Fußball 01.11.2026

Regionalliga – Habermehl mit Derby-Lucky-Punch – Sorge um Wähling

Kassel (pf) – 28 Gegentore in 13 Spielen – sowohl der KSV Hessen Kassel als auch die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz standen vor dem Derby in der Fußball-Regionalliga Südwest mit den statistisch schlechtesten Defensiven da. Im direkten Duell neutralisierte sich das – bis in die Schlussphase. Dann gelang der SGB der Lucky Punch zum 1:0 (0:0) – damit hat das Jagatic-Team auch den letzten Tabellenplatz verlassen (update).

Milian Habermehl schoss die SGB zum Sieg in Kassel. Archivfoto: Christine Görlich

Es lief schon die 87. Minute in einem ereignisarmen Derby, als Kassels Joker Liesche Prieto einen langen Ball klären wollte, aber direkt auf Moritz Dittmann köpfte. Fuldas Innenverteidiger Milian Habermehl war nach einem Eckball zuvor noch mit vorne, bekam die Kugel von Dittmann am Silbertablett serviert und vollendete vor der Gästekurve zum umjubelten Siegtor im Derby. Es war ein sichtbar befreiender Moment für alle, die es mit der SGB halten – und ein weiterer Befreiungsschlag nach dem Sieg gegen Mainz. Damit machten die Osthessen die englische Woche nach dem Liga-Erfolg sowie dem Weiterkommen im Pokal mit dem dritten Sieg perfekt. „Das war sehr wichtig. Heute werden wir das erstmal genießen und müssen unser Nervenkostüm runterfahren“, so ein erleichterter SGB-Trainer Miroslav Jagatic.

Der Coach war wieder im Großteil zurück zu seiner Anfangsformation vom Heimsieg gegen Mainz II gegangen und veränderte diese auf zwei Positionen: Keanu Kraft spielte hinten rechts für Arlind Iljazi, und Nicolas Wähling ersetzte den gelbgesperrten Leon Pomnitz im Kreativzentrum. Apropos Hessenpokal. Kurz vor Anpfiff in Kassel wurde in Grünberg das Viertelfinale ausgelost – und alle konnten sich direkt auf ein Wiedersehen einstellen, denn dort reist die Barockstadt erneut ins Auestadion. Und apropos Wähling: Dem Fuldaer Offensivmann galten Mitte der zweiten Hälfte die besten Genesungswünsche, er verletzte sich nach einem Zusammenprall schwerer, die Sanitäter huschten sofort auf den Platz, als auch die KSV-Akteure direkt ein Zeichen gaben. Nach Minuten der Ruhe stand der Fuldaer wieder und konnte selbst vom Platz gehen, trug aber eine dicke Manschette am linken Arm und wurde dann aus dem Stadion gefahren. Zwei Stunden nach Spielende gab Jagatic weitere Auskunft: „Er hat sich leider den Ellbogen ausgekugelt und gebrochen, ist noch im Krankenhaus und muss es Stand jetzt auch bleiben. Das ist eine Hiobsbotschaft“.

Bis zu diesem Zeitpunkt war es ein chancenarmes und verhaltenes Derby – gerade in der ersten Hälfte waren beide darauf bedacht, keine Fehler zu machen, schließlich trafen mit je 28 Gegentoren die beiden anfälligsten Defensiven aufeinander. Die Barockstadt war allerdings das aktivere Team und kam zu einigen Standards. Auch aus dem Spiel heraus ging etwas, vor allem über Seitenverlagerungen. Bei Wählings Hereingabe auf Schmitt wurde der Fuldaer im letzten Moment noch gestört (14.), danach zögerte Moritz Dittmann zu lange beziehungsweise brachte den Abschluss nicht wuchtig genug aufs Tor, nachdem Moritz Reinhard ihn schön bedient hatte (27.) – es war die beste Chance der Gäste, die Lob vom Trainer bekamen: „Wir haben das sehr ordentlich gemacht, haben Lösungen gefunden und uns Chancen herausgearbeitet“. Zwischenzeitlich sei nicht zu sehen gewesen, wer Tabellenletzter ist. Und wer das Auswärtsspiel hatte. Kassels Fans wurden im weiteren Verlauf zunehmend unruhiger und äußerten Unmut von der Tribüne, denn die Löwen ließen sich bei den Angriffsbemühungen sehr viel Zeit, angefangen bei Keeper Oelschlägel. Nur Cemal Kaymaz verzeichnete Abschlüsse – Mitte der ersten Hälfte knapp daneben, und direkt vor der Pause setzte er den Ball an den Außenpfosten.

Danach kam Kassel aggressiver und mit mehr Tiefe aus der Pause, zwang Maxi Weisbäcker zu einer guten Parade kurz nach dem Seitenwechsel, ehe die lange Verletzungsunterbrechung von Wähling sich erstmal bemerkbar machte. Auch danach fehlten große Torchancen – genauso, wie Dittmann wenige Zentimeter fehlten, um die gefährliche Flanke von Basti Schmitt zu erreichen (75.). Damit war die Schlussviertelstunde schon eingeläutet, in der ein Abwehr-Schnitzer zum entscheidenden Tor führte. Die Löwen fuhren danach nochmal die Krallen aus und hatte mehr Abschlüsse als im gesamten Spielverlauf zuvor. Doch die Barockstadt verteidigte den Sieg bis zum Ende der langen Nachspielzeit und fügte dem KSV die dritte Regionalliga-Pleite in Serie zu. Und: Gab die Rote Laterne nach Kaiserslautern ab.

Hessen Kassel: Oelschlägel; Kopf (88. Rothweiler), Duah, Bonianga, Damer (65. Boeyuekata), Bravo Sanchez, Kaymaz, Boche (83. Liesche Prieto), Sezer (65. Sararer), Springfeld (46. Pepic), Najjar.

SG Barockstadt: Weisbäcker – Kraft, Habermehl, Frey, Hillmann – Ivankovic, Sarpei (85. Lokaj) – Dittmann, Wähling (56. Elekwa), Schmitt (81. Iljazi) – Reinhard.

Schiedsrichter: Christian Steib (Niddatal)

Tor: 0:1 Milian Habermehl (87.)

Zuschauer: 2008