Wie schmal der Grat ist, machte dieses Duell einmal mehr deutlich: „Wir haben heute ein gutes Spiel gezeigt und wieder gesehen, dass wir mithalten können - auch gegen so einen Gegner. Im Fußball sind Kleinigkeiten entscheidend, aber ich kann der Mannschaft trotzdem keinen Vorwurf machen“, sagte HSV-Coach Benjamin Fuß nach dem 0:4 gegen Stadtallendorf, das keinesfalls dem Spielverlauf entsprochen hatte. Eine Szene stand besonders zur Diskussion, doch vorweg wollte Fuß auch ein Lob loswerden: „Ich denke, wir haben heute den kommenden Hessenliga-Meister gesehen. Stadtallendorf hat eine brutale Qualität“.
Dabei führte er unter anderem Jacob Pistor, Loris Weiss und Damijan Heuser an, die das Spiel auf der Rhönkampfbahn entschieden und innerhalb von fünf Minuten in der zweiten Hälfte drei „blitzsaubere“ Konter vollendeten, wie es Gäste-Trainer Clemens Drescher formulierte. Die drei Schützen kommen nun schon auf insgesamt 33 Saisontore nach 16 Partien.
Doch dass aus dem 0:1 überhaupt ein 0:4 aus Hünfelder Sicht werden konnte, lag daran, dass dem HSV das offensichtliche 1:1 weggepfiffen wurde: Schiedsrichter Simon Heß und sein Gespann standen im Mittelpunkt und wollten ein Handspiel gesehen haben, das David Costa Sabate den Ausgleich verwehrte. „Wenn man so ein Ding abpfeift, muss man sich zu 100 Prozent sicher sein“, bemängelte Fuß. Und auch aus Stadtallendorf wären wohl keine Proteste gekommen, wenn der Treffer gezählt hätte: „Das hätte es sehr kompliziert für uns gemacht“, so Drescher.
Diese womöglich entscheidende Szene war aber nur ein Teil der 90 Minuten. Dazu gehörte auch, dass der Hünfelder SV anfangs eine Viertelstunde brauchte, um reinzukommen, und mit der ersten Chance das 0:1 kassierte – dann aber das klar bessere Team war. Das musste auch Stadtallendorf anerkennen. „Wir hatten mehr Möglichkeiten“, erinnerte sich Fuß beispielsweise an eine Lindemann-Chance. „Leider machen wir das Tor nicht, und haben uns dann später vor dem 0:2 nicht gut angestellt. Wie es halt im Fußball ist, kriegst du den Treffer dann hinten, wenn du ihn vorne nicht machst“, bedauerte Fuß auf der Pressekonferenz nach Abpfiff. Die Gastgeber liefen ins offene Messer, doch das Ergebnis spiegelte am Ende nicht die Leistung wider, die Fuß – und viele andere – gesehen hatten. „Wir müssen einfach weitermachen und arbeiten, um uns zu belohnen. Es geht weiter“, so Fuß. Auch sein Trainerkollege zollte Lob: „Hünfeld hatte nach unserem Tor die Oberhand gewonnen, es hat sich ein offener Schlagabtausch entwickelt, der nicht in unserem Sinne war. Knackpunkt war sicherlich das nicht gegebene Tor“.
Hünfelder SV: Maul; Kemmerzell, Häuser, Paliatka jr. (65. Kümmel), Uth, Fröhlich, Zentgraf, Lindemann, Costa Sabate (76. Witkowski), Banh, Kassa (83. Roth).
Eintr. Stadtallendorf: Schneider; Juwara (76. Onyekwere), Safiew, Funk (85. Rinderknecht), Pistor, Heuser (74. Stein), Lindenthal (83. Parson), Berninger-Bosshammer, Fröhlich, Weiss (76. Bremer), Phillips.
Schiedsrichter: Simon Heß (Heppenheim)
Tore: 0:1 Leon Lindenthal (13.), 0:2 Loris Weiss (60.), 0:3 Jacob Pistor (63.), 0:4 Damijan Heuser (65.)
Zuschauer: 280
