Lokales FD 04.11.2026

Schlagabtausch in Dipperz: Digitalisierung und Ärztenotstand im Fokus

Dipperz (sk) – Sachlich, fair, größtenteils harmonisch und hier und da auch humorvoll verging der Abend beim FZ-Wahlforum im Bürgerhaus Dipperz. Die Ausgangslage in der Rhöngemeinde ist historisch: Amtsinhaber Klaus-Dieter Vogler (CDU) verabschiedet sich nach drei Amtsperioden in den Ruhestand. Um den Chefsessel im Rathaus bewerben sich die parteilose, von der CDU unterstützte IT-Spezialistin Daniela Bergmann (45) und der parteilose Verwaltungsfachwirt Michael Winter (44), der von der Bürgerliste unterstützt wird.

Von links: Daniela Bergmann, Moderator Rainer Ickler und Michael Winter. Foto: Stefan Krug

Fast 350 interessierte Bürgerinnen und Bürger drängten sich in den nahezu voll besetzten Saal, um die beiden Kandidaten zur Bürgermeisterwahl am 15. November live im Rededuell zu erleben. Der stellvertretende FZ-Chefredakteur Thomas Schafranek übernahm die Begrüßung mit Blick auf den Amtsinhaber: „Sie brauchen einen neuen Bürgermeister, weil der jetzige aufhört. Nicht, weil er keine Lust mehr hat, sondern weil er in den wohlverdienten Ruhestand geht.“ Er freute sich für die Anwesenden, dass es zwei Bewerber in Zeiten gibt, in denen manche Gemeinden überhaupt keinen mehr finden.

Unter der Moderation von Rainer Ickler ging es danach gleich in die Vollen. Beim Thema Digitalisierung punktete Daniela Bergmann mit ihrer beruflichen Kompetenz: „Ein digitales Rathaus bedeutet nicht, nur ein PDF-Formular ins Netz zu stellen“, betonte sie. Ihr gehe es um durchgängige Prozesse von der Hundeanmeldung bis zur Bürgerhausbuchung, um den Mitarbeitern mehr Zeit für die persönliche Bürgerberatung freizuschaufeln. Kontrahent Michael Winter setzte dagegen auf seine 25-jährige Erfahrung in der Kommunalverwaltung, aktuell im leitenden Finanzbereich in Petersberg: „Ich bin mitten in der Praxis dabei.“ Er habe in anderen Gemeinden bereits erfolgreich digitale Workflows etabliert, versprach jedoch gleichzeitig: „Sprechzeiten im Rathaus dürfen durch Digitalisierung niemals reduziert werden.“

Große Sorgen treiben die Dipperzer beim Thema ärztliche Versorgung um. Nach Gerüchten um die Schließung der Praxis Hölper forderte das Publikum klare Pläne. Bergmann verwies auf die weichen Standortfaktoren der Gemeinde, mit denen man um Medizinerfamilien werben müsse, und schlug vor, finanzielle Fördermodelle der Gemeinde für ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zu prüfen. Winter erklärte, dass er bereits mit der Ärzteschaft und dem Apotheker im engen Austausch stehe. „Wir brauchen die ärztliche Versorgung zwingend hier vor Ort in Dipperz, nicht in Fulda oder Petersberg“, stellte er klar.

Beim Blick auf das Gewerbe und die Gemeindefinanzen lobten beide das Erbe Voglers, der eine hervorragend niedrige Pro-Kopf-Verschuldung von knapp 100 Euro hinterlässt. Während Bergmann auf einen pragmatischen Mittelweg im Dialog mit den Gewerbetreibenden setzt, um die Betriebe wachsen zu lassen, plädiert Winter für einen ländlichen Charakter, der das Wachstum ermöglicht, ohne die heimische Landwirtschaft und Flächen zu belasten. Steuererhöhungen lehnten beide Bewerber ab.

Für echten Zündstoff sorgte eine Frage aus dem Publikum. Ewald Ebert warf Michael Winter vor, mit dem vorzeitigen Aufhängen seiner Wahlplakate die Ortssatzung missachtet zu haben. Winter verteidigte sich engagiert und verwies auf ein schriftliches Missverständnis sowie Abstimmungsfehler seines Teams: „Ich kenne die Satzung, ich bin rechtskonform.“ Bergmann wies schmunzelnd darauf hin, dass ihr vom Rathaus ein späterer Termin genannt worden sei als Winter. Auch sie musste sich von Klaus Mader die Frage gefallen lassen, warum sie trotz Parteilosigkeit auf Listenplatz 1 der CDU geführt wird. „Ich bin und bleibe parteilos“, entgegnete Bergmann. Die CDU unterstütze lediglich ihre Nominierung.

Zum Abschluss stand die Zukunft der Jugend im Raum. Winter bemängelte fehlende Strukturen und schlug ein ortsteilübergreifendes Jugendparlament mit echten Mitentscheidungsrechten vor. Bergmann hielt dagegen, dass man erst einmal analysieren müsse, warum bestehende Angebote wie der Jugendraum aktuell so schlecht frequentiert würden.

Fazit des Abends: Dipperz steht vor einer Richtungsentscheidung. Die Wähler haben am 15. November die Wahl zwischen Bergmanns Blick von außen, gepaart mit digitalem Know-how, und Winters fundierter, jahrzehntelanger Verwaltungserfahrung.

 

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FZ-Wahlforum in Dipperz. Fotos: Stefan Krug