Nach derzeitigen Erkenntnissen erhielt die Frau im Laufe des Mittwochs zunächst einen Anruf, bei dem sich eine Frau mit weinerlicher Stimme als Angehörige ausgab. Kurz darauf übernahm eine weitere Frau das Gespräch, die sich als Krankenschwester vorstellte. Sie behauptete, die Schwester der Angerufenen sei in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt, bei dem sowohl sie selbst als auch weitere Personen verletzt worden seien. Im weiteren Verlauf erklärte die vermeintliche Krankenschwester, dass die Polizei die Handynummer der Angerufenen benötige. Wenig später meldete sich ein Mann, der sich als Polizeibeamter ausgab. Er forderte die Zahlung eines Geldbetrags, als Kaution für angebliche Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall. Die Frau schenkte den Schilderungen Glauben und übergab schließlich gegen 21 Uhr einen fünfstelligen Geldbetrag an einen bislang unbekannten Abholer. Dieser kann wie folgt beschrieben werden: männlich, circa 1,70 Meter groß, circa 22 bis 30 Jahre alt, schlanke Statur, osteuropäisches Erscheinungsbild, schwarze Jacke, schwarze Basecap, führte Rucksack mit sich.
Die Kriminalpolizei Fulda hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeuginnen und Zeugen die im Bereich Ziehers-Nord Hinweise zu der beschriebenen Person geben können, werden gebeten sich an das Polizeipräsidium Osthessen unter Telefon 0661/105-0 oder jede andere Polizeidienststelle zu wenden.
Polizei warnt eindringlich vor Schockanrufen
Die Polizei nimmt den aktuellen Fall zum Anlass, erneut vor dieser Betrugsmasche zu warnen. Die Täter gehen häufig äußerst geschickt vor und setzen ihre Opfer gezielt unter emotionalen Druck. Durch die Schilderung vermeintlicher Unglücksfälle und das Auftreten angeblicher Amtspersonen versuchen sie, Angst und Sorge um Angehörige auszunutzen. Häufig halten die Betrüger ihre Opfer über längere Zeit am Telefon. Dadurch verhindern sie bewusst, dass diese Kontakt zu Angehörigen oder anderen Vertrauenspersonen aufnehmen und die geschilderte Notlage hinterfragen können. Nicht selten gelingt es den Tätern auf diese Weise, ihre Opfer zur Übergabe erheblicher Geldbeträge zu bewegen.
Die Polizei gibt folgende Präventionstipps:
„Misstrauisch bleiben: Seien Sie besonders aufmerksam, wenn Ihnen am Telefon von einem schweren Unfall oder einer anderen Notlage eines Angehörigen berichtet wird und damit Geldforderungen verbunden sind.
Gespräch beenden: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Legen Sie auf, wenn Ihnen die Situation verdächtig vorkommt.
Angehörige kontaktieren: Versuchen Sie, die vermeintlich betroffene Person unter der Ihnen bekannten Telefonnummer selbst zu erreichen. Nutzen Sie hierfür nicht die Rückruffunktion.
Keine Geldübergaben: Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft, Krankenhäuser oder Arztpraxen fordern am Telefon Geldbeträge oder Wertgegenstände zur Abwendung angeblicher Maßnahmen oder zur Versorgung von Angehörigen. Erst recht werden keine Personen zur Abholung von Bargeld oder Wertsachen geschickt.
Keine persönlichen Informationen preisgeben: Geben Sie am Telefon keine Auskünfte über Ihre finanziellen Verhältnisse, vorhandenes Bargeld oder Wertgegenstände.
Polizei verständigen: Informieren Sie bei verdächtigen Anrufen umgehend die Polizei über die Notrufnummer 110.
Angehörige sensibilisieren: Sprechen Sie insbesondere mit älteren Familienmitgliedern über diese Betrugsmasche. Erklären Sie die Vorgehensweise der Täter und vereinbaren Sie gemeinsam, wie bei einem solchen Anruf reagiert werden soll.“
Weitere Informationen und Präventionshinweise finden Interessierte unter: https://www.polizei.hessen.de/praevention/gemeinsam-sicher-in-hessen. Darüber hinaus steht die Präventionsabteilung des Polizeipräsidiums Osthessen für Fragen, weiterführende Informationen und individuelle Beratungsangebote gerne zur Verfügung: https://www.polizei.hessen.de/polizeipraesidien/polizeipraesidium-osthessen.
