Den fachlichen Vortrag übernahm Sebastian Müller, Mitglied des Hessischen Landtages. Als Mitglied des Ausschusses Wirtschaft, Energie, Wohnen, Verkehr und ländlichen Raum beschäftigt er sich auf Landesebene intensiv mit der Weiterentwicklung des Baurechts. Andreas Kapelle, Bürgermeisterkandidat für die Gemeinde Nüsttal, gestaltete den Abend mit und brachte die kommunale Perspektive ein.
Einen Schwerpunkt bildete das Baupaket I des Landes Hessen, dessen Änderungen an der Hessischen Bauordnung seit dem 14. Oktober 2025 in Kraft sind. Ziel ist es, Bauvorhaben einfacher, schneller und kostengünstiger zu ermöglichen. Müller erläuterte unter anderem die neuen Spielräume beim Bauen im unbeplanten Innenbereich, Erleichterungen im Ausbau von Dachgeschossen, Aufbauten und bei Gebäudeaufstockungen sowie die Verringerung der erforderlichen Abstandflächen von drei auf 2,50 Meter. Auch die Verlängerung der Geltungsdauer von Baugenehmigungen von drei auf fünf Jahre und zusätzliche genehmigungsfreie Vorhaben wurden vorgestellt.
Darüber hinaus ging es um das Baupaket II, welches sich derzeit noch in der politischen Beratung befindet. Vorgesehen sind weitere Vereinfachungen, beispielsweise für Gebäude in Holzbauweise bis zu einer Höhe von 13 Metern, Aussetzung der technischen Baubestimmungen und kürzere Genehmigungsverfahren.
Ein weiteres Thema war das neue Hessische Denkmalschutzgesetz, das zum 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Ziel sind unter anderem schnellere und einfachere Verfahren sowie eine Stärkung der Entscheidungsspielräume vor Ort. Dazu gehört auch eine Abschaffung von Doppelzuständigkeiten und eine stärkere Gewichtung der Wirtschaftlichkeit. Ergänzend wurde der bundesweite „Bau-Turbo“ vorgestellt, welcher zusätzliche Möglichkeiten zur Schaffung von Wohnraum im Außenbereich und Abweichungen von Bebauungsplänen eröffnet.
Für Andreas Kapelle stand insbesondere der Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern und die Bedeutung der vorgestellten Änderungen für die Gemeinde Nüsttal im Mittelpunkt. Durch seine berufliche Erfahrung in der Verwaltung kennt er die kommunalen Abläufe und Entscheidungsprozesse und weiß, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürgerschaft ist. Diese Erfahrung möchte er auch in seine Arbeit für die Gemeinde einbringen.
Mit rund 125 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stieß die Veranstaltung auf ein großes Interesse und bot einen gelungenen Rahmen, um aktuelle politische Entwicklungen mit den konkreten Fragen und Anliegen vor Ort zu verbinden.
