„Ich wollte das Trachtenfest mal aus einem anderen Blick sehen“, erzählt Kreutzer. Bisher kannte sie die Veranstaltung vor allem aus einer anderen Perspektive. Wenn der große Festzug durch Schlitz zieht, läuft sie normalerweise selbst mit – im Wagen von dem Ortsteil Üllershausen.
Ein Teil ihrer Familie kommt aus dem Dörfern Üllershausen und Hatershausen, über sie ist Kreutzer mit dem Trachtenfest groß geworden. „Ich war nie im Verein, aber ich bin immer mit meiner Mutter mitgegangen.“
Das Trachtenfest gehört für sie deshalb schon lange zum Leben. Zu Hause gibt es sogar einen Trachtenschrank, aus dem sie sich ihre eigene Tracht zusammenstellen kann. Besonders der große Festzug am Sonntag ist für sie jedes Mal ein Höhepunkt. Und auch das Ende des Festes hat seinen eigenen Zauber. „Das Trachtenfest zu verabschieden ist schon ein Highlight und man fiebert gleichzeitig schon auf das nächste hin", sagt sie.
Nun erlebt Kreutzer das Trachtenfest 2027 aus einer völlig neuen Rolle. Als erste „Miss Slitisa“ wird sie das Schlitzerland im Vorfeld und während des Jubiläumsjahres repräsentieren. Ihre Aufgabe ist es vor allem, das Schlitzerland nach außen zu vertreten und Menschen zum 100. Schlitzerländer Trachtenfest einzuladen. Wie die internationalen Gäste und die Gruppen aus den verschiedenen Ländern auf eine offizielle „Miss Slitisa“ reagieren werden, darauf ist sie selbst gespannt. Eine solche Repräsentantin gab es in dieser Form bislang noch nicht.
Dass sie am Ende tatsächlich gewählt werden würde, hatte Kreutzer selbst nicht erwartet. „Ich war ziemlich unsicher, ob ich es werde. Ich habe damit nicht gerechnet.“ Umso größer war die Freude, als ihr Name feststand. Ihre Familie und Freunde waren bei der Wahl dabei und unterstützten sie. Einer der emotionalsten Momente folgte direkt nach der Entscheidung: Kreutzer schaute zu ihrer Familie.
Ihre Bewerbung war zunächst auch in der Familie ein Thema - schließlich steckt sie zu dieser Zeit noch in der Ausbildung. Umso schöner war für Kreutzer die Reaktion nach der Wahl. „Das war sehr emotional und meine Familie hat sich auch sehr für mich gefreut." Auch ihre Angehörigen hätten selbst kaum glauben können, dass sie tatsächlich den Titel gewonnen hatte.
Seitdem hat sich für die 18-Jährige einiges verändert. Auf der Arbeit gibt es schon einmal einen scherzhaften Hinweis auf ihren neuen Titel: „Da kommt die Hoheit.“ Auch außerhalb von Schlitz haben viele Menschen von der Wahl erfahren. Und Kreutzer merkt, wie sehr das Thema die Menschen interessiert.
Ganz selbstverständlich fühlt sie sich in ihrer neuen Rolle trotzdem noch nicht. „Ich bin immer sehr aufgeregt“, sagt sie. Auf der Bühne versuche sie zwar, möglichst locker zu wirken – nervös sei sie dabei aber natürlich trotzdem. Umso wichtiger ist für sie die Unterstützung des Vorstands des Heimat- und Trachtenfestvereins. „Ich bin sehr froh, dass der Vorstand mich unterstützt. Sie gehen immer mit mir mit.“
Auf diese Unterstützung wird Kreutzer auch im Jubiläumsjahr angewiesen sein. Denn was auf sie zukommt, ist noch längst nicht bis ins Detail absehbar. „Ich bin auch gespannt, was auf mich zukommt. Ich habe noch nicht wirklich einen Plan.“ Einiges steht allerdings bereits fest. So wird sie beim großen Festzug 2027 einen eigenen Wagen haben – gemeinsam mit 16 Kindern, die die 16 Ortsteile des Schlitzerlandes repräsentieren. Darauf freut sie sich besonders. Auch die neuen Hoheiten begrüßen zu dürfen, gehört zu ihren Aufgaben.
Eine besondere Ausstattung bekommt die erste „Miss Slitisa“ ebenfalls. Für sie wird ein maßgeschneidertes weißes Gewand mit dem Burgenstadtlogo angefertigt, dazu gehört eine Krone. Trotzdem hofft Kreutzer, im Laufe des Festjahres auch einmal ihre eigene Tracht tragen zu können. Schließlich gehört genau diese Tracht seit ihrer Kindheit zu ihrem persönlichen Bild vom Schlitzer Trachtenfest.
Wenn Kreutzer von ihren Erinnerungen an das Fest erzählt, sind es dabei nicht nur der große Festzug oder die Auftritte, die ihr in den Kopf kommen. Sie denkt an die Menschen, die sich während des Festes treffen. Ein Beispiel ist das Feuerwerk von den Burgen. Dann versammeln sich viele Menschen an der Herrengartenstraße, um gemeinsam einen guten Blick auf den Himmel zu bekommen. „Da treffen sich alle und man redet miteinander.“ Für sie sind genau solche Momente Teil dessen, was das Heimatgefühl in Schlitz ausmacht.
Dieses Gefühl sei schwer zu erklären, sagt Kreutzer. Es habe viel damit zu tun, wo man geboren oder aufgewachsen sei und welche Erinnerungen man mit einem Ort verbinde. Auch bei ihr ist diese Verbindung über die Familie weitergegeben worden. Das Trachtenfest ist damit nicht nur etwas, das alle zwei Jahre stattfindet, sondern ein Teil ihrer eigenen Geschichte.
Gleichzeitig ist Kreutzer bewusst, dass sie nun eine besondere Aufgabe übernimmt. Sie ist das neue Gesicht für das Schlitzerland und wird in den kommenden Monaten bei zahlreichen Terminen im Mittelpunkt stehen. Dass sie dabei noch mitten in ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau steckt, macht die Aufgabe nicht unbedingt kleiner. Umso erleichterter ist sie, dass ihre Prüfungen vor dem großen Festjahr abgeschlossen sein werden. „Dann bin ich perfekt fertig und kann schön Trachtenfest feiern.“
Und noch etwas wird sich 2027 verändern: Zum ersten Mal wird sie den großen Festzug nicht aus der Perspektive der Teilnehmerin aus Üllershausen erleben. „Ich bin auch fast ein bisschen traurig, dass ich bei dem Wagen nicht mitlaufen kann.“ Gleichzeitig weiß sie, dass die neue Rolle eine einmalige Chance ist.
Denn nun wird Laura Kreutzer nicht mehr nur als Teilnehmerin dabei sein. Sie wird mittendrin sein – mit Krone, weißem Gewand und einem eigenen Wagen. Sie wird Gäste begrüßen, internationale Gruppen kennenlernen, für das Schlitzerland werben und dabei selbst Teil eines besonderen Kapitels der Trachtenfestgeschichte werden.
Das Trachtenfest, das sie bisher gemeinsam mit ihrer Familie erlebt hat, bekommt für sie damit eine neue Bedeutung. Aus der Zuschauerin und Teilnehmerin wird eine Repräsentantin des Schlitzerlandes – und die erste „Miss Slitisa“.
2027 wartet damit nicht nur das 100. Trachtenfest auf Schlitz. Es wartet auch auf Laura Kreutzer – und auf ihr erstes Jahr als „Hoheit“ der Burgenstadt.
