Ab 1951 waren am Point Alpha, an der heutigen Grenze zwischen Hessen und Thüringen, amerikanische Streitkräfte stationiert. Die Gedenkstätte ist heute ein Symbol der deutsch-amerikanischen Partnerschaft und erinnert zugleich daran, dass Frieden und Freiheit aktiv verteidigt werden müssen. Generalleutnant a. D. Ben Hodges sei, wie Dr. Stefan Heck, Stiftungsratsvorsitzender der Point Alpha Stiftung, in seiner Begrüßung hervorhob, in besonderer Weise mit dem historischen Auftrag dieses geschichtsträchtigen Ortes verbunden: „Denn Point Alpha war nicht nur ein Symbol des Kalten Krieges. Es war ein militärischer Vorposten der Freiheit. Ein Ort, an dem amerikanische Soldaten bereitstanden, um unsere Freiheit zu verteidigen. Und Ben Hodges steht wie kaum ein anderer für genau diesen Auftrag: Freiheit zu schützen. Frieden durch Stärke zu sichern. Und das transatlantische Bündnis mit Leben zu erfüllen. Ein amerikanischer General, der sein Leben in den Dienst der Sicherheit Europas gestellt hat. Ein überzeugter Transatlantiker. Und ein Freund Deutschlands, der uns immer wieder daran erinnert, dass Freiheit niemals selbstverständlich ist.“
Diesen Gedanken griff auch Christian Hirte, parlamentarischer Staatssekretär und Präsident des Kuratoriums Deutsche Einheit, in seiner Rede auf: „Wenn Aggression und Repression die Freiheit bedrohen, muss man sie verteidigen und erkämpfen, wenn man selbstbestimmt leben will.“ Heutzutage ständen Deutschland und Europa neuen Bedrohungen gegenüber: „Drohnenangriffe, Cyberattacken, Schattenflotte und Anschläge auf die Infrastruktur gehören dazu. Die Atomraketen in Kaliningrad – früher auch das Königsberg Kants – sind mit Zielkoordinaten auf die Hauptstädte in Europa programmiert. Und nicht zuletzt: ein echter, brutaler und völkerrechtswidriger Angriffskrieg wird von Russland gegen die Ukraine geführt.“ Somit sei es für Deutschland wichtiger denn je, entschlossen für Demokratie und Freiheit einzutreten, gerade weil die USA in der NATO nicht mehr die starke Führungsrolle übernehmen würden, die sie einmal hatten. „Nach innen, auch ökonomisch, müssen wir mit Fleiß und Leistung die wirtschaftlichen Grundlagen und Resilienz sichern“, appellierte Hirte. „Nach außen müssen wir verteidigungsbereit und -fähig sein. In einem Bündnis, das Kooperation lebt. Wo Deutschland noch stärker und im gegenseitigen Einvernehmen mehr Verantwortung, gegebenenfalls auch mehr Führung wahrnimmt. Und in einem Bündnis, das transatlantische Verbindungen stärkt, wo immer möglich.“ General Hodges sei mit seinem seinen Dienst für Frieden und Freiheit nicht nur ein würdiger Preisträger, sondern ein echtes Vorbild.
Der hessische Bildungsminister Armin Schwarz hob in seiner Rede die enge Verbindung Hessens zu den Vereinigten Staaten hervor: „Die Gedenkstätte hier am Point Alpha dient nicht nur der Erinnerung. Sie ist auch eine Mahnung und ein Auftrag für die Gegenwart und die Zukunft: Das transatlantische Bündnis und die Zusammenarbeit in der NATO sind für unser Land wichtiger denn je. Bis zur Wiedervereinigung wurde Hessen hier am Point Alpha geschützt. Auch 35 Jahre nach dem Abzug in Point Alpha bleiben die Vereinigten Staaten ein Garant für Frieden und Sicherheit in Hessen, Deutschland und Europa. General Hodges hat als Oberbefehlshaber einen elementar wichtigen Beitrag für unsere Partnerschaft geleistet und tritt noch heute für die Bedeutung der Freundschaft zwischen unseren Ländern ein.“
Staatssekretär Stephan König sprach als Bevollmächtigter Thüringens beim Bund ebenfalls über die Verbindung des Freistaates zu den USA: „Die transatlantische Freundschaft hat in Thüringen tiefe Wurzeln. Und dass diese gemeinsame Geschichte nicht Vergangenheit ist, zeigt die tiefe Freundschaft, die Thüringen und die USA bis heute miteinander verbindet.“ Diese Freundschaft werde durch Städtepartnerschaften, Austausche zwischen Schulen und Hochschulen sowie den Handel gepflegt. Das Wichtigste seien jedoch die gemeinsamen Überzeugungen: „Die Wurzeln dieser Erfolgsgeschichte sind eben nicht nur ökonomische Interessen, sondern geteilte Werte – Freiheit, Demokratie, die Würde eines jeden einzelnen Menschen. Gerade in Zeiten wie diesen ist es unsere gemeinsame Aufgabe, für sie einzustehen, jeden Tag aufs Neue.“ General Hodges habe einen entscheidenden Beitrag zu dieser tiefen Freundschaft geleistet: „Die transatlantische Partnerschaft ist Ihre Lebensaufgabe geworden. Sie sind an dieser Aufgabe gewachsen – und die transatlantische Partnerschaft, auch das darf man sagen, ist an Ihnen gewachsen. Dafür, verehrter Herr General, darf ich Ihnen im Namen der gesamten Thüringer Landesregierung unseren tief empfundenen Dank und Respekt aussprechen.“
Die anschließende Laudatio wurde von Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Mitglied des FDP-Präsidiums und Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im Europäischen Parlament. Sie hob besonders Hodges‘ klare Haltung zum Ukrainekonflikt und seinen kompromisslosen Einsatz für die Freiheit und die europäische Friedensordnung hervor. Sowohl als Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte als auch als sicherheitspolitischer Experte habe er sich entschlossen gegen die Bedrohungen für Europa gestellt. Eine Person wie Hodges sei gerade heute unabdingbar: „Wir brauchen in diesen Zeiten Verbündete. Wir brauchen Menschen wie Sie, die klar einordnen können, Vorbilder sind, denn wir leben in Zeiten, in denen die Gefahr für die Gesellschaft gigantisch ist, und wie die Ausgabe der ‚Welt‘ vom 26. Oktober es schonungslos auf den Punkt brachte: ‚Dummheit hatte noch nie derartige Möglichkeiten, sich zu verbreiten‘. Denn Ignoranz, Verantwortungslosigkeit und Selbstüberschätzung breiteten sich innerhalb der Gesellschaft aus.“
Hodges nahm die Auszeichnung mit großer Dankbarkeit an. Ein weiterer Grund zur Freude an diesem Tag sei für ihn jedoch der Ausgang der Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten. Diese hätten bewiesen, dass die USA trotz der politischen Erschütterungen der letzten Monate immer noch eine lebendige Demokratie und ein funktionierender Rechtsstaat seien. Der Generalleutnant a. D. hofft nun, dass die Zwischenwahlen das Vertrauen in die amerikanischen ldeale stärken können. Trotzdem könne Europa sich nicht in Sicherheit wiegen, da niemand sagen könne, wie die politische Zukunft der USA aussehen werde. „Daher muss Europa schnellstmöglich lernen, auf eigenen Beinen zu stehen – in der Hoffnung, die natürlich auch ich habe, dass die USA in Zukunft wieder ein sehr verlässlicher Bündnispartner und enger Freund sein werden, aber auch in dem Wissen, dass es einmal wieder schwierigere Zeiten geben könnte“, erklärte Hodges. Deutschland solle nicht zögern, eine Vorreiterrolle bei der Verteidigung des Friedens und der Freiheit in Europa einzunehmen. Die Vereinigten Staaten müssten ihrerseits hart daran arbeiten, das Vertrauen ihrer Verbündeten wiederzugewinnen und unmissverständlich klarzustellen, dass sie ihren Bündnisverpflichtungen stets nachkommen werden.
Die Zeremonie endete mit der US-amerikanischen und der deutschen Nationalhymne, gespielt von Barbarossa Winds, einem Holzbläserensemble der US Army Europe and Africa Band and Chorus, das die gesamte Feier musikalisch umrahmt hatte. Die Hymnen unterstrichen noch einmal, worum es an diesem Tag ging: die deutsch-amerikanische Partnerschaft.
