Lokales FD 03.11.2026

Reh gerissen: Jagdpächter beklagt rücksichtslose Hundehalter

Rothemann (sim) – Ein schwer verletztes Reh, ein offenbar geflüchteter Hundehalter und ein kleiner Junge, der das Geschehen mit ansehen musste: Ein Vorfall am Freitagnachmittag in Rothemann sorgt für Entsetzen. Nach Angaben von Andreas Block, Jagdpächter in Rothemann, wurde ein Stück Rehwild von einem freilaufenden Hund angegriffen und so schwer verletzt, dass es später erlöst werden musste. Besonders erschüttert zeigt sich Block über das Verhalten des Hundehalters und die Folgen für ein Kind, das den Vorfall beobachtet hatte.

Ein Reh auf einer Wiese: In Rothemann wurde ein Stück Rehwild nach Angaben des Jagdpächters von einem freilaufenden Hund schwer verletzt. Foto: PixaBay / LubosHouska

Das Geschehen habe sich zwischen 15.30 und 16 Uhr ereignet. Der Hundehalter habe sich anschließend aus dem Staub gemacht und das noch lebende, schwer verletzte Tier hinter einen Baum gezogen, berichtet Block. Ein kleiner Junge habe den Angriff und die Situation danach mit ansehen müssen. Erst im Anschluss habe er seine Eltern informiert. Das Kind sei völlig aufgelöst gewesen, habe am ganzen Körper gezittert und fürchterlich geweint, schildert der Jagdpächter. Weil das Reh durch die Bissverletzungen schwer gezeichnet gewesen sei, insbesondere am Hals, habe Block das Tier schließlich erlösen müssen.

Bei dem Hund soll es sich nach einer Beschreibung um ein großes, schwarzes Tier gehandelt haben, möglicherweise einen Boxer oder Rottweiler. Eine gesicherte Identifizierung liegt nach den vorliegenden Angaben nicht vor. Auch zum Halter sind bislang keine näheren Informationen bekannt.

Jagdpächter beklagt wiederkehrende Probleme

Für Andreas Block ist der Vorfall allerdings kein isoliertes Ereignis. Im Bereich Rothemann gebe es nach seiner Darstellung immer wieder Probleme mit Hundehaltern, die ihre Tiere frei laufen ließen. Zudem würden manche Menschen mit dem Fahrrad über Wiesen fahren, obwohl diese als Futterflächen für Kühe und andere Nutztiere dienten. Auch das Verlassen der Wege sei ein wiederkehrendes Thema.

In der Vergangenheit sei es bereits zu Begegnungen mit uneinsichtigen Hundehaltern gekommen. Hinweise der Jäger würden dabei nicht selten abwertend aufgenommen, statt Verständnis zu finden. Die betreffenden Personen seien den Jägern teilweise bekannt, sagt Block. „Das Wohl der Tiere steht hier nicht mehr im Vordergrund! Nur noch der eigene Vorteil!“, kritisiert er.

Besonders deutlich wird der Jagdpächter auch mit Blick auf die Haltung mancher Hundehalter. Unter ihnen befänden sich nach seinen Angaben auch Akademiker, die darauf beharrten, selbst zu wissen, was angeblich erlaubt sei. Block sieht darin ein grundsätzliches Problem: Rücksichtnahme auf Wildtiere, landwirtschaftliche Flächen und andere Menschen müsse selbstverständlich sein.

Freilaufende Hunde können für Wildtiere zur Gefahr werden

Der Vorfall zeige aus seiner Sicht, welche Folgen es haben könne, wenn Hunde unbeaufsichtigt oder ohne ausreichende Kontrolle unterwegs seien. Für Wildtiere könne eine Begegnung mit einem freilaufenden Hund schwerwiegende Folgen haben. Im aktuellen Fall habe das Reh den Angriff nicht überlebt. Hinzu komme die Belastung für den Jungen, der das Geschehen mit ansehen musste.

Block appelliert deshalb an Hundehalter, ihre Tiere unter Kontrolle zu halten, Rücksicht auf Wildtiere zu nehmen und auf den vorgesehenen Wegen zu bleiben. Hinweise von Jägern und anderen Verantwortlichen sollten ernst genommen werden. Wer sich nicht an Regeln halte, riskiere nicht nur Schäden an Natur und Landwirtschaft, sondern könne auch andere Menschen und Tiere in gefährliche Situationen bringen.

Der Jagdpächter hofft, dass der Vorfall in Rothemann zum Nachdenken anregt. Sein Anliegen sei es, auf die wiederkehrenden Probleme aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren, dass die Natur kein Ort ist, an dem jeder ausschließlich seine eigenen Interessen verfolgen könne.