In das Zentrum seiner Predigt stellte Weihbischof und Domdechant Prof. Dr. Karlheinz Diez die Worte Jesu aus dem Evangelium von der Auferweckung des Lazarus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“
Die christliche Hoffnung richte sich auf ein neues, ewiges Leben bei Gott, in dem Leid und Streit überwunden seien und die Begegnung mit Gott und den vorausgegangenen Verstorbenen möglich werde, betonte der Weihbischof.
Der Himmel als Ort der Begegnung mit Gott
Diez lud die Gläubigen ein, sich den eigenen Vorstellungen vom Himmel zu nähern. Unabhängig davon, wie Menschen religiös beheimatet seien oder ob sie keinem Glauben angehörten, verbinde viele die Sehnsucht nach einem Zustand des Friedens und der Geborgenheit. Der Weihbischof hob hervor, dass der Himmel für ihn persönlich ein Ort sei, an dem alle Last und aller Streit des irdischen Lebens verschwunden seien und beglückende, tief erfüllende Begegnungen möglich würden mit den verstorbenen Angehörigen und vor allem mit Gott selbst, der die Liebe sei.
Diese Hoffnung finde ihren Ausdruck auch im dritten Hochgebet für Verstorbene: „Dann wirst du alle Tränen trocknen. Wir werde dich, unseren Gott, schauen, wie du bist, dir ähnlich sein auf ewig und dein Lob singen ohne Ende“, sagte Diez.
Allerseelen als Tag der Hoffnung
Der Allerseelentag sei deshalb mehr als ein Tag der Trauer und des Gedenkens. Durch Gebet und Erinnerung könnten die Gläubigen ihre Verbundenheit mit den Verstorbenen ausdrücken und für sie beten. Die Lichter, die an Allerseelen auf den Gräbern entzündet werden, stünden symbolisch für diese Gebete.
So könne der Tag, der von manchen Menschen als grau und trüb erlebt werde, auch als ein Tag der Vorfreude und der Mitfreude mit den Verstorbenen verstanden werden. Diez beschrieb ihn als einen Tag des „schon und noch nicht“: Die Hoffnung auf das ewige Leben sei bereits gegenwärtig, ihre endgültige Erfüllung stehe aber noch aus.
Jesus Christus ist die Auferstehung und das Leben
Im Evangelium von der Auferweckung des Lazarus begegneten die Gläubigen dieser Spannung zwischen Trauer und Hoffnung unmittelbar. Als Jesus nach Betanien kommt, ist Lazarus bereits seit vier Tagen begraben. Marta, die Schwester des Verstorbenen, hält ihm ihre Enttäuschung entgegen: „Herr, wärest du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“
Die Worte Jesu „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ gehörten für Diez zu den bewegendsten Ich-bin-Worten des Johannesevangeliums. Mit Jesus Christus werde Leben neu verstanden: Es sei nicht allein durch Herzschlag und Hirnströme bestimmt, sondern durch die lebendige Beziehung zu Christus. Diese Beziehung werde durch den leiblichen Tod nicht aufgehoben.
Gräbersegnung im Dom
Dem Pontifikalrequiem im Fuldaer Dom folgte eine Prozession zur Johanneskapelle mit Gräbersegnung. Die musikalische Gestaltung übernahm der JugendKathedralChor unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber. An der Orgel spielte Domorganist Max Deisenroth.
