Drei Tage lang messen sich insgesamt 20 Teams aus Bund und Ländern in unterschiedlichsten Szenarien. Rund 120 Polizistinnen und Polizisten müssen dabei nicht nur körperliche Belastbarkeit beweisen, sondern auch taktisches Geschick, Teamarbeit und schnelle Entscheidungen unter Druck. Die Übungen führen quer durch die Region – vom höchsten Punkt Hessens bis zum tiefsten Punkt Thüringens, über Seen, Waldstücke, Brücken, Schießstände und ehemalige Industrieanlagen.
Schon der Auftakt auf der Wasserkuppe zeigt, wie anspruchsvoll die Aufgaben angelegt sind. Unter dem Titel „Stealth – Unter dem Radar“ absolvieren die Teams einen Massenstart mit mehreren Unterstationen. Mal müssen schwere Übungspuppen kilometerweit transportiert werden, mal mathematische Aufgaben unter körperlicher Belastung gelöst werden. An anderer Stelle gilt es, Hindernisse zu überwinden oder feinmotorische Arbeiten zu erledigen – etwa das Sticken des Schriftzugs „BFE“ mit Nadel und Faden mitten im Wettkampfmodus.
Was zunächst fast spielerisch klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten – kurz BFE – gehören zu den hochspezialisierten Kräften der Polizei. Sie kommen unter anderem bei Demonstrationen, Hochrisikoeinsätzen oder größeren Sicherheitslagen zum Einsatz. Genau deshalb steht bei der Vergleichsübung weniger der reine Wettkampfgedanke im Vordergrund als vielmehr der Austausch zwischen den Einheiten.
„Zusammenarbeit entsteht nicht per Erlass – sie entsteht hier. Durch gemeinsames Trainieren, gemeinsames Lernen und gemeinsames Erleben“, sagte der stellvertretende Abteilungsführer der Bundespolizeiabteilung Hünfeld Julian Neumann bei der Eröffnung. Dass Einheiten aus allen Bundesländern sowie internationale Delegationen aus Österreich, Frankreich und Tschechien zusammenkämen, sei „weit mehr als ein organisatorischer Kraftakt“. Gerade in Zeiten komplexer Sicherheitslagen seien eingespielte Abläufe und gegenseitiges Vertrauen entscheidend.
Auch Andreas Schmenkel-Backhoff, Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder, betonte die Bedeutung der spezialisierten Kräfte für die innere Sicherheit. Die Einheiten seien „tragende Säulen der inneren Sicherheit“ und stünden täglich im Spannungsfeld zwischen konsequentem Einschreiten und grundrechtsbewusstem Handeln. Gleichzeitig sprach er von „Weltklasse“, wenn es um Leistungsfähigkeit, Professionalität und Einsatzbereitschaft der Teams gehe. Auch Staatssekretär Micheal Brand und zahlreiche weitere Vertreter aus der Politik ließen sich dies nicht entgehen.
Die Szenarien selbst bleiben für die Teilnehmer bis kurz vor Beginn weitgehend geheim. Bekannt sind lediglich die Namen der Stationen – viele davon angelehnt an Filmtitel oder bekannte Filmszenen. Hinter Bezeichnungen wie „Das tapfere Schneiderlein“, „Seepferdchen“ oder „Was ist mit Karsten los?“ verbergen sich jedoch körperlich und taktisch extrem fordernde Aufgaben.
Besonders spektakulär: Die Teams treten an den einzelnen Stationen jeweils direkt gegeneinander an. Jeder Fehler kostet Zeit und Punkte. Bewertet werden neben Schnelligkeit auch Kommunikation, taktisches Vorgehen und Teamkoordination. Der Wettbewerb dient den Einheiten damit gleichzeitig als „Best Practice“, um eigene Taktiken weiterzuentwickeln und voneinander zu lernen.
Am Donnerstag läuft der Stationsbetrieb von früh morgens bis in den Nachmittag hinein. Der Abschluss der Übung findet anschließend im Stadtgebiet von Hünfeld statt. Gegen 17 Uhr startet dort die finale Abschlussübung am Festplatz Haselgrund, bevor die Teams gegen 18.30 Uhr ins Ziel an der Bundespolizeiabteilung einlaufen.
Nach dem ersten Wettkampftag lag Thüringen vor Bayern an der Spitze des Klassements. Hessen platzierte sich ebenfalls in den Top fünf. Der Gesamtsieger der Vergleichsübung wird am Abend bei der Siegerehrung bekanntgegeben.
Trotz aller Wettkampfatmosphäre steht für viele Beteiligte jedoch etwas anderes im Vordergrund: der Austausch zwischen den Einheiten. Oder wie es Julian Neumann formulierte: „Wenn wir am Ende sagen können, dass wir voneinander gelernt und Vertrauen aufgebaut haben, dann war diese Übung erfolgreich.“
