DRK-Präsidentin Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg nutzte den Empfang zunächst, um den zahlreichen Unterstützern, Partnern und Helfern zu danken. Gerade angesichts der weltweiten Krisen und gesellschaftlichen Herausforderungen sei der Zusammenhalt von besonderer Bedeutung. „Es ist umso wichtiger, dass wir hier zusammenstehen, zusammenhalten und zusammen in der sozialen Arbeit tätig sind“, betonte sie. Das DRK Fulda bemühe sich, dort tätig zu werden, wo Hilfe besonders gebraucht werde – insbesondere für sozial benachteiligte und schwächere Menschen.
Wie breit das Engagement aufgestellt ist, verdeutlichte später auch Gundula Gause. Die ZDF-Moderatorin verwies auf mehr als 1000 hauptamtliche Beschäftigte und rund 700 ehrenamtliche Helfer beim DRK Fulda. Neben dem Rettungsdienst und der Arbeit in sechs Seniorenzentren sowie ambulanten Pflegediensten hob sie auch die Reiterstaffel, das Therapiehundeteam und die vielfältigen Angebote der Sozialarbeit hervor. Schenck zu Schweinsberg unterstrich zudem die Bedeutung der Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Akteuren, darunter auch den Kirchen.
Ein besonderes Beispiel für dieses Miteinander war der Hessentag in Fulda. Schenck zu Schweinsberg erinnerte an die gemeinsame Arbeit von Stadt, DRK und den anderen Blaulichtorganisationen. Sie selbst habe während des Landesfestes unter anderem beim Würstchengrillen mitgeholfen – am Ende seien rund 9000 Würstchen zusammengekommen. Auch die rund 1000 haupt- und ehrenamtlichen Rotkreuzler, die während des Hessentags im Einsatz gewesen seien, hätten einen wichtigen Beitrag geleistet. „Diese Tage haben uns zusammengeschweißt und wenn wir nochmal Hessentag hätten, würden wir die Ärmel hochkrempeln und es wieder hinkriegen“, betonte die Präsidentin und erntete dafür großen Applaus von den über 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld schloss sich dem Dank an und erinnerte an die rund 1,1 Millionen Besucher, die während des Hessentags nach Fulda gekommen waren. Dass das zehntägige Landesfest friedlich und bei bester Stimmung verlaufen sei, sei keineswegs selbstverständlich gewesen. Ohne die Unterstützung des DRK hätte die Stadt eine solche Veranstaltung nicht stemmen können. Seine Einschätzung brachte Wingenfeld in einem Satz auf den Punkt: „Auf das Deutsche Rote Kreuz ist immer Verlass.“ Das gelte nicht nur für Großveranstaltungen. Der Oberbürgermeister erinnerte auch an frühere Einsätze in der Region, etwa an den Sommer 2015, als innerhalb von 48 Stunden Unterkünfte für rund 1000 Menschen aufgebaut werden mussten. Hinter der Leistungsfähigkeit der Organisation stünden vor allem die Menschen, die sich für das DRK engagierten. Wingenfeld hob zudem hervor, wie wichtig persönliche Begegnungen und der direkte Austausch seien – gerade in einer zunehmend digitalen Welt.
Auch Brigitte Wettengel, Vizepräsidentin des DRK-Landesverbandes Hessen, richtete den Blick über die Region hinaus. Das Rote Kreuz sei weltweit in 191 Nationen vertreten und verstehe sich weiterhin als vorwiegend ehrenamtlich geprägte Organisation. Für Hessen nannte sie unter anderem rund 18.000 Jugendliche im Roten Kreuz und etwa 10.000 hauptamtlich Beschäftigte. Die Bedeutung der Organisation fasste sie mit einem besonders eindrücklichen Bild zusammen: „Das Rote Kreuz ist ein Zeichen der Hoffnung. Ein Zeichen der Hoffnung für Menschen in Not.“ Gerade dann, wenn nichts anderes mehr trage, wüssten Menschen, dass das Rote Kreuz für sie da sei und Hilfe leiste.
Gundula Gause über Ehrenamt und Journalismus
An diese Gedanken knüpfte Gundula Gause mit ihrem Vortrag zum Thema „Gesellschaftliches Miteinander in Zeiten des Umbruchs: zur Bedeutung von Ehrenamt und Journalismus“ an. Die langjährige ZDF-Moderatorin, die seit 37 Jahren für den Sender arbeitet, bezeichnete ehrenamtliches Engagement als wichtigen Gegenpol zu den vielen schlechten Nachrichten, mit denen sie sich beruflich auseinandersetze. Bis zu 30 Millionen Menschen engagierten sich in Deutschland ehrenamtlich, das seien rund 40 Prozent der Bevölkerung ab zehn Jahren, führte Gause aus. Sie erinnerte an ein Zitat des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck: „Das Ehrenamt ist der Kitt der Gesellschaft.“ Engagement helfe nicht nur anderen, sondern stifte auch denjenigen Sinn und Zufriedenheit, die sich einbringen. Es gehe deshalb auch darum, insbesondere junge Menschen persönlich anzusprechen und für ein Ehrenamt zu begeistern.
Dass dieses Engagement eine ganz persönliche Bedeutung haben könne, schilderte Gause anhand ihrer eigenen Erfahrungen. Seit fast 25 Jahren unterstütze sie als Schirmherrin das katholische Hilfswerk Missio. Bei mehreren Besuchen in Afrika habe sie Hilfsprojekte kennengelernt und erlebt, unter welchen schwierigen Bedingungen Menschen dort leben. Zuletzt sei sie in Ghana gewesen und habe eine große Elektroschrott-Deponie besucht, auf der bis zu 150.000 Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen lebten. Solche Erfahrungen hätten ihren Wunsch verstärkt, den schlechten Nachrichten und Entwicklungen etwas entgegenzusetzen.
Gleichzeitig sprach die Journalistin über die Herausforderungen ihres eigenen Berufs. Die Welt werde zunehmend komplexer, die Gesellschaft sei stärker polarisiert und öffentliche Diskussionen häufig von Emotionen geprägt. Aufgabe des Journalismus sei es deshalb, Orientierung zu geben und unterschiedliche Perspektiven sachlich einzuordnen. „Die Weltlage ist hochkomplex. Und da ist es eben Aufgabe von Journalisten, von uns Nachrichtenleuten, nach bestem Wissen und Gewissen da ein bisschen Ordnung hineinzubringen“, forderte Gause. Mit Blick auf den Medienwandel verwies sie insbesondere auf die Schwierigkeit, jüngere Generationen noch mit klassischen Nachrichtenangeboten zu erreichen. Bei einer Schulveranstaltung in Stadtallendorf hätten von rund 100 Jugendlichen lediglich zwei angegeben, ARD oder ZDF zu schauen. Auch die zunehmende Bedeutung künstlicher Intelligenz werde die Medienwelt weiter verändern. Umso wichtiger sei es, Wissen und eigene Kompetenzen aufzubauen, um Informationen kritisch einordnen zu können.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Zum Ende ihres Vortrags richtete Gause den Blick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie. Gerade in einer Zeit, in der unterschiedliche Meinungen immer häufiger zu Konflikten führten, müsse die Bereitschaft wachsen, aufeinander zuzugehen und miteinander im Gespräch zu bleiben. Die Demokratie sei in Gefahr, warnte sie. Umso wichtiger sei es, Verantwortung zu übernehmen – im Beruf, im persönlichen Umfeld und darüber hinaus. Ihren Appell verband sie mit einem afrikanischen Sprichwort: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Jeder Einzelne könne einen Beitrag leisten, betonte die ZDF-Moderatorin. Es gehe darum, sich über die eigenen privaten Belange hinaus für die Gesellschaft und den Erhalt der Demokratie einzusetzen.
Damit schloss sich der Kreis zum eigentlichen Anlass des Abends: Denn auch die Arbeit des DRK lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, anderen helfen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt ganz praktisch stärken. Ein Engagement, das an diesem Abend nicht nur gewürdigt, sondern auch als unverzichtbarer Bestandteil einer funktionierenden Gesellschaft hervorgehoben wurde.
