Die Festbänder wehten im Wind, während der Musikverein Dipperz aufspielte – ein vertrautes Bild, schließlich sorgen die Musiker seit nunmehr 48 Jahren für den passenden Takt am Sonntagnachmittag. Insgesamt 23 Paare drehten sich diesmal schwungvoll um den Stamm. Das Zelt hatte bereits am Freitag und Samstag unter dem enormen Besucherandrang gebebt, doch der Sonntag setzte dem Kirmes-Wochenende endgültig die Krone auf.
Nach dem feierlichen Kirchweihgottesdienst am Vormittag steuerte der Tag unaufhaltsam auf seinen emotionalen Kern zu. Um Punkt 14 Uhr versammelte sich die stattliche Kirmesgesellschaft unter den bunten Stoffbahnen. Die Paare, angeführt vom diesjährigen Plohkönigspaar Hannah Müller und Timo Übelacker, boten den zahlreichen Zuschauern ein herrliches Bild. Dass beim traditionellen Dreireihentanz ein solch anspruchsvoller Brauch wie der Bändertanz zelebriert wird, grenzt im Landkreis Fulda an eine Seltenheit. Während andernorts einfache Tanzschritte das Geschehen diktieren, ist das fehlerfreie Verflechten und anschließende Entknoten der Bänder im Fuldaer Land zu einer absoluten Rarität geworden. Monatelange, schweißtreibende Disziplin am Übungsbaum steckte den Aktiven in den Knochen. Neben Friesenhausen hält kaum noch eine Gemeinde im Kreis an dieser logistischen Mammutaufgabe fest – ein Umstand, der die hiesige Kirmes zum echten Zuschauermagneten macht. In den kurzen Verschnaufpausen stellte das Königspaar die Tänzer mit launigen Sprüchen vor.
Mitten im dichten Zuschauerspalier klatschten auch prominente Gäste begeistert im Rhythmus mit. Landrat Bernd Woide, Bürgermeister Klaus-Dieter Vogler, Pfarrer Piotr Kownacki und Ortsvorsteher Dirk Müglich mischten sich unter die Feiernden, um das Spektakel hautnah mitzuerleben. Kaum war der letzte Tanz verklungen, startete die traditionelle Baumversteigerung, die in diesem Jahr eine ganz besondere politische Würze bekam: Auch die beiden Bürgermeisterkandidaten Daniela Bergmann und Michael Winter trieben die Gebote in die Höhe. Das stundenlange, hitzige Bietergefecht gewann nach zähem Ringen schließlich Jasmin Brill aus Dipperz bei knapp 1000 Euro.
Anschließend verlagerte sich das Geschehen ins Zelt. Bei Kaffee, frisch gebackenem Kuchen, Zwiebelsploatz und kühlen Getränken vom Foodtruck wurde die Geselligkeit großgeschrieben. Die ausgelassene Stimmung hielt bis in die späten Stunden an, ab 18.00 Uhr übernahm DJ Erwin das Mischpult. Das Fazit des Sonntags stand schon vor dem großen Finale fest: Friesenhausen versteht es einfach, Tradition mit moderner Feierlaune zu verknüpfen. Am Montag folgt noch das Haxenessen mit Weizenbier bei Unterhaltung durch Harald Kirchner.
