Lokales FD 03.11.2026

Jüdische Grabsteine mit besonderer Geschichte – Objekt des Monats

Fulda (pm/gü) – Das Vonderau-Museum Fulda präsentiert seit nunmehr fünf Jahren sein „Objekt des Monats“ im Schaufenster des Museumseingangs am Jesuitenplatz 2. Im November wird ein Blick auf die jüdische Geschichte der Stadt geworfen: Es geht um Jüdische Grabsteine, zum Teil aus dem Mittelalter stammend, die eine besondere Geschichte erzählen.

Foto: Vonderau-Museum Fulda

Im Zuge der Neugestaltung des alten Jüdischen Friedhofes in der Rabanusstraße in Fulda wurden im Herbst 2025 von der Stadtarchäologie Fulda die Fundamente eines kleinen Hauses freigelegt, welches einst auf dem Gelände stand. Das Gebäude ist in alten Karten vermerkt, es ist im Jahr 1632 auf dem Friedhof errichtet worden, diente über 225 Jahre hinweg verschiedenen Zwecken und brannte im November 1857 ab. Verbaut in der Pflasterung des Gebäudes fanden sich zwei jüdische Grabsteine, von denen einer auf dem Foto zu sehen ist. Die Inschrift auf dem Fragment bedeutet folgendes: „Zeuge sei dieser Hügel [und Zeugin], die Stele, welche [ich setzte], zu Häupten […]“.

Es handelt sich um das Fragment der oberen rechten Ecke eines jüdischen Grabsteins, nur wenige Wörter sind lesbar. Es ist nicht bekannt, ob der Grabstein zur Bestattung eines Mannes oder einer Frau gehörte und wie alt er genau ist. Dennoch ist klar, dass es sich um einen sehr alten Grabstein handeln muss. Denn die Formulierung ist eine bekannte mittelalterliche Einleitungsformel mit Bezug zum ersten Buch Mose, der Genesis.

Der zweite Grabstein gehörte auf das Grab eines Fuldaer Juden namens Asriel ben Akiwa, der im Dezember 1712 verstorben ist. Das Jahr, in dem Asriel verstarb, ist für die Fuldaer Stadtgeschichte hochbedeutend: Die Weihung des Fuldaer Domes im August 1712 hatte Asriel noch erlebt, auch wenn sein religiöses Interesse daran wahrscheinlich eher gering gewesen sein dürfte. Beide Grabsteine stammen aus einer Zeit, aus der nur wenige schriftliche Quellen zum jüdischen Leben vorliegen. Das Sterberegister der Stadt Fulda ist erst ab 1812 vorhanden, die Unterlagen der jüdischen Gemeinde wurden unter anderem beim Pogrom 1938 vernichtet. Der Fund dieser beiden Grabsteine ist daher besonders wertvoll, und das im Schaufenster gezeigte Fragment gehört zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen jüdischen Lebens in Fulda.

Übersetzung und Einordnung der hebräischen Schrift: Nathanja Hüttenmeister

Recherche zum Alten Jüdischen Friedhof: Anja Listmann