Lokales FD 27.10.2026

540 Lehrer-Abordnungen in Fulda – Schulamtsleiter klärt auf

Fulda (sg) – Weil vor allem an beruflichen Schulen zu viel Lehrpersonal vorhanden ist, werden verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer an andere Schulformen abgeordnet, während befristete Stellen nicht verlängert werden. Harald Persch, stellvertretender Schulamtsleiter und Stellen- und Budgetdezernent, erklärte im Gespräch mit Osthessen-Zeitung, wie die Personalplanung des Schulamtes zustande kam und warum die Abordnungen zum üblichen Prozedere gehören.

Harald Persch, stellvertrender Schulamtsleiter. Foto: Sabrina Gram

Die Lehrerstellenzuweisung werde nicht allein vom Schulamt, sondern auch vom Kultusministerium bestimmt und richte sich nach dem jeweiligen Zuweisungserlass, so Persch. Die Stellen würden anhand der zu erwartenden Schülerzahl in den einzelnen Schulformen und Altersstufen und den daraus resultierenden Klassen zugewiesen. Die vom Personal abzudeckenden Stunden setzen sich aus der Grundunterrichtsversorgung, der Sonderzuweisung – zusätzliche Stunden, die beispielsweise für Ganztags- oder Förderangebote verwendet werden – sowie den Deputaten – Stunden, in denen die Lehrkräfte schulinterne Aufgaben, beispielsweise in der Schulleitung, übernehmen – zusammen.

Im Schulamtsbezirk Fulda habe es im Schuljahr 2025/2026 540 Abordnungen gegeben. Das sei jedoch nichts Außergewöhnliches, betonte Persch: „Abordnungen sind ein völlig normaler Vorgang.“ Überschüssiges Personal werde lediglich zu einer anderen Schule geschickt, die gerade Lehrerinnen und Lehrern mit bestimmten Kompetenzen oder Fächern benötige. „Es handelt sich um ein Instrument, mit dem wir den Personalbedarf an Schulen decken.“ Zu einem Unterrichtsausfall an der abgebenden Schule komme es deswegen nicht, zumal die jeweils andere Schule ihrerseits eine Lehrkraft schicke, die sie gerade entbehren könne. Außerdem würden die abgeordneten Lehrerinnen und Lehrer meist nur für einige Stunden an ihrem jeweiligen Einsatzort arbeiten.

Der Überschuss an Lehrpersonal an den beruflichen Schulen hänge mit den stark gesunkenen Schülerzahlen zusammen. Besonders an der Richard-Müller-Schule sei ein extremer Rückgang zu verzeichnen: Dort sank die Zahl der Schülerinnen und Schüler von 3000 auf 2000. Die verbeamteten und unbefristet angestellten Lehrkräfte könnten trotz des gesunkenen Personalbedarfs nicht entlassen werden. Zunächst habe man geprüft, wie viel Personal man an andere berufliche Schulen abordnen könne; die übrigen Lehrkräfte seien dann auf andere Schulen mit entsprechendem Bedarf, insbesondere Grundschulen, verteilt worden. Angesichts der herrschenden Überbesetzung sei es sinnvoller gewesen, verbeamtete, voll ausgebildete Lehrkräfte abzuordnen, anstatt zusätzliches Personal ohne dieselben Qualifikationen befristet einzustellen. Im Vorhinein habe man mit den betroffenen Lehrerinnen und Lehrern Gespräche geführt, um sicherzugehen, dass die Abordnung für sie keine unzumutbare Härte darstelle. Bisher lägen dem Schulamt keine Beschwerden von Personalräten, Schulleitungen oder betroffenen Lehrkräften vor.

Nachschub an fest angestelltem Lehrpersonal für Schulen mit Bedarf sei jedoch bereits eingeplant: Zum Halbjahreswechsel würden neue Stellen besetzt. Wie sich die Personalsituation im Schulamtsbezirk Fulda weiter entwickelt, könne man noch nicht sagen, meinte Persch. Sowohl die tatsächlichen Schülerzahlen, gerade an Berufsschulen, als auch Ausfälle im Lehrerkollegium könne man nur schwer vorhersehen.