„Es ist alles angerichtet für ein gutes Spiel. Jetzt liegt es an beiden Mannschaften“, sagt Distelrasens Trainer Christoph Jöckel. Ganz zufrieden ist er mit dem bisherigen Saisonverlauf allerdings nicht. Zwar stimmt die Ausbeute, spielerisch sieht er bei seiner Mannschaft noch Luft nach oben. „Spielerisch ist echt noch Sand im Getriebe. So gut, wie wir im letzten Jahr gespielt haben, spielen wir noch nicht. Wir holen aber die Punkte. Mit schönen Spielen holst du keine Punkte.“ Rein punktetechnisch sei man deshalb nicht unzufrieden, die eigenen spielerischen Ansprüche lägen jedoch höher.
Dass die A-Liga kein Selbstläufer ist, hat Jöckel längst erkannt. „Die Liga ist nicht einfacher geworden. Wer das gedacht hat, hat einen Fehler gemacht. Es gibt keine Mannschaft, die man unterschätzen darf.“ Gegen Hutten wartet nun aus seiner Sicht eine besonders knifflige Aufgabe. „Hutten ist für mich der Favorit. Sie sind Absteiger, und wir haben momentan etwas personelle Probleme. Wir sind etwas gebeutelt.“ Dazu kommt der besondere Rahmen: Kirmes und Spitzenspiel fallen in Distelrasen auf dasselbe Wochenende. „Mit dem Punkt wären wir auch zufrieden. Wir wollen auf jeden Fall punkten.“
Dabei läuft es für den Tabellenführer bislang nahezu makellos. Elf Siege und zwei Unentschieden stehen nach 13 Begegnungen zu Buche, zuletzt blieb Distelrasen gegen die FSG Vogelsberg II beim 2:2 ohne Niederlage und gewann vorher zweimal knapp mit 1:0. Jöckel sieht dennoch Baustellen, insbesondere in der Defensive. „Für meinen Geschmack haben wir zu viele Gegentore.“ Bei zwölf Gegentreffern ist das allerdings Klagen auf hohem Niveau. „Wir sind Tabellenführer und haben kein Spiel verloren.“ Die kurze Pause nach der Relegation mache sich inzwischen bemerkbar. „Wir hatten nach der Relegation kaum Pause, das merken wir aktuell. Wir gehen etwas am Krückstock.“
Hutten reist derweil mit ebenfalls elf Saisonsiegen an – und mit dem klaren Ziel, die Spitze zu übernehmen. Trainer Dennis Möller will die Favoritenrolle allerdings nicht annehmen. „Die Favoritenrolle würde ich nicht unterschreiben. Distelrasen hat immer oben mitgespielt und ist knapp gescheitert. Wir kommen aus einem schlechten Jahr.“ Inzwischen sei die Stimmung nach den Erfolgen aber deutlich besser. „Wenn man gewinnt, kommt die gute Laune zurück, und die Motivation ist eine ganz andere.“
Dass Hutten in Distelrasen die Tabellenführung übernehmen könnte, wäre für Möller ein besonderer Moment. „Dass wir in Distelrasen an ihrer Kirmes die Tabellenführung holen können, wäre überragend. Wie ein Geschenk.“ Dafür müsse allerdings erst einmal ein Sieg her. „Jetzt muss man nur noch 1:0 gewinnen, und es passt.“ Zuletzt machte es Hutten dabei unnötig spannend: Auf einen 3:2-Erfolg bei der SG Grebenhain/Bermuthshain folgte eine deutliche 0:5-Niederlage gegen die SG Freiensteinau II, ehe sich die Mannschaft mit einem 2:0 gegen die SG Huttengrund II zurückmeldete.
Vor allem vor dem Tor sieht Möller noch Nachholbedarf. „Die Form ist eigentlich sehr gut. Ein Manko haben wir, und das ist das Toreschießen. Wir bekommen wenig Gegentore.“ Die 0:5-Niederlage gegen Freiensteinau II nimmt er dabei ausdrücklich nicht aus: „Das war ein Totalversagen von eins bis elf, inklusive mir.“ Ansonsten laufe vieles gut, nur die Treffer fehlten. Dabei sieht Möller durchaus Qualität im eigenen Angriff und hofft, am Freitag auf alle Spieler zurückgreifen zu können. „Wenn alle da sind, wird sich das Problem hoffentlich von selbst erledigen.“
Auch personell blickt Hutten vorsichtig optimistisch auf das Spitzenspiel. „Kadertechnisch sieht es soweit alles relativ gut aus.“ Jöckel dagegen muss mit einem angeschlagenen Kader haushalten und weiß, dass gegen die offensivstarken Gäste eine konzentrierte Leistung nötig sein wird. Hutten wolle den Ball laufen lassen und rechne mit einem schnellen Spiel, sagt Möller. Entscheidend werde sein, wer seine Möglichkeiten besser nutze. „Am Ende gewinnt die bessere Mannschaft, oder es geht unentschieden aus“ sagt Möller.
Bei aller Spannung soll der besondere Anlass aber nicht untergehen. Für Distelrasen ist das Spitzenspiel an der Kirmes ein Höhepunkt, für Hutten die Chance, sich an die Spitze zu setzen. Zwei Punkte liegen zwischen den Kontrahenten, beide kommen mit Erfolgen im Rücken – und beide wissen, dass am Freitagabend mehr als nur drei Punkte auf dem Spiel stehen.
