Am Nachmittag hatten sich nach Polizeiangaben rund 8000 Menschen zum sogenannten Gen-Z-Protest in Frankfurt versammelt. Die Veranstalter sprachen von etwa 10.000 Teilnehmern. Der Demonstrationszug verlief zunächst weitgehend friedlich, wurde allerdings mehrfach wegen Pyrotechnik und Böllern gestoppt. Gegen 18.20 Uhr löste die Polizei die Versammlung auf, nachdem unter anderem Steine auf Einsatzkräfte geworfen worden waren. Danach eskalierte die Lage in Teilen der Innenstadt. Rund um Hauptwache, Konstablerwache und Zeil kam es zu Angriffen auf die Polizei. Randalierer schlugen Schaufenster ein, Mülltonnen wurden angezündet und Geschäfte geplündert. Nach der inzwischen vorliegenden Bilanz des Innenministeriums wurden 17 Geschäfte beschädigt, fünf davon geplündert.
Mehr als 100 Polizisten verletzt
Besonders deutlich wird das Ausmaß der Gewalt bei der Bilanz der verletzten Einsatzkräfte. Nach Angaben von Innenminister Roman Poseck wurden mehr als 100 Polizeibeamte verletzt. Ein Beamter wurde durch einen Steinwurf ins Gesicht getroffen und verlor dabei Zähne. Die Polizei war zeitweise mit bis zu 1300 Kräften im Einsatz. Unterstützt wurden die Beamten unter anderem durch Wasserwerfer, ein Spezialeinsatzkommando, Hubschrauber und weitere Einsatzkräfte. „Unser Land gehört nicht enthemmten Krawallmachern“, erklärte Poseck bei der Vorstellung der ersten Bilanz. Die Täter würden die „volle Härte des Rechtsstaates“ spüren. Der Innenminister kündigte zugleich an, die Erkenntnisse über die beteiligten Gewalttäter künftig genauer auszuwerten und auch außerhalb konkreter Versammlungslagen gegen bekannte Personen vorzugehen. Nach Polizeiangaben beruhigte sich die Situation erst nach Mitternacht. Gegen 3 Uhr war die Lage in der Innenstadt nach Angaben der Polizei wieder weitgehend unter Kontrolle. Am Sonntagmorgen begannen die Aufräumarbeiten. Auf der Zeil und in den angrenzenden Straßen mussten Mitarbeiter Glasscherben und die Spuren der Nacht beseitigen.
Polizei geht von unterschiedlichen Tätergruppen aus
Wer genau für die Ausschreitungen verantwortlich ist, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Innenminister Poseck sprach von einem „enormen Gewaltpotential von Linksextremisten und gewaltorientierten jungen Menschen“. Nach seiner Einschätzung kamen die Tätergruppen nur zum Teil aus Frankfurt und reisten aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet an. Poseck erklärte zudem, die Täter seien „größtenteils mit Migrationshintergrund“. Diese Einordnung ist eine Einschätzung des Innenministers beziehungsweise der Sicherheitsbehörden und bislang keine abschließende Feststellung zu allen Tatverdächtigen. Nach den inzwischen vorliegenden Angaben waren die 54 Festgenommenen zwischen 13 und 29 Jahre alt und hatten überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit. Auch die Polizei hatte bereits in der Nacht von unterschiedlichen Gruppen gesprochen. Nach Berichten von hr und Tagesschau gehörten zahlreiche der späteren Randalierer offenbar nicht zum eigentlichen Demonstrationszug. Wer sich an den Plünderungen und Angriffen beteiligte, wird nun anhand von Videoaufnahmen und weiteren Ermittlungen geprüft.
Waffengeschäft angegriffen
Besonders brisant war der Angriff auf ein Waffengeschäft. Vermummte Personen schlugen die Scheiben ein und drangen in den Laden ein. Die Polizei nahm mehrere Menschen fest und stellte anschließend zwei Waffen sicher. Um welche Waffen es sich genau handelt, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Die Polizei hat inzwischen eine Sonderkommission eingerichtet, die die zahlreichen Straftaten aufarbeiten soll. Zudem bittet sie Zeugen darum, Fotos und Videos von den Ausschreitungen zur Verfügung zu stellen.
Stadt verurteilt Gewalt
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef zeigte sich angesichts der Zerstörungen „wütend und fassungslos“. Friedliche Demonstrationen seien in Frankfurt selbstverständlich möglich. Diejenigen, die für Gewalt und Zerstörung verantwortlich seien, hätten hingegen nichts mit den Inhalten des Protestes zu tun, erklärte Josef. Besonders betroffen seien Geschäftsleute und Beschäftigte, deren Existenz durch die Schäden gefährdet werden könne. Ordnungsdezernent Martin-Benedikt Schäfer sprach von einem direkten Angriff auf den Rechtsstaat und verurteilte insbesondere die Angriffe auf Polizei-, Feuerwehr- und Rettungskräfte. Auch die Organisatoren des Gen-Z-Protests distanzierten sich von der Gewalt. Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte nach eigenen Angaben zu einem friedlichen Protest aufgerufen. Sie will nach aktuellem Stand am 20. November erneut demonstrieren. Poseck erklärte dagegen, aus seiner Sicht dürfe an diesem Tag keine mit den Ereignissen vom Samstag vergleichbare Versammlung in Frankfurt stattfinden. Die Ermittlungen zu den Ausschreitungen laufen unterdessen weiter. Neben den 54 Festnahmen wurden 366 Menschen kontrolliert und 1225 Platzverweise ausgesprochen. Wie hoch der Gesamtschaden für die betroffenen Geschäfte ist, steht noch nicht fest.
