Lokales FD 05.11.2026

Urban Art bringt Farbe und Geschichte in die Rhön

Osthessen (pm/pf) – Mit seinem Kunstprojekt „Grenzlinien – Farbfelder“ hat der Künstler Ingmar Süß zwei besondere Orte in der Rhön mit großformatiger Urban Art gestaltet. Entstanden sind Wandbilder an einem ehemaligen Bauernhof in Altenfeld bei Gersfeld und am früheren Tower auf der Wasserkuppe. Beide Arbeiten greifen unterschiedliche Aspekte der regionalen Identität auf und machen sie auf zeitgenössische, künstlerische Weise sichtbar.

Fotos: privat

Am Ortsrand von Altenfeld entstand auf einer rund 25 Quadratmeter großen Wand eines ehemaligen Bauernhofs ein Motiv mit Kühen in einer abstrahierten Rhöner Landschaft. Der Hof war früher stark durch die Rinderhaltung geprägt. Gleichzeitig nimmt das Bild Bezug auf die ehemalige innerdeutsche Grenze und verbindet so Landwirtschaft, Landschaft und Zeitgeschichte. Die Eigentümer, ihre Kinder und zwei Freundinnen der Kinder beteiligten sich aktiv an der Umsetzung. Das Wandbild ist von der vorbeiführenden Bundesstraße aus gut zu sehen.

Die zweite Gestaltung befindet sich an einer Außenwand des ehemaligen Towers auf der Wasserkuppe. Auf Hessens höchstgelegenen Mural ist ein Kind mit einem bunten Holzflugzeug zu sehen, das spielerisch eine symbolische Grenzlinie überwindet. Unter dem Gedanken „Über den Wolken – grenzenlos“ verbindet das Motiv die Themen Kindheit, Fantasie und Fliegerei mit der Geschichte der ehemaligen deutschen Teilung. Vier blaue Kreise erinnern an die einst vier Radome auf der Wasserkuppe. Die Motivfindung erfolgte in Abstimmung mit der Fliegerschule Wasserkuppe. Bei der praktischen Umsetzung wirkten zwei Jungen mit, die Enkel einer Mitarbeiterin der Fliegerschule.

„Mir war wichtig, dass die Motive nicht beliebig sind, sondern etwas mit den jeweiligen Orten und den Menschen dort zu tun haben. Die Rhön hat eine ganz eigene Geschichte und Identität. Die ehemalige Grenze ist dabei ebenso ein Thema wie die Landwirtschaft oder die Fliegerei. Mit den Wandbildern möchte ich diese Geschichten aufgreifen und in eine zeitgenössische Bildsprache übersetzen“, beschreibt Ingmar Süß seinen künstlerischen Ansatz.

Das Projekt wurde durch das Förderprogramm LandKulturPerlen unterstützt. Neben den künstlerischen Arbeiten selbst war die Beteiligung vor Ort ein wichtiger Bestandteil. Die gemeinsame Motiventwicklung und das praktische Mitwirken ermöglichten insbesondere Kindern und Jugendlichen einen unmittelbaren Zugang zu großformatiger Wandgestaltung und Urban Art.

Mit „Grenzlinien – Farbfelder“ ist so ein außergewöhnliches Kunstprojekt entstanden, das zeigt, wie zeitgenössische Kunst ländliche Räume bereichern, regionale Geschichten sichtbar machen und Menschen miteinander in Verbindung bringen kann. Sollten weitere Flächen zur Verfügung stehen, könnten auch nächstes Jahr bunte Bilder an ungewöhnlichen Orten auftauchen.