Hinter der spektakulären Aktion stand das absolute Finale von vier intensiven Festtagen. Insgesamt 38 Kirmesburschen und Kirmesmadln traten am frühen Abend an, um ein gigantisches, in nur zwei Wochen Bauzeit zusammengezimmertes Holzgestell gemeinsam in die Luft zu wuchten. Exakt 54 Meter maß die massive Konstruktion, auf der sage und schreibe 432 gefüllte Bierkrüge lückenlos nebeneinander Platz fanden. Damit übertrafen die Rhöner den bisherigen weltweiten Rekord um rund vier Meter und gut 40 Gläser. Die Idee für dieses Mammutprojekt war laut Vorstand René Moritz vor rund einem Jahr in einer feuchtfröhlichen Bierlaune entstanden. Zum Jahrhundertfest brauchte es eben ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Dabei bewies der örtliche Heimatverein echte Muskelkraft und stellte eine logistische Meisterleistung auf die Beine, die so schnell wohl niemand nachmachen wird.
Unter den strengen Blicken der unabhängigen Zeugen – Fuldas Landrat Dr. Bernd Woide und Ebersburgs Bürgermeister Benjamin Reinhart – stieg die Spannung ins Unermessliche. Nach dem Kommando „Eins, zwei, drei, anheben!“ musste die Kolonne die tonnenschwere Last nicht nur anheben, sondern laut Regelwerk des Rekord-Instituts für Deutschland (RID) auch noch koordiniert einen Schritt zur Seite und stolze 25 Meter nach vorne marschieren. Als die Schmalnauer den Riesenmeter ohne auch nur einen Tropfen vom wertvollen Gerstensaft zu verschütten wieder absetzten, stand das Urteil fest. So konnten die Zeugen guten Gewissens danach das offizielle RID-Prüfdokument unterzeichnen. Zuvor hatten sie aufmerksam beobachtet und kontrolliert, dass im Sinne der Hygiene- und Verzehrvorgaben tatsächlich jeder Gast nur eines der getragenen Biere getrunken hatte. Bürgermeister Reinhart war entsprechend erfreut: „Ein Weltrekord in Ebersburg ist bisher einmalig und das ist ein unvergesslicher Abend.“
Das begeisterte Publikum, bestehend aus hunderten herbeigeströmten Schaulustigen, profitierte direkt von der geglückten Schwerstarbeit: Die 432 Biere wurden umgehend als Freibier in der Menge verteilt und waren binnen kürzester Zeit restlos ausgetrunken. Während die Erbauer kurz nach der Messung das hölzerne Rekordobjekt kurzerhand in begehrte Erinnerungsstücke zersägten, verlagerte sich die Party nahtlos in das prall gefüllte Festzelt. Bei Schnäppchenpreisen wie vor einhundert Jahren – das Bier kostete für eine Stunde lediglich einen Euro – und den Klängen der Rhöner Blaskapelle Steinau-Steinhaus feierten Gäste aus nah und fern bis tief in die Nacht ihren frischgebackenen Eintrag in die Geschichtsbücher – und hoffentlich auch in das nächste gedruckte Rekordbuch des RID.
