Auf dem Podium: Auf der einen Seite der 44-jährige Amtsinhaber, parteilos und seit 2021 Bürgermeister der Gemeinde. Auf der anderen Seite seine 45-jährige Herausforderin (Freie Wähler), Unternehmerin mit Studium und Management-Erfahrung.
Die Diskussion begann mit der Frage, warum die beiden Kandidaten sich zur Wahl stellen. Amtsinhaber Fritzsch verwies auf die vergangenen sechs Jahre und auf seine Arbeit im Rathaus, während Bullegato offen sagte: „Ich bin da eher ins kalte Wasser gesprungen.“ Inspiriert worden sei sie durch Gespräche mit Nachbarn und das Fehlen eines weiteren Kandidaten. Über mehrere Wochen habe sie überlegt, bis August dann die Entscheidung feststand.
Ein großes Thema war vor allem, wie Großenlüder wachsen kann, ohne sein Gesicht zu verlieren. In vielen Ortsteilen – wie etwa in Lütterz – gebe es die Sorge, dass Dörfer aussterben könnten, wenn keine neuen Bauplätze ausgewiesen werden würden. Auch die Infrastruktur ein wichtiges Thema des Abends. Fritzsch betonte, dass in den letzten Jahren eine fantastische Struktur geschaffen worden sei und es jetzt darum gehe, diese nicht nur zu halten, sondern auch auszubauen. Wichtig sei dabei eine Kombination aus Innenentwicklung und maßvollen Neubaugebieten.
Herausforderin Bullegato sei nicht ganz derselben Meinung. Großenlüder sei mit dem Auto zwar wunderbar zu erreichen, jedoch seien die öffentlichen Verkehrsmittel ausbaufähig. „Wir sind nicht am Arsch der Welt“, sagte die Herausforderin, die hinterfragte, warum es keine zuverlässige Anbindung gebe. Positiv sei jedoch, dass Fulda innerhalb weniger Minuten mit dem Auto erreichbar sei und dies junge Familien anlocken könnte.
Beim Thema ärztliche Versorgung in der Gemeinde wurde es emotional. Das Medizinische Versorgungszentrum ist für beide Kandidaten ein zentrales Thema. Fritsch verwies darauf, dass es dank eines Förderprogramms und der Zusammenarbeit mit dem Land Hessen möglich gewesen sei, neue Ärzte anzusiedeln. Bullegato hielt dagegen: „Wir brauchen nicht nur ein Konzept, wir brauchen mehr Ärzte.“ Die Gemeinde habe 20.000 Euro für die Ansiedlung einer neuen Ärztin bereitgestellt. Das sei „nett, aber eigentlich ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Ein Arzt reiche nicht – es fehle an Kinderarzt, Frauenarzt und Hausärzten. „Wir müssen den Ärzten nicht nur eine Praxis anbieten, sondern ein Zuhause: Kommt mit eurer Familie, hier gibt es einen attraktiven Bauplatz für euer Privathaus, hier gibt es Kitas und Schulen“, sagte die Herausforderin.
Bei einer Sache waren sich die beiden Kandidaten aber sicher: Ohne Ehrenamt läuft nichts. „Das Ehrenamt ist der Kern, der uns zusammenhält, ohne diese Strukturen würde unsere Gemeinde nicht funktionieren“, sagte der Bürgermeister. Gleichzeitig würde aber das Geld knapper. Die Vereinsförderung über die Gemeinde sei überschaubar, jedoch machte der Amtsinhaber deutlich, dass alle freiwilligen Leistungen geprüft werden müssten. Bullegato, die selbst in drei Vereinen aktiv sei, sagte: „Wo lernt man sich am besten kennen? Beim Fußball, beim Handball, …“. Die Förderung sei nicht besonders hoch, müsse aber beibehalten werden. Ihr Wunsch dabei: Mehr gemeinsame Feste, wie das 1111-Jahr-Fest in Müs, „wo alle Vereine zusammen ein Fest ausgerichtet haben“.
Der größte Aufreger: Bus- und Bahnverkehr. „Bei uns fährt überhaupt kein Bus am Wochenende“, sagte Bullegato. Viele Ortsteile würden abgeschnitten sein, spätestens wenn freitags der letzte Schulbus gefahren sei. Der Bürgermeister verwies dabei auf die Kostenexplosion. 2024 habe die Umlage für den Busverkehr noch vier Euro pro Einwohner betragen, im nächsten Jahr seien es bereits zehn Euro – ohne, dass das Angebot besser geworden sei. In einem Workshop konnten Bürger diesbezüglich Wünsche einbringen, aber am Ende spiele die Finanzierung eine große Rolle. Dabei brachte Fritsch den Bürgerbus ins Spiel.
Bullegato hielt dagegen: „Das sollte nicht auf die Ehrenamtlichen zurückfallen.“ Es brauche eine vernünftige Busverbindung zwischen den Ortsteilen, das müsse durchgesetzt werden. Sie kritisierte, dass die Bürgerbefragung kaum bekannt gewesen sei. „Es kann doch nicht so kompliziert sein, dass der Bus pünktlich seine Runden dreht.“
Beim Bahnhof waren sich die beiden Kandidaten wieder einig. Gefordert werden eine Aufenthaltshalle für Kinder und Jugendliche, sichere Fahrradabstellplätze und mehr Aufenthaltsqualität. „Wir müssen diese denkmalgeschützten Strukturen aufrechterhalten – da ist Strom drin, aber kein Wasser. Die Nutzung ist eingeschränkt“, sagte Fritzsch.
Auf die Frage, wo Großenlüder in sechs Jahren stehen soll, sagte der Amtsinhaber, er hoffe, eine Antwort auf den demografischen Wandel gefunden und lebendige Ortskerne mit Bewegungsräumen geschaffen zu haben.
Die Diskussion zeigte: Die Themen bleiben – Finanzen, Ärzte, Mobilität. Die Antworten darauf unterscheiden sich.
Aber auch auf Fragen der Bürger unterschieden sich die Antworten nicht immer. Eine Frage war zum Beispiel, wie der aktuelle Stand sei in der Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinden und wie die Fortführung aussehen würde. Fritzsch sei es wichtig freundschaftlich mit den Gemeinden zu sein. „Persönliche Kontakte sind sehr wertvoll“, betonte der Bürgermeister. Bullegato sehe es genauso: „Das ist unglaublich wichtig, auch über die Landesgrenze hinaus.“ Die Wahl in Großenlüder steigt am 15. November.
