschen Katholikentag 2026 in Würzburg ausgewählt. Dort war die Intervention an 15 Kirchen und kirchlichen Einrichtungen präsent. Das Konzept ist darauf angelegt, den „Schmerzpunkt“ auch über den Katholikentag hinaus an weiteren kirchlichen Orten sichtbar zu machen.

 

Aufarbeitung und Erinnerung bleiben Aufgabe

In Fulda steht die Kunstintervention im Zusammenhang mit der weiteren Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Im Juni 2025 hatte die Unabhängige Aufarbeitungs-Kommission ihren Abschlussbericht vorgelegt. Parallel entwickelt eine interdisziplinär besetzte Arbeitsgruppe Vorschläge für einen dauerhaften Erinnerungsort im oder am Fuldaer Dom. Auch die Stadt Fulda ist in diesen Prozess einbezogen. Der „Schmerzpunkt“ an der Außenmauer des Bischofshauses ist nicht mit diesem geplanten Erinnerungsort gleichzusetzen. Er ist ein weiteres sichtbares Element innerhalb der längerfristigen Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt, ihrer Aufarbeitung und der Erinnerung an das Leid Betroffener.