Lokales FD 07.11.2026

Osthessischer Gastro-Nachwuchs glänzt beim Groma-Pokal

Fulda (sk) – Festliche Tischdekorationen im herbstlichen Rhön-Look, zischende Pfannen in der Küche und am Ende glückliche Gesichter: In der Eduard-Stieler-Schule fanden die Osthessischen Meisterschaften im Rahmen des traditionsreichen 47. Wehner-Groma-Pokals 2026 statt. Unter den Augen der hochkarätig besetzten Jury wetteiferten elf angehende Köche und neun Restaurant- und Hotelfachleute im zweiten und dritten Lehrjahr um die begehrten Krone-Pokale.

Von links: Alina Skaley, Eric-Adrei Minea Ronja Röhner, Johanna Oswald, Erik Faulstich, Mohamed Daoudi und Oliver Wehner. Foto: Stefan Krug.

Als am späten Abend die Ergebnisse der Jury verkündet wurden, stand fest: Die Leistungsdichte war in diesem Jahr extrem hoch. Bei den Köchen setzte sich Johanna Oswald vom Kaufmann’s Restaurant am Schlosspark in Gersfeld gegen die starke Konkurrenz durch und sicherte sich den verdienten ersten Platz. Sie überzeugte die Jury unter anderem mit einer feinen Cremesuppe von der Petersilienwurzel mit Hagebuttenmousse, einem veganen Zwischengang aus bunten Zucchini mit Pastinake auf Aperol-Schaum sowie einem raffinierten „Jäger-Schnitzel“ mit Pilzrahmsauce und eigens kreierten „Pommes-Az“.

Den zweiten Platz holte sich Erik Faulstich vom Romantik-Hotel Goldener Karpfen in Fulda, der sich zudem den Sonderpreis für den „Besten Hauptgang“ sicherte. Er interpretierte das Pflichtthema mit einem Schweineschnitzel samt Wachtelspiegelei, Blutwurst- und Schwartenmagen-Canapé sowie einem klassischen Kartoffel-Gurken-Salat. Seine Nachspeise – ein Topfenknödel mit Nougatfüllung an Holundersud und Apfelwein-Eis – sorgte im Saal für bewundernde Blicke. Auf den dritten Platz kochte sich Mohamed Daoudi vom Hotel Platzhirsch in Fulda, der mit einer deftigen Rhöner Zwiebelsuppe und einem neu interpretierten Kalbsschnitzel mit Kartoffelstroh glänzte. Die weiteren Teilnehmer folgten gemeinsam auf den starken vierten Rängen.

Nicht weniger anspruchsvoll ging es im Servicebereich zu, wo neben dem klassischen Eindecken der Festtische auch das Mixen von Cocktails sowie der fachgerechte Service am Gast bewertet wurden. Den begehrten Wanderpokal und den ersten Platz bei den Hotel- und Restaurantfachleuten sicherte sich Ronja Röhner vom Maritim Hotel am Schlossgarten in Fulda. Der zweite Platz ging an Eric-Andrei Minea von der Praforst Waldgaststätte aus Hünfeld, dicht gefolgt von Alina Skaley vom Parkhotel Fulda auf dem dritte Platz. Den Sonderpreis für den „Schönsten Tisch“ ergatterte Ayubjon Asoev vom Brauhaus Wiesenmühle in Fulda, dessen fantasievolle, auf das Rhön-Motto abgestimmte Dekoration sowohl die Fachjury als auch das Publikum restlos begeisterte.

Die feierliche Begrüßung der zahlreichen Gäste übernahm Oliver Wehner für das gastgebende Unternehmen Groma. Er unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung des Handwerks und freute sich über das enorme Interesse an den Meisterschaften. Die traditionsreiche Veranstaltung, die gemeinsam mit der Eduard-Stieler-Schule, dem Verein der Köche sowie dem Dehoga Hessen Kreisverband Fulda ausgetragen wird, stand in diesem Jahr unter dem stimmigen Motto „Rhöner Land – ein Genusserlebnis“. Eine Besonderheit, die das Event seit 2013 prägt, bildete auch diesmal die gelebte Inklusion: Elf Mitarbeiter aus den gastronomischen Bereichen der Stiftung antonius arbeiteten am ersten Vorbereitungstag Hand in Hand in Zweierteams mit dem Gastro-Nachwuchs zusammen.

 

Einblicke aus der Praxis: Hohes Niveau trotz Kostendruck

Nach der Begrüßung fand Wehner deutliche Worte zur aktuellen Lage des Gastgewerbes. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen – realen Umsatzrückgängen von rund fünf Prozent, massiven Kostensteigerungen und dem anhaltenden Kampf um gutes Personal – zeige der Wettbewerb, wie viel Leidenschaft und Leistungsbereitschaft im osthessischen Nachwuchs stecke. „Die Negativbotschaften hören eigentlich nicht auf“, hieß es, „aber das Dauergejammer wollen wir heute beiseitelassen und uns den positiven Nachrichten widmen.“ Umso mehr würdigte Wehner die herausragende Motivation der angehenden Fachkräfte, die sich den harten Anforderungen stellten. Er hob hervor, dass es in der heutigen Zeit ein starkes Zeichen sei, solche motivierten Jugendlichen zu erleben: „Es gibt immer noch viele Jugendliche, die leistungsbereit sind und die sich gern engagieren, und das ist doch eine gute Nachricht“.

 

Pflichtvorgaben an den Töpfen und Tellern

Die Aufgaben für die Wettbewerbsteilnehmer hatten es in sich und verlangten den Prüflingen logistisches wie handwerkliches Gespür ab. In der Küche galt es, ein anspruchsvolles Vier-Gänge-Menü nach festen Regeln zu kreieren: Als Vorspeise war eine vegetarische Suppe mit zwei verschiedenen Einlagen gefordert, deren Brühe vom Service direkt am Gast angegossen werden musste. Es folgte ein warmes, rein veganes Zwischengericht, bevor im Hauptgang der absolute Klassiker anstand: „Schnitzel neu interpretiert“ mit passenden Beilagen. Das Finale bildete ein Dessert rund um das herbstliche Trio aus Holunder, Apfel und Haselnuss, das zwingend sowohl eine gefrorene als auch eine gebackene Komponente enthalten musste.

 

Der höchste Weinberg Hessens zu Gast

Für einen ganz besonderen, regionalen Glanzpunkt sorgte Winzer Stefan Müller vom Winzerhof Heckenmühle aus Hilders-Simmershausen. Er stellte den Gästen den Aperitif des Abends vor: Einen Sekt brut in traditioneller Flaschengärung, der auf stolzen 497 Metern Höhe gereift ist. Damit betreibt Müller den offiziell höchsten Weinberg Hessens. In einer kurzen Ansprache gab Müller Einblicke in seinen Betrieb, der 2015 aus einer Laune heraus mit nur 50 Reben als Hobby begann und 2019 von klassischer Mutterkuhhaltung komplett auf Weinbau umgestellt wurde. Inzwischen bewirtschaftet der Familienbetrieb 1,1 Hektar. 

Fazit des Abends: Der 47. Wehner-Groma-Pokal hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass das osthessische Gastgewerbe trotz aller wirtschaftlichen Stürme auf ein stabiles, hochmotiviertes und kreatives Fundament blicken kann. Die gezeigten Leistungen waren beste Werbung für den Berufsstand und ein echtes geschmackliches Ausrufezeichen für die gesamte Region.