„Nachhaltigkeit entsteht nicht allein durch Technik und auch nicht allein durch politische Entscheidungen. Sie entsteht vor allem dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen. Menschen wie unsere Preisträger", betonte Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie. Das Unternehmen selbst leiste unter anderem mit Photovoltaikparks, Elektrobussen und der Weiterentwicklung der Energienetze wichtige Beiträge zur nachhaltigen Energieversorgung. Ebenso wichtig sei es jedoch, das Engagement der Menschen in der Region sichtbar zu machen und zu würdigen. „Wir wollen den Menschen und Ideen, die hinter diesen Projekten stehen, eine Bühne geben. Wir wollen Begegnungen ermöglichen, Erfahrungen teilen und neue Verbindungen schaffen."
Erneuer:Bar: Reparieren statt Wegwerfen - Platz eins für gelebte Ressourcenschonung
Der erste Platz ging an das Jugendwerk der AWO Fulda für das Repair-Café Erneuer:Bar. Seit zehn Jahren schenkt die Initiative defekten Alltagsgegenständen ein zweites Leben. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Fachleuten können Besucherinnen und Besucher kaputte Gegenstände reparieren, selbst Hand anlegen und dabei neues Wissen erwerben. 15 Ehrenamtliche engagieren sich regelmäßig. Die Reparaturquote liegt bei 80 Prozent, mehr als 7.000 Gegenstände konnten bereits vor dem Wegwerfen bewahrt werden.
Rhönwichtel: Natur als täglicher Lernort - Platz zwei für den Waldkindergarten
Den zweiten Platz belegte der Waldkindergarten Rhönwichtel aus Hofbieber. Die von einer Elterninitiative getragene Einrichtung vermittelt Kindern schon früh einen unmittelbaren Zugang zur Natur. Ganzjährig verbringen sie ihre Tage draußen, entdecken Tiere und Pflanzen, erleben die Jahreszeiten und lernen natürliche Kreisläufe kennen. Dabei entwickeln sie nicht nur ein Bewusstsein für den Wert der Natur, sondern auch Selbstständigkeit, Kreativität und ein respektvolles Miteinander. Ihr Umweltbewusstsein tragen sie ganz selbstverständlich auch in ihre Familien.
Zwei dritte Plätze: Innovative Landwirtschaft und erfolgreicher Artenschutz
Aufgrund von Punktgleichheit entschied sich die Jury, den dritten Platz zweimal zu vergeben. Einer der Preisträger ist die Familie Vieth aus Silges mit ihrer Initiative „Hammelmöhre". Das Familienprojekt verbindet traditionelle Landwirtschaft mit innovativen Ansätzen wie Agroforst und Permakultur. Im Mittelpunkt stehen gesunde Böden, natürliche Kreisläufe und der Erhalt der Artenvielfalt. Mit alten regionalen Obstsorten, samenfestem Saatgut, torffreier Pflanzenanzucht und neuen Lebensräumen für Wildbienen, Amphibien und andere Nützlinge zeigt die Initiative ein Beispiel für eine zukunftsfahige und klimaangepasste Lebensmittelproduktion.
Ebenfalls über den dritten Platz freute sich das Projekt „Wilde Weide Hässeler Weiher" aus Hasselroth. Auf rund 23 Hektar im Naturschutzgebiet Hässeler Weiher sorgen Taurusrinder, Konik-Pferde, Ziegen und Wasserbüffel für eine naturnahe Landschaftspflege. Durch ihre Beweidung entsteht ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume, das zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zugutekommt. Die Erfolge sind beachtlich: Die Zahl blühender Knabenkräuter hat sich verachtfacht, seltene Vogelarten wie Wendehals und Steinkauz sind als Brutvögel zurückgekehrt.
Nachhaltigkeit braucht praktikable Lösungen und gemeinsames Engagement
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt, IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow und RhönEnergie-Geschäftsführer Dr. Arnt Meyer über die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung. Dabei wurde deutlich: Die Anstrengungen für den Klimaschutz bleiben wichtig, zugleich sind neue Akzente und praktikable Lösungen gefragt. Frederik Schmitt betonte: „Nachhaltigkeit muss selbst nachhaltig sein: Sie muss alltagstauglich, eigenständig tragfähig und pragmatisch umgesetzt werden - statt ideologisch oder moralisch geprägt zu sein. Dafür brauchen wir nicht immer neue Beauftragte oder zusätzliche Strukturen, sondern vor allem praktikable Lösungen, die im Alltag funktionieren und langfristig Wirkung entfalten."
Michael Konow hob die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft hervor. Gerade in Zeiten vielfältiger Herausforderungen müsse sie gestärkt werden - und zwar durch weniger statt mehr Bürokratie. Dr. Arnt Meyer unterstrich die drei gleichberechtigten Dimensionen der Nachhaltigkeit: „Nachhaltigkeit bedeutet, Umwelt- und Klimaschutz, wirtschaftlichen Wohlstand und soziale Verantwortung gleichermaßen zu berücksichtigen. Dieses Zusammenspiel ist anspruchsvoll, aber unverzichtbar. Es muss ein zentrales Ziel aller gesellschaftlichen Akteure bleiben." Zum Abschluss betonte Meyer die Bedeutung des Austauschs und der Vernetzung: „Der Nachhaltigkeitspreis zeichnet nicht nur einzelne Projekte aus. Er macht sichtbar, dass in unserer Region viele Menschen Verantwortung übernehmen. Die eigentliche Wirkung entsteht, wenn diese Menschen miteinander verbunden bleiben." Die RhönEnergie wird den Nachhaltigkeitspreis deshalb auch 2027 wieder verleihen.
Zu den Projekten veröffentlicht die RhönEnergie im Internet Filme unter der Homepage
